+
Neue Planung: Diese „blinde“ Kreuzung an der B 471, gegenüber des Keferloher Biergartens, verschwindet ebenso wie die Bushaltestelle. Beide werden ein paar Hundert Meter in Richt ung Haar verschoben. Von dort – über die Keferloher Straße – wird auch das „Gewerbegebiet Keferloh“ erschlossen, das sich rechts der Straße befindet. 

Angeschlagene Nachbarschaft

Grasbrunn plant ein neues Gewerbegebiet an der B471. Der Nachbar Haar reagiert säuerlich. Und das wiederum ärgert die Grasbrunner Gemeinderäte.

Grasbrunn Die Sache ist entschieden: Die Gemeinde Grasbrunn baut ein neues Gewerbegebiet, zwischen der B 471 und der Keferloher Straße. Das haben die Gemeinderäte im Bauausschuss mit 9:2 Stimmen beschlossen – nicht ohne noch einmal scharfe Kritik zu üben an der Nachbargemeinde Haar.

Gegen die Stimmen der Gemeinderäte Thomas Michalka (BFG) und Max Walleitner (Grüne) billigten die Gemeinderäte die Pläne. Sie weichen von der ersten, im April vorgestellten Planung leicht ab. Die Änderungen hatte Oliver Prells als Vertreter des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München vor der Entscheidung vorgestellt. Wie Prells sagte, ist das Grundstück 600 Meter von der Ortsgrenze zu Haar entfernt, 4,8 Hektar groß und wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Ein Teil der Fläche gehört der Gemeinde, der andere einem öffentlich nicht bekannten Eigentümer. Entsprechend der Forderung des Straßenbauamts Freising wird es keine Erschließung des Gewerbegebiets von der B 471 aus geben, sondern komplett über die Keferloher Straße. Dort, und nicht an der „funktionslosen Kreuzung“ gegenüber des Biergartens, wird auch die neue Bushaltestelle gebaut. „Es wird weder Rechts- noch Linksabbieger direkt auf die B 471 geben. Eventuell kann die jetzt geplante Kreuzung B 471/Keferloher Straße später zu einem Kreisel ausgebaut werden“, führte Prells aus.

Entsprechend dem Wunsch der Regierung von Oberbayern (ROB) wird am südöstlichen Rand des Gebiets eine 15 Meter breite „ökologische Waldrandaufwertung“ angelegt, eine Anpflanzung von Bäumen und Büschen. Zudem soll es keine Parkplätze direkt am Waldrand geben, auch der Wendehammer wird innerhalb des Gewerbegebietes und innerhalb der Grün-Umrandung angelegt.

„Die Stellungnahme der ROB ist für uns sehr erfreulich, die klar feststellt, dass Keferloh und das neue Gewerbegebiet keine schützenswerte Rodungsinsel ist, die unseren Plänen entgegensteht“, sagte Bürgermeister Klaus Korneder (SPD), auch im Hinblick auf die massive Kritik aus Haar. Die Gemeinderäte dort lehnen das Gewerbegebiet rundweg ab. Der Grasbrunner Gemeinderat Johannes Seitner (FW) sprach von einer „unsachlichen und unverschämten Einmischung durch Haar“.

In einer schriftlichen Stellungnahme nennt die Gemeinde die Gründe für ihr Nein: Das geplante Areal liege sehr nah am Haarer Gemeindegebiet, es entstünde zu viel neuer Verkehr und Lärm für den eigenen Ort, und insgesamt sei das Gewerbegebiet viel zu groß geplant. „Als Haar BMW ansiedeln wollte auf der Fink-Wiese, haben sie uns auch nicht gefragt. Das wäre doch viel größer gewesen. Haar hat sogar Wald gerodet, um sein Gewerbegebiet auszudehnen. Was wollen die uns vorwerfen?“, sagte Karl Humplmair (CSU).

Selbst Michalka, der das Keferloher Gewerbegebiet ablehnt, „weil es keinen Grund dafür gibt und wir auf Verdacht und Vorrat bauen, ohne dass wir Gewerbesteuer kassieren werden“, verbat sich die Einmischung aus Haar. „Die haben vor Jahren rücksichtslos an unsere Grenze gebaut und wollen mit ihrer scheinheiligen Kirchturmpolitik nun uns Vorhaltungen machen.“ Bürgermeister Korneder riet zur Mäßigung. „Es bringt uns allen nichts, wenn wir jetzt die Messer wetzen. Das ist die offizielle Haarer Stellungnahme die wir zur Kenntnis nehmen, aber wir müssen vernünftig weiter mit den Nachbarn zusammenarbeiten.“

Max Walleitner lehnt das Gewerbegebiet ab, weil er die massive Versiegelung als „grundsätzlich negativer“ sieht als die möglichen Vorteile. Dabei blieb er – trotz der Ausführungen von Landschaftsarchitektin Marie Truber. Sie hatte erklärt, dass im Gegenzug für das Gewerbegebiet eine Ausgleichsfläche von rund 2,15 Hektar geschaffen wird, 0,65 Hektar direkt am Waldrand des neuen Gebietes, 1,5 Hektar in einem Privatwald in Putzbrunn, der Baron von Finck gehört.

Harald Spath von „gevas, humberg & partner“ antwortete auf Walleitners Frage, wie viel Zusatzverkehr auf der B 471 zu erwarten sei. „Wir haben auf der B 471 im Moment rund 17 500 Fahrzeuge in 24 Stunden und erwarten eine Zunahme in Spitzenzeiten von maximal 1200 Fahrzeugen täglich, die sich in alle Richtungen verteilen werden, also nach Haar, Putzbrunn und Grasbrunn.“

Korneder betonte, dass man keinerlei Transport- und Logistik-Firmen ansiedeln wolle, ebenso keinen Einzelhandel, Tankstellen, Vergnügungsstätten oder Wohnungen. „Natürlich wird es einen Bäcker geben, ansonsten aber Handwerksbetriebe und Baugewerbe.“

Die endgültige Entscheidung über das „Gewerbegebiet Keferloh“ liegt jetzt beim Grasbrunner Gemeinderat.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Sie sind die Stars am Freibad-Sprungturm
Wenn Maxi Forster, Timo Fechner und ihre Freunde auf den Sprungturm im Unterhachinger Freibad klettern, ist was geboten. Denn die sogenannten „Splashdiver“ versuchen, …
Sie sind die Stars am Freibad-Sprungturm
Ab sofort Boot-Verbot auf der Isar
Das Befahren der Isar im Landkreis München ist ab Samstag, 19. August, bis auf Weiteres verboten. Damit reagiert das Landratsamt auf die gefährliche Hochwasser-Situation …
Ab sofort Boot-Verbot auf der Isar
Unterschleißheimerin (24) fällt auf Betrüger herein
Als der Mann am Telefon eine Verdoppelung des Gewinns versprach, war der Widerstand einer 24-jährigen Unterschleißheimerin erlahmt.
Unterschleißheimerin (24) fällt auf Betrüger herein
Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe
Familie Hoyler aus Hochmutting fürchtet um das Leben ihrer Lämmchen. Saatkrähen könnten ihr Feind sein.
Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe

Kommentare