"Geschlossen agieren und Konzepte für ganze Region finden"

- Münchens OB Christian Ude gibt Südring keine Chance

VON STEPHEN HANK Pullach - Christian Ude ist pünktlich. Schon vor der Zeit steht der silberne 7er BMW mit dem verheißungsvollen Kennzeichen "M-CU-2000" vor dem Pullacher Bürgerhaus. Während der Münchner SPD-Oberbürgermeister auf dem Beifahrersitz noch Unterlagen studiert, sondiert sein Chauffeur die Lage. Aha, erstes Untergeschoss, kleiner Saal, Gespräch mit Vertretern der Landkreispresse. "Ich bin gerne gekommen", versichert Christian Ude wenig später im kleinen Kreis. Neben ihm sitzt Thomas Wiedemann, Landtagskandidat der SPD für den südlichen Landkreis. Er, mit dem Ude eigenen Worten zufolge "inhaltliche Übereinstimmungen" feststellt, hat die einstündige Gesprächsrunde organisiert. Es soll um Themen gehen, die Stadt und Landkreis gleichermaßen betreffen, also beispielsweise um Südring, Grünwalder Tram, die Lage an den Berufsschulen. Und Christian Ude ist um keine Antwort verlegen.

Südring

"Ich glaube nicht an den Südring", sagt der Münchner Oberbürgermeister. "Er ist technisch, rechtlich und politisch nicht durchsetzbar." Das müsse man den Gemeinden im Norden und Osten Münchens auch sagen und diese nicht mit einer Machbarkeitsstudie vertrösten. Christian Ude liegt damit auf einer Linie mit Thomas Wiedemann, der die Autobahn aus den bekannten Gründen "voll und ganz" ablehnt. Stattdessen müsse man den geplanten Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz mit in die Untersuchungen aufnehmen. Durch diesen so genannten "kleinen Südring" entlang des Mittleren Rings erhofft sich auch Ude eine "gewisse Entlastung". Von Attacken, wie sie sein Parteifreund Peter Paul Gantzer, Landtagsabgeordneter aus Haar, derzeit gegen die "großkopferten Südstaatler" reitet, hält er dagegen nichts. "Diese Argumente treffen nicht den Sachverhalt", kritisiert er. "Eine Partei muss geschlossen agieren und Konzepte für die ganze Region finden."

Gemeindefinanzen

Sorge bereitet dem Münchner Oberbürgermeister die Finanznot der Kommunen. Wichtigstes gemeinsames Ziel müsse eine durchschlagende Gemeindefinanzreform zum 1. Januar 2004 sein, "sonst wird`s zappenduster". Die angespannte Haushaltslage eine Städte, Gemeinden und Landkreise wie keine andere Sache zuvor. "Mögliche Differenzen zwischen Stadt und Landkreis München treten vor dieser Finanznot völlig in den Hintergrund", sagt Ude.

Berufsschulen

Nach Aussagen von Christian Ude bleibt kein Berufsschüler aus dem Landkreis München, der eine Bildungseinrichtung in der Stadt besuchen will, ohne Angebot. Man sei seitens der Stadt aus finanziellen Gründen zwar gezwungen worden, die Eingangsklassen zu reduzieren, mittlerweile habe der Freistaat aber Ersatz geschaffen und Neugründungen vorgenommen. "Es ist im Grunde alles beim Alten geblieben, nur das Abrechnungsverfahren ist komplizierter geworden", kritisiert der Oberbürgermeister. "Es wäre besser, der Freistaat würde seine Personalkostenzuschüsse an die Stadt gleich erhöhen."

Trambahn Grünwald

Für die Traditionsstrecke, die Grünwald und die Stadt seit 1910 verbindet, sieht der Münchner Oberbürgermeister auch künftig gute Chancen. "Es wäre ein schlechter Witz, wenn die Brücke zwischen Kernstadt und Umland aus finanziellen Gründen scheitern würde", so Christian Ude. Für die nächsten zwei Jahre sei die Finanzierung (vorbehaltlich des Kreistagsbeschlusses am kommenden Montag) gesichert, "und dann werden erwachsene Menschen bei gutem Willen doch eine Lösung finden." Fest steht für den SPD-Politiker allerdings: Die Kosten müssen künftig gerecht verteilt werden, Kostenträger im Landkreis sei schließlich auch der Landkreis.

BND

"Es wird immer so dargestellt, als sei der Wegzug des Bundesnachrichtendienstes aus Pullach bedauerlich und ein Nackenschlag für die Wirtschaft", erinnert der Oberbürgermeister. "Ich sehe das aber ausgeglichener." Es sei zwar schlimm, von München nach Berlin ziehen zu müssen, für Bundesbedienstete gebe es aber nunmal keine Standortgarantie. Zudem bedeute es, dass ein bislang hermetisch abgeriegeltes Gelände wieder zugänglich werde. "Es bestehen Chancen auf hochattraktive Wohnungsbau-Grundstücke in absoluter Traumlage", findet Christian Ude. "Die Leute erhalten die Möglichkeit, Eigentum zu schaffen."

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