1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Grasbrunn

Harthauser Dorftheater spielt Moorleichenpoker im Jubiläumsjahr

Erstellt:

Von: Sabina Brosch

Kommentare

Harthauser Dorftheater
Sie freuen sich auf die Premiere. © Sabina Brosch

Mit rotseidenen Höschen und der bayerischen Prohibition kennen sie sich aus. Das Harthauser Dorftheater unterhält seit 40 Jahren sein Publikum - Ministerpräsident Franz Josef Straß war auch einst da.

Grasbrunn/Harthausen – „No mal, bitte! Und die Bratpfanne a bisserl höher halten“, ruft Regisseur Hans Leibig in die Szene. Auch wenn Eva Maas-Eiba das schwere „Trumm“ kaum halten kann, vier Mal schickt er die Darstellerin wieder hinter die Bühne, bis ihr Auftritt sitzt. 27 Probentage braucht es, bis es am 22. April wieder heißt Vorhang auf für acht Aufführungen des Stücks „Moorleichenpoker“.

1971 begann alles mit dem Herz in der Lederhosn

Eine Handvoll Harthauser Bursch’n und Madln, die Harthauser Landjugend, machten im Jahr 1971 mit dem Stück „S’Herz in der Lederhos’n“ den Anfang. Die Aufführung fand im katholischen Jugendheim statt, es folgten Sketche und Einakter zur Untermalung von Vereinsfeiern. Fünf Jahre später warteten sie mit dem ersten abendfüllenden Programm auf, unter dem Vereinsdach des Harthauser Stopselclubs entsteht das Harthauser Dorftheater.

Franz Josef Strauß saß mit Baron August von Finck im Publikum

Das neue Bürgerhaus mit beweglicher Bühne wird zum „Stammhaus“ der Aufführungen, zu der sich sogar 1985 der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß auf Einladung seines Freunds Baron August von Finck zu Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ einfindet. Mit steigender Eigenständigkeit löst sich das Dorftheater 1990 vom Stopselclub, wird ein eigener Verein und schließt sich dem Verband Bayerischer Amateurtheater an.

Die Harthauser werden immer besser

Was als reines Bauerntheater begann, entwickelt sich über gängige Boulevardstücke, Krimis und sogar gehobenes Volkstheater zu einem professionellen Bühnenensemble, das sich weit über die Grenzen von Grasbrunn etabliert. Die Akteure nehmen an Fortbildungen teil, Investitionen in Bühnenbau, Technik, Kostüme und Maske werden getätigt. Diese Verbesserungen lassen auch eine Erweiterung des Repertoires zu, zahlreiche witzige aber auch ernste Stücke wurden auf die Bühne gebracht, dazu gehören eine Reihe von Klassikern, wie etwa „Pension Schöller“, „Der zerbrochene Krug“ oder „Tod im Birnbaum“. Aber auch Rock‘n Roll aus den 50er Jahren in „Wob-baba-luba“ begeisterte das Publikum. Ein besonderes Glanzlicht war der „Bayerische Jedermann“ 2014 in der Kirche St. Ottilie in Möschenfeld.

Corona bremst Günter Okon und seine Truppe aus

Nur drei Mal wurde in den 40 Jahren pausiert und nicht gespielt: Als 1997 das Bürgerhaus renoviert wurde und wegen Corona in den beiden vergangenen Jahren. „Corona hat uns ausgebremst. Die abschließenden Proben zum Stück „Last Minute“ liefen bereits. Wir standen kurz vor der Aufführung“, berichtet Vorstand Günter Okon. Er ist seit vielen Jahren Teil des Ensembles, übernahm 2015 die Theater-Truppe, die fest im Vereinsleben der Gemeinde Grasbrunn verankert ist und denen das Dorfleben und die Gemeinde am Herzen liegt. Alle Premiereneinnahmen werden wohltätigen Zwecken gespendet, auch der Dorfbrunnen, der „Wassergeist zu Harthausen“, wurde mit diesen Geldern errichtet.

20 Kinder starke Theaterjugend

Für eine sichere Zukunft braucht ein Theaterverein aber auch junge, dynamische Akteure vor und hinter der Bühne. Seit fünf Jahren gibt es daher eine rund 20 Kinder starke „Theaterjugend“ die ebenfalls erfolgreich im Spätherbst voller Elan und Spaß Theater spielt. „Wir hoffen doch sehr, dass sich daraus der Nachwuchs für unser Theater entwickelt“, sagt Okon. Wenngleich es niemals genug Nachwuchs gebe und er gerade im Mittelbau, den Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren, immer Jung-Schauspieler sucht.

Bernhard Bauer stieg als Zehnjähriger ein - und ist seit 30 Jahren dabei

Beispielhaft sei etwa der Werdegang von Bernhard Bauer, der als Zehnjähriger einstieg und nun seit 30 Jahren auf der Bühne steht. Seit gut vier Wochen wird an dem Dreiakter „Moorleichenpoker“ gefeilt, die neun Akteure sind mehr als motiviert. „Ohne Theater, das war furchtbar“, sagt Angi Haas, die Baderin Zenz des Stücks. Für den Italiener Firenze, alias Matthias Ranner, wird es seine Bühnenpremiere sein. „Irre aufgeregt“ sei er, „aber von Probe zu Probe sicherer. Und riesig gespannt auf das Publikum, das hoffentlich den Saal sprengt.“

Auch interessant

Kommentare