Katja Burghard vom Pferdehof Reitschule Grasbrunn Frau mit Pferd
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Ein gutes Team: Mit ihren Pferden hilft Katja Burghard ihren Kunden beim Relaxen. Reiten ist oft Nebensache.

Katja Burghard hat sich mit Reitschule selbstständig gemacht

Kindheitstraum Pferdehof: Bürostuhl gegen Mistgabel eingetauscht

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Den sicheren Job bei einer Unternehmensberatung hat Katja Burghard vor zehn Jahren aufgegeben, um ihren Kindheitstraum zu verwirklichen: Einen Pferdehof.

Grasbrunn/Neukeferloh – Das weiche Pferdemaul des gescheckten Shetlandponys zupft Halme vom Boden. Katja Burghard schlendert den Weg entlang der Zaunpfähle und Stromlitzen auf ihre Pferde und Ponys zu. Die Erde knistert, während die 50-Jährige mit ihren Birkenstocks das spitze Gras platttritt. Die Köpfe der Tiere drehen sich in ihre Richtung.

„Das ist halt mein Herzblut.“

Vor zehn Jahren hat Burghard ihren sicheren Job in einer Unternehmensberatung gekündigt und in Grasbrunn einen Reiterhof eröffnet. Ställe bei Minusgraden misten statt warmen Kaffee im beheizten Büro genießen. „Das ist halt mein Herzblut. Ich kann mir mittlerweile nichts schöneres mehr vorstellen“, sagt Burghard und krault dem Tinkerwallach Barney das Fell.

Barney und seine Kumpels helfen Burghard, Kindern und Erwachsenen den Umgang mit Tieren beizubringen. Reiten ist dabei oft Nebensache. „Viele Menschen kommen gestresst hier an und fahren meist zufrieden nach Hause“, sagt Burghard. „Pferde sind so friedlich und freundlich, in ihrer Nähe kann man abschalten.“

Der Schwerpunkt liegt nicht auf Draufsetzen und Losreiten.

Sie lässt sich im Schneidersitz auf den weichen Boden fallen, atmet tief durch und beobachtet ihre Pferde. Seit Jahren bietet sie auch eine Art Ferienprogramm an. Boxen misten, mit den Ponys durch den Wald spazieren, Spiele spielen, Putzen, Striegeln und Kuscheln. Auch hier liegt der Schwerpunkt nicht auf Draufsetzen und Losreiten, sondern auf Zuhören – vor allem dem Pony. Ein fairer Umgang ist für Burghard das A und O. Ihre Pferde werde ausschließlich gebisslos geritten. Das im-Maul-Rumgezerre will sie ihren Tieren nicht antun, sie setzt auf Gewichtshilfen.

Ein kleines Pony mit dichtem Fell und ein paar Dreckflecken hat sich von hinten an Burghard angeschlichen. Mit seinen zarten Nüstern wuschelt es behutsam durch die schwarzen Locken seiner Besitzerin. Sie dreht sich um und streicht dem knapp einen Meter großen Palominowallach Joschi durchs Gesicht. „Der ist der Traum aller Mädchen“, sagt Burghard. Nach der kurzen Streicheleinheit trottet das Pony zurück zu seinen Freunden.

Statt Ehrgeiz und Frust findet man hier Ruhe und Entspannung.

Turnierreiter sucht man auf dem Hof der 50-Jährigen vergeblich, dafür fetzen schon einmal ein paar Kinder mit ihren Ponys ohne Sattel und Zaumzeug über den Reitplatz. Spaß und Vertrauen statt verbissener Ehrgeiz und Frust. Neben dem regulären Unterricht bietet Burghard auch Stunden für Angstreiter an. Ihre entspannten Tiere geben den Menschen die nötige Sicherheit.

Im Frühjahr ist Katja Burghard jedoch das Einkommen durch die Reitschüler wegen des Coronavirus komplett weggebrochen. Mehrere Wochen durfte sie keinen Unterricht geben – doch die Tiere mussten trotzdem versorgt werden. „Pferde sind eine Menge Aufwand, sowohl zeitlich als auch finanziell“, sagt die 50-Jährige. „Das war eine schwierige Zeit.“ Doch ihre Schützlinge haben sie nicht im Stich gelassen. Ein Mädchen habe ihr selbst gebackene Kekse mitgebracht, andere haben ihr bei der Stallarbeit geholfen. „Ich war ganz begeistert von der vielen Hilfsbereitschaft“, sagt die Reitlehrerin.

Zeit für Urlaub ist nur selten.

Viele ihrer Kunden kommen aus der nahe gelegenen Landeshauptstadt raus ins Grüne. Burghard, die selbst aus Schwabing kommt, kann das verstehen. Über zu wenig Nachfrage kann sie sich nicht beklagen. Alle Reitstunden sind ausgebucht, neue Schüler kommen auf die Warteliste.

Auf einem Reiterhof gibt es immer etwas zu tun. Zeit für andere Hobbys oder Urlaub bleibt da wenig. Vor zwei Jahren war Burghard mit ihrem Mann in der Toskana. „Ich sehe mir gerne alte Städte an“, sagt sie. Das war einer der wenigen Augenblicke, in denen sie keine Pferdehaare auf dem Shirt kleben hatte.

„Das ist mein wahr gewordener Kindheitstraum.“

Ihre Tiere liebt die 50-Jährige zwar über alles, direkt am Stall wohnen wollte sie dann aber doch nicht. Die ständige Erreichbarkeit hat sie abgeschreckt. Deshalb ist sie mit ihrem Mann ins Nachbardorf Neukeferloh gezogen.

Trotzdem verbringt Burghard die meiste Zeit auf dem kleinen Hof, der Reitschule Grasbrunn, am Ortsrand. „Das ist mein kleines Paradies“, sagt sie, steht auf, klopft sich die Reithose ab und wirft einen letzten Blick in Richtung ihrer Herde, die am Waldrand grast, bis sie wieder zurück zum Reitplatz spaziert. „Das ist mein wahr gewordener Kindheitstraum.“

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