Gottesdienste nur noch auf Sparflamme

- Pfarrer Bernhard Koch musste seinen Führerschein abgeben

VON CORNELIA BABL Großdingharting - Magere Zeiten kommen auf die Kirchgänger der Pfarrei St. Laurentius in Großdingharting zu: Aufgrund eines medizinischen Gutachtens musste Pfarrer Bernhard Koch nach monatelangen Querelen (wir berichteten) nun seinen Führerschein abgeben. Für den 58-Jährigen ein schwerer Schlag. Denn wegen seiner Unterschenkelprothese ist er dringend auf sein Auto angewiesen - und kann von seiner Münchner Wohnung aus seine Schäfchen jetzt nur noch per Taxi aufsuchen. "Das ist keine Dauerlösung. Wir sind alle ein bisschen ratlos", kommentiert Pfarrgemeinderatsmitglied Johann Beierbeck.

Wie es weitergehe, sei im Moment völlig unklar. "Wir wissen noch gar nichts", sagt Beierbeck. Vorerst werden seinen Worten zufolge lediglich noch die beiden Sonntagsmessen in Großdingharting und Straßlach stattfinden. Für die Messen in Holzhausen und Kleindingharting sehe es dagegen schlecht aus. Beierbeck: "Die Gottesdienste laufen auf Sparflamme."

Böse Überraschung am Heiligen Abend

Damit hat Pfarrer Koch nun vorerst den Kampf um seinen Führerschein verloren. In einem medizinischen Gutachten, das dem Kreisverwaltungsreferat vorliegt, wird dem Geistlichen die Fähigkeit abgesprochen, am Straßenverkehr teilzunehmen. Laut Koch werden als Gründe unter anderem sein Bluthochdruck und Empfindungsstörungen im gesunden Bein genannt - Diagnosen, die seiner Meinung nach nicht mehr stimmen. Am Heiligen Abend jedoch flatterte ihm der Bescheid des Kreisverwaltungsreferats ins Haus. Und gleich nach Neujahr musste er seine Fahrerlaubnis abgeben. "Jetzt bin ich zu Hause eingesperrt, und bei dem Wetter kann ich gar nicht raus", klagt er. Ohne Auto könne er sich nicht mehr selbst versorgen. Kein Verständnis für den Schritt des Kreisverwaltungsreferats hat Koch auch deshalb, weil er "noch nie einen Unfall verursacht" habe. Derzeit befasst sich das Verwaltungsgericht mit dem Fall.

"Wir mussten den Führerschein entziehen", sagt Christopher Habl, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats. Schließlich gehe aus dem Gutachten hervor, dass Koch "verkehrsrechtlich nicht mehr fahrtüchtig" sei. Und die berufliche Situation des Pfarrers könne nicht über seine gesundheitliche Eignung gestellt werden.

Auch im erzbischöflichen Ordinariat ist der Fall nun auf die Tagesordnung gesetzt worden. "Wir haben eine Mitteilung bekommen", sagt Pressesprecher Winfried Röhmel. Am Dienstag werde die Sache bei einer Konferenz angesprochen. Bis dahin will Röhmel sich über Kochs Zukunft nicht äußern.

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