Mit Chemie in hübschen Kleidern hat Christel Brem leider nicht nur Bekanntschaft gemacht, ihr ganzer Körper war vergiftet. Foto: bro

Das Gift in der Kleidung

Ottobrunn - Seit fast 25 Jahren befasst sich Christel Brem mit der Problematik von giftigen Chemikalien in Textilien und ist längst eine Spezialistin auf diesem Gebiet.

Die Beschäftigung mit der komplizierten Thematik basiert auf eigenen bitteren Erfahrungen: Brem, die in den 80er Jahren ein Trachtengeschäft in Neubiberg gehabt hat, wurde auf Dauer arbeitsunfähig - vergiftet durch chemische Zusätze in der Kleidung.

Als Expertin ist sie noch heute gefragt: Vor wenigen Tagen sprach die zierliche Ottobrunnerin auf dem internationalen Umweltfestival „Cradle-to-Cradle“ in Berlin zum Thema „Die Umweltverträglichkeit von Textilien“. „Cradle to Cradle“ bedeutet so viel wie „von der Wiege bis zur Wiege“ und meint, dass alles wieder in seinen eigenen Kreislauf integriert wird. Neben Ausstellungen gab es auf dem Festival zahlreiche Vorträge. Auf der Referentenliste standen renommierte Wissenschaftler. „Was mich besonders stolz macht“, sagt Brem, „ist die Tatsache, dass auch der Gründer des ,Alternativen Nobelpreises’, Jakob von Uexküll, eingeladen war, und einen Vortrag gehalten hat.“

Die Ottobrunnerin sieht dem Auftritt vor großem Publikum gelassen entgegen. Lampenfieber? Kennt sie nicht. „Ich habe schon so viele Vorträge gehalten. Acht oder neunmal habe ich im Bayerischen Landtag gesprochen, aber auch im Bundestag.“ Darüber hinaus habe sie zahlreiche Petitionen verfasst, und es habe Publikationen in großen Nachrichtenmagazinen gegeben. Auch das Fernsehen habe etwa 40 Mal berichtet. „Gift in Textilien, das war damals überhaupt noch kein Thema“.

Für die Ottobrunnerin - Mutter zweier Kinder und heute bereits Ur-Oma - wurde es Teil des Lebens. Ohne zunächst die Ursache zu kennen, litt sie unter anderem unter Schwindelanfällen bis hin zur Ohnmacht, Sehstörungen, Ausschlag, Muskelschwund, schwerer Blutarmut und einem sehr schwer geschädigten Immunsystem. „Ständig fühlte ich mich schlapp“, erinnert sich die Ottobrunnerin. „Besser wurde es nur, wenn im Sommer das Geschäft vier Wochen zu war. Wir sind in den Ferien oft ans Meer gefahren. Da ging es mir viel besser, mir hat fast nichts mehr gefehlt.“ Die Beschwerden seien wieder aufgetreten, sobald sie zurück ins Geschäft und mit den Kleidungsstücken in Berührung gekommen sei. Bis endlich festgestellt worden sei, dass ihr Körper vergiftet ist durch in den Textilien enthaltene Pestizide wie das Insektenvernichtungsmittel Lindan sowie Pentachlorphenol (PCP), habe es viele Jahre gedauert.

Unterdessen musste Brem miterleben, wie Gutachter „Zahlen veränderten oder meine extrem hohen Schadstoff-Blutwerte als Laborfehler herabminderten. Vor Gericht wurde all denen mehr geglaubt als jenen Gutachtern, die meine Krankheit als berufsbedingt anerkannt hatten“.

Bis heute hat die Berufsgenossenschaft ihre Beschwerden nicht als berufsbedingt anerkannt. Brem weiß, warum: „Ich wäre damals der Präzedenzfall für die Textilbranche geworden, das musste unbedingt verhindert werden.“

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