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Äußerst dankbar war Karin Baumgärtel ihren Lebensrettern von der Garchinger Wehr, Florian Luttenberger (l.) und Johannes Kick. Sie hatten die Frau nach einem Herzinfarkt wiederbelebt

Wie sich Betroffene von Bränden und Unfällen bei den Einsatzkräften revanchieren

Geschenke für die Lebensretter

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Von Pralinen bis zum Tablet-PC: Teils kurios, teils berührend sind die Geschenke, die die Lebensretter von der Feuerwehr von denjenigen überreicht bekommen, denen sie zur Hilfe geeilt sind. Wir haben uns mal im Landkreis umgehört.

Landkreis – Dass die Feuerwehr kommt, wenn es brennt, oder der Rettungsdienst bei Unfällen herbeieilt, steht für viele außer Frage. Dass sich diejenigen, denen geholfen wird, bei den Einsatzkräften bedanken, ist dagegen schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Wenn aber jemand seinen Dank äußert, ist das oft besonders herzlich und berührend, wie Feuerwehrkommandanten im Landkreis erzählen.

„Ned gschimpft is globt gnua.“ Eduard Klas, Kommandant der Ottobrunner Wehr, bemüht dieses Zitat, um auszudrücken, dass es eher selten vorkommt, dass Bürger den Brandhelfern nach einem Einsatz ihre Dankbarkeit bekunden. Er hat aber auch Verständnis dafür. Gerade Unfallopfer oder Menschen, bei denen es gebrannt hat, befänden sich in Extremsituationen und hätte anderes im Kopf. „Da ist man nicht böse.“

Für ihn und seine Leute sei es Dank genug, wenn es gelungen sei, eine Person zu retten oder eine Sache zu schützen. Denn oft wüssten die Einsatzkräfte überhaupt nicht, was aus einer Person geworden ist, die man beispielsweise nach einem Unfall aus dem Auto geschnitten habe und die mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert worden sei. Besonders im Gedächtnis geblieben ist Klas deshalb auch die großzügige Geldspende eines Mannes, den das First-Responder-Team der Ottobrunner Wehr nach einem Herzinfarkt wiederbelebt hatte und der Wochen später die Brandhelfer persönlich besuchte, um sich zu bedanken.

Auch Johannes Kick, Vorsitzender des Feuerwehrvereins Garching, erinnert sich sofort an den Fall zurück, bei dem eine ältere Frau auf dem Rathausplatz einen Herzinfarkt erlitt und von ihm und einem weiteren Feuerwehrler mithilfe eines Defibrillators gerettet wurde. „Sie kam genau ein Jahr später in unsere Wache und überreichte uns anlässlich ihres zweiten Geburtstags eine Spende und ein herzliches Dankesschreiben. „So etwas ist für uns Motivation und Ansporn unser Ehrenamt weiter auszuüben.“

Der Brief kam laut Kick ebenso ins Feuerwehr-Archiv, wie das Schreiben einer Mutter, die sich für die Rettung ihres Kindes bedankte, dass sich im Auto eingesperrt hatte. „Sie hatte den Text so verfasst, als hätte ihn der Kleine geschrieben“, erzählt Kick.

Viele Dankeskarten nach Hausgeburten

Relativ häufig bekommen die Besatzungen der Rettungswagen Dankeskarten, und zwar wenn sie bei Hausgeburten oder bei der Niederkunft auf dem Weg zum Krankenhaus geholfen haben, sagt Sönke Lase, Leiter der Abteilung Rettungsdienste beim BRK-Kreisverband München. Bei den Johannitern wiederum werden Dankesschreiben wie Reklamationen behandelt. „Die gehen bis nach ganz oben“, betont Jürgen Federmann, Bereichsleiter Einsatzdienste beim Landesverband Bayern. Für die Mitarbeiter bedeute das, „dass sie sich nicht nur über ein Dankeschön freuen dürfen, sondern auch sicher sein können, dass Ihr Engagement in der Führungsetage zur Kenntnis genommen wird“.

