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Nahkauf Seitner sperrt zu: Aus dem Laden an der Gartenstraße in Neukeferloh werden Wohnungen.

Nahkauf Seitner in Neukeferloh schließt

Charlotte Seitner sperrt ein letztes Mal ab

Neukeferloh - Man merkt ihr das Rentenalter nicht an. Charlotte Seitner (67) schleppt eine Kiste Lebensmittel zum Auto. Mit einem Strauß Blumen – die Kundschaft weiß den Service zu schätzen – kommt sie zurück in ihren Laden. Den Laden, den sie am Samstag nach 40 Jahren ein letztes Mal abschließen wird.

 Eine Ära in Neukeferloh geht zu Ende. Seit 1959 steht Nahkauf Seitner an der Gartenstraße. Damals hieß er Fachring. Als Charlotte Seitners Vater, Alois Fritz, das Geschäft gründete, war die Straße eher ein Schotterweg. „Auf der grünen Wiese“ stand der Laden, erzählt sie. Heute liegt er im Zentrum von Neukeferloh. Nun steht eine Sanierung der Gartenstraße an. Für Charlotte Seitner schließt sich der Kreis. 

„Ich bin jetzt im Rentenalter angekommen. Außerdem müsste renoviert werden“, begründet sie ihre Entscheidung, das Geschäft aufzugeben. Zudem wäre der Laden für mindestens ein halbes Jahr nur schwer oder gar nicht für Zulieferer und Kunden erreichbar. Für die 67-Jährige ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen, zumal Sohn Johannes Seitner (29) gerade seine berufliche Karriere in der Energiebranche beginnt. 

„Das war damals der erste Selbstbedienungsladen hier“, sagt Charlotte Seitner. Schon früh wurden sie und ihr Bruder Otto eingebunden. Erst nachdem sie Milch und Semmeln im Dorf ausgeliefert hatten, ging es in die Schule, manchmal auch zu spät: „Aber die Lehrer wussten schon Bescheid.“ Nach ihrer Einzelhandels-Lehre übernahm sie das Geschäft. 

Egal ob Fleisch, Gemüse oder Zeitungen, Charlotte Seitner hatte alles da. Von früh bis spät schuftete sie für ihren Tante-Emma-Laden. Um fünf Uhr morgens ging es in die Großmarkthalle, teilweise um zehn Uhr abends erst machte sie Feierabend. Service war ihr immer besondes wichtig: Hatte ein Kunde mal kein Geld dabei, wurde eben im Kreditbuch angeschrieben. Und selbst wenn einer ihrer Stammkunden nicht ins Geschäft kommen konnte: Charlotte Seitner, Sohn Johannes und Bruder Otto lieferten nach Hause. Generationen hat die 67-Jährige hier einkaufen sehen: Kinder, die auf dem Schulweg für ein Eis vorbeigekommen und mittlerweile selbst Eltern oder Großeltern sind. Oder illustre Stammkunden wie Jazzmusiker Hugo Strasser oder Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder. Viele sind auch nur zum Ratschen vorbeigekommen.

 Mit feuchten Augen verabschieden sich jetzt die Kunden. Viele haben sie auch schon zum Weitermachen bewegen wollen. „Natürlich ist man wehmütig.“ Über fast vier Jahrzehnte seien Freundschaften entstanden: „Sowas ist nicht selbstverständlich.“

 Mit Nahkauf Seitner verliert Neukeferloh seinen letzten „echten“ Laden. „Bis auf den Tengelmann im Technopark gibt es hier nichts mehr“, sagt Sebastian Brunner, Freund der Familie Seitner. Für ihn geht „ein Stück Ortsgeschichte“ verloren. In Zeiten, in denen kleine Familienbetriebe es immer schwerer haben, sich über Wasser zu halten, ist Nahkauf Seitner ein Fels in der Brandung gewesen und steigerte sogar seine Umsatzzahlen.

 Dass nun wirklich Schluss ist, kann sich Charlotte Seitner nicht vorstellen: „Auf den Samstag bin ich gespannt.“ Wenn sie um 12 Uhr ein letztes Mal die Tür hinter sich zuzieht, beginnt ein neues Kapitel: Die Ladenfläche soll zu Wohnungen umgebaut werden. Der Architekt ist schon im Haus.

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