Maria Ertl wurde 83 Jahre alt.

Das Geschäft war ihr Leben

Unterhaching - Blumen statt Gemüse: Seniorchefin Maria Ertl hat die Weichen rechtzeitig - im Jahr 1970 - gestellt. Jetzt ist die Seniorchefin von "Blumen Ertl" in Unterhaching gestorben.

Viehmist war es, der Maria Schmid zu Maria Ertl machte und ihr ein Leben schenkte, das sie sehr liebte. Ein Leben mit einer großen Familie und einem Familienbetrieb, dem Blumenhaus Ertl. Jetzt ist die langjährige Inhaberin des Unterhachinger Unternehmens, inzwischen Seniorchefin, mit 83 Jahren gestorben.

„Das Geschäft war ihr Leben“, sagt Tochter Elfi Diepold. „Eine Geschäftsfrau durch und durch“ nennt sie ihre Mutter. Dabei war Maria Ertl diese Rolle nicht in die Wiege gelegt. Vielmehr bescherte der Mist sie ihr. Denn nachdem sie mit 16 Jahren aus dem Sudetenland geflüchtet war, arbeitete sie in der Taufkirchner Gärtnerei Öllbrunner. Dort kaufte Johann Ertl regelmäßig Viehmist als Dünger. Er hatte gerade die Gärtnerei seines Onkels übernommen. Aus Maria und Johann wurde ein Paar. 1949 heirateten sie. Und machten „mit Fleiß und totaler Disziplin“, wie die Tochter sagt, aus der Gärtnerei, die nach dem zweiten Weltkrieg in desolatem Zustand war, einen florierenden Gemüsehandel.

Maria Ertl war ein Mensch, der anpackte. Eine taffe, emanzipierte Frau. Über 40 Jahre lang fuhr sie jeden Tag morgens um drei Uhr zum Großmarkt, um das Gemüse zu verkaufen. Weil sie dafür den Führerschein brauchte, machte sie ihn 1950 - als zweite Frau in Unterhaching.

Bei aller Arbeit hielt Maria Ertl auch immer das Familienleben hoch. Ihr ganzer Stolz galt ihren vier Töchtern, acht Enkeln und drei Urenkeln. Zu Familienfesten kamen meist alle bei Maria Ertl zusammen, die dann mit Leidenschaft für alle kochte.

Ihr Lebenswerk in guten Händen zu wissen, war ihr ein Anliegen. 1970 stellte der Betrieb von Gemüse auf Blumen um, nicht nur, weil der Markt für Gemüse wegen der Konkurrenz aus Holland einbrach, sondern auch „in Ermangelung männlicher Erben“, wie Elfi Diepold sagt. Mädchen, so die Idee, könnten mit Gerbera und Geranien besser als mit Sellerie und Salat. Der Plan ging auf. Heute führt Tochter Mariele Kameter das Blumenhaus. Zwei weitere Töchter arbeiten ebenfalls im Betrieb.

Marie-Christine Fischer

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