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Beliebter Wallfahrtsort: Im Mittelalter pilgerten viele Gläubige zur Kirche zur Heiligen St. Ottilie.

Klosterdorf, Jagdgebiet, Pilgerstätte

1200 Jahre Möschenfeld: Kleines Holzmodell zum großen Jubiläum 

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Der Grasbrunner Ortsteil Möschenfeld feiert heuer 1200-Jähriges. Der Heimatkreis hat anlässlich des Jubiläums eine Ausstellung organisiert - mit einem besonderen Highlight.

Möschenfeld – Einen Kalender über das ehemalige Kloster in Möschenfeld haben die beiden bereits zusammengestellt. Zum Jubiläum muss es aber etwas besonderes sein, da waren sich Irmgard Karg und Josef Karl vom Heimatkreis Harthausen einig. Und so widmeten sie dem Grasbrunner Ortsteil zu seiner 1200-Jahrfeier eine eigene Ausstellung im Bürgerhaus, die an diesem Samstag eröffnet und bis Montag, 18. März, zu sehen ist. Es ist eine Reise durch die bewegte Vergangenheit des kleinen Dorfs.

Der Blickfang der Ausstellung ist ein perfektes Holzmodell der Wallfahrtskirche St. Ottilie, an dem Karl monatelang gebastelt hat. Der Freund seiner Tochter ist Schreiner. Mit ihm und einem Laser-Messgerät hat Karl zunächst die Kirche innen und außen exakt vermessen und Pläne gezeichnet. „Da gab es ja keine Aufzeichnungen“, berichtet der Vorsitzende des Heimatkreises. Mit den gewonnenen Daten hat er kurz nach Weihnachten angefangen, am Modell zu bauen. Die Spitze des großen Zwiebel-Turms kann man ebenso wie das Dach abnehmen. Karl hat auch eine kleine Sonnenuhr montiert. Innen ist die Kirche komplett bestuhlt und mit Altar und Lampen ausgestattet, sie hat Fenster – und weil sie aus dünnem Holz gebaut wurde, kann man sie einfach transportieren.

Detailgetreu: Das Modell des Gotteshauses hat Josef Karl über Monate angefertigt – samt abnehmbarem Zweibelturm.

Die Kirche zur Heiligen St. Ottilie war vor allem im Mittelalter ein beliebter Wallfahrtsort. Wie Karl und Karg herausgefunden haben, kamen zum Hauptfest, dem sogenannten „Möschenfelder“, bis zu 4000 Gläubige. Weil diese meist mit dem Zug in Baldham ankamen – auch an normalen Sonntag sind es bis zu 300 –, baute man an der heutigen S-Bahn-Station eine große „Restauration“, weil sich die Pilger vor dem Marsch nach Möschenfeld mit Bier stärken wollten. Die Landschaft rund um das Gut war sehr karge. Heidelandschaft und Wald, lange wurde dort nur Schafe gehalten. Kühe und Schweine gab es erst ab 1902 rund um die Kirche. Allerdings gab es wohl viel Großwild in den Wäldern. „Aufzeichnungen belegen, dass Adelige aus Italien hier Halt machten zur Jagd“, berichtet Karl.

Mit Leidenschaft und Akribie haben er und Irmgard Karg die historischen Spuren von 1200 Jahren Möschenfeld verfolgt und dokumentiert. „Ursprünglich war es für viele Jahrhunderte ein Kloster“, berichtet Karl. Vom 11. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts lebten dort die Benediktiner-Mönche des Klosters Ebersberg. Um 1595 wurde die Klosterschwaige, also ein Wirtschaftshof mit Tieren, dem Münchner Jesuitenkolleg übereignet. „Kurz vor der Säkularisierung“, erzählt Karl, „kamen noch die Malteser.“

Erster weltlicher Besitzer war 1799 Josef Huber. Im Jahr 1881 gehörte das Gut schließlich Josef Haindl. Da der Betrieb zu diesem Zeitpunkt. so stark verschuldet ist, wird er zunächst mit 220 Hektar Grund und Gebäuden an Benjamin Blumenthal und Wolf Beermann verkauft, die veräußern 1895 alles weiter an Reichsrat Wilhelm von Finck, dessen Familie bis heute Besitzer des gesamten Ortes ist.

Die dicken Ordner durchsucht Irmgard Karg nach Bildern für die Ausstellung.

Wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung laufen die Vorbereitungen noch auf Hochtouren. Zwei Stellwände sind schon eng mit Möschenfelder Fotos bestückt. Einige Hundert Bilder warten in dicken Ordnern, bis sie Karl und Karg sie auf die sechs leeren Wände pinnen, die im Nebenzimmer liegen. Akribisch archiviert hat all‘ die Luftaufnahmen, Vergrößerungen, Zeichnungen, Kopien, vergilbten und nagelneuen Fotos, aber vor allen Dingen Postkarten Karg. Sie ist als zweite Vorsitzende des 140 Mitglieder zählenden Heimatvereins für die Sammlung aller Erinnerungen zuständig.

Das älteste Bild, eine Postkarte, stammt aus dem Jahr 1898. „Aber wir haben deutlich ältere Aufzeichnungen“, erzählt sie. Etwa die Kopie einer detaillierte Hofmarktbeschreibung aus dem Jahr 1649, die die Hofanlage sehr anschaulich schildert. Insgesamt wird so die Entwicklung des kleinen Ortsteils, in dem heute einige Firmen ihren Sitz haben und 76 Menschen leben, detailliert gezeigt.

Seit der Gebietsreform 1978 gehört Möschenfeld ebenso wie Harthausen, zu dem der Ortsteil offiziell zählt, Keferloh und Neukeferloh zu Grasbrunn. „Leider ist unser ältester Möschenfelder, der dort über 50 Jahre gelebt hat, vor einem Vierteljahr gestorben. Trotzdem können wir allen Interessenten die Geschichte des kleinen Ortes toll aufzeigen“, verspricht Irmgard Karg.

Das Holzmodell der Wallfahrtskirche, die vielen Fotos, aber auch historische Dachplatten der Kirche zeigt der Verein von Samstag bis Montag ab 13 Uhr im Bürgerhaus Harthausen. Am Montagabend hält Vereinsmitglied und Kreis-Heimatpfleger Rolf Katzendobler einen Vortrag zum Thema „Möschenfeld und seine Besitztümer“. Für Montagvormittag hat sich die Grundschule angekündigt, um die Ausstellung anzusehen, „ansonsten“, sagt Karl, „hoffen wir, dass viele aus Grasbrunn und Umgebung kommen.“

bb

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