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Wehren statt leiden: Nachdem es im Recyclingzentrum in Neukeferloh zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, fordert der Dritte Bürgermeister Michael Hagen (CSU), die Mitarbeiter mit Pfeffersprays auszustatten.  

Bewaffnung mit Pfefferspray diskutiert

Tatort Wertstoffhof: In Grasbrunn müssen Beschäftige nicht nur Beleidigungen einstecken

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Raue Sitten herrschen offensichtlich unter den Kunden des Grasbrunner Wertstoffhofs. Da werden die Angestellten schon mal als Arschlöcher bezeichnet und auch bedroht. 

Grasbrunn – Erst flogen Worte, dann Fäuste. Und Auslöser des Ganzen war ein Gelber Sack, in dem sich neben dem zulässigen Verpackungsabfall auch reichlich Restmüll befand. Ein Mitarbeiter des Wertstoffhofs in Neukeferloh verweigerte daher die Annahme und forderte den Kunden auf, seinen Sack entweder daheim oder in dem dafür bestimmten Container zu entsorgen.

Was folgte, waren wüste Szenen, die seit jenem Samstag im Juni hohe Wellen geschlagen haben – bis ins Rathaus. „Euch geht das einen Scheiß an, was ich wegschmeiße, ihr Nazis“, zürnte der Kunde im Wertstoffhof. Dazu kamen Beschimpfungen und Drohungen in Richtung des Mitarbeiters. Unter anderem fielen Sätze wie „Zu was seid ihr denn da, ihr Arschlöcher.“ Und: „Komm raus, dann stech ich dich ab.“ Folgerichtig wurde der Wüterich des Wertstoffhofs verwiesen, doch damit war die Sache nicht erledigt: Draußen auf dem Parkplatz legte er sich auch noch mit einem anderen Kunden an – und verprügelte diesen.

Vorschlag: Pfeffersprays für Mitarbeiter

Es ist dies ein Extremfall, keine Frage. Und doch stellen die Mitarbeiter des Wertstoffhofs in Neukeferloh seit geraumer Zeit fest, dass der Ton der Bürger immer rauer wird, mitunter gar aggressiv. Öffentlich will sich auf Nachfrage unserer Zeitung keiner von ihnen äußern