Neben Briefen werden die Einsatzkräfte ab und an auch mit Süßem bedacht – sei es Plätzchen, Kuchen oder Schokolade. „Weil wir eine verletzte Taube einmal zum Tierarzt gebracht haben, hat uns jemand eine Schachtel Pralinen vors Gerätehaus gelegt“, erzählt David Ward, Kommandant der Feuerwehr Hochbrück. Derjenige sei wohl froh gewesen, dass man sein Anliegen ernst genommen hat“, mutmaßt er. „Das waren leckere Lindt-Pralinen. Die haben wir gleich verputzt.“

Alles andere als schmackhaft war dagegen das Präsent, dass die Grünwalder Wehr von einem Ehepaar bekam, zu dessen Haus sie mehrmals ausrücken musste. „Sie haben uns eine Kiste Wein spendiert“, erzählt Kommandant Thomas Lix. Als man den Wein gemeinsam mit der Partnerfeuerwehr trinken wollten, folgte die böse Überraschung: „Der komplette Wein schmeckte verkorkt. Die haben uns ihr altes Glump aus dem Keller geholt.“

Patient ist jetzt selbst passives Mitglied

Stolz präsentiert Daniel Buck, Kommandant der Feuerwehr Hohenschäftlarn den Tablet-PC. Das Gerät hat ein Schäftlarner gespendet, den das First-Responder-Team medizinisch versorgte.

Gemundet hat den Brandhelfern aus Grünwald dagegen die Spende der Betreiber der Schlosspassage. Nach dem Brand des Einkaufszentrums haben sie laut Lix 1000 Euro gespendet. „„Das Geld haben wir dann in flüssiges Gut umgewandelt und jeder Feuerwehr, die uns beim Löschen des Brandes geholfen hat, ihren Anteil in Form von Bierfassln vorbeigebracht.“

Neben kleinen Präsenten in Form von Bierkästen, Brotzeitgeld oder Ähnlichem, gibt es aber auch außergewöhnliche Geschenke, die die Feuerwehren erhalten. So ist die Hohenschäftlarner Wehr in den Genuss eines Tablets gekommen, weil sie einem Bürger zur Hilfe eilte, dem es zuhause schlecht geworden war und der umfiel. „Als unser First-Responser-Team eintraf, war er schon wieder ansprechbar. Aber er fand die Betreuung so toll, dass er wenig später Kontakt zu uns aufnahm“, erzählt Kommandant Daniel Buck. Neben einer großzügigen Geldspende bedankte sich der Mann auch mit einem Tablet-PC. Der mobile Computer erleichtert die Arbeit laut Buck bei der Gerätewartung und hilft, Daten am Einsatzort aufzunehmen. Was den Hohenschäftlarner Kommandanten aber noch viel mehr freut als das wertvolle Gerät: „Der Mann ist mittlerweile passives Mitglied bei uns und engagiert sich sehr.“

Präsent-Regeln:

Was Spenden oder sogar Geschenke betrifft, gibt es bei den verschiedenen Einsatzkräften unterschiedliche Regelungen. Bei der Feuerwehr gebe es keine Richtlinien, sagt Kreisbrandrat Josef Vielhuber. „Zumindest ist mir nichts bekannt.“

Anders ist es bei den Johannitern. „Es gibt bei uns als kirchliche Einrichtungen Regelungen, die an den Öffentlichen Dienst angelehnt sind“, erläutert Jürgen Ferdermann. Grundsätzlich dürften die Mitarbeiter „geringwertige Dinge“ als kleine Anerkennung annehmen. „Unsere Mitarbeiter sind da alle sehr sensibilisiert und selbstkritisch“, betont Federmann. Sie würden im Zweifelsfall beim Vorgesetzten nachfragen, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie etwas annehmen dürfen.

Beim BRK gibt es eine Dienstvereinbarung. Dort sind laut Sönke Lase vom Kreisverband München die Wertgrenzen für Geschenke definiert. Er sieht es als Problem an, wenn ältere Menschen aus übergroßer Dankbarkeit den Helfern einen Betrag schenken wollen, den sie sich eigentlich nicht leisten können. „Da gilt es für unsere Mitarbeiter, besonders sensibel vorzugehen.“ Einen kleinen Betrag anzunehmen – beispielsweise fünf Euro für die Kaffeekasse sei in Ordnung. Man wolle den Betroffenen ja nicht vor den Kopf stoßen. „Aber der Geldbetrag sollte auf jeden Fall in Relation zu der Hilfeleistung stehen.“

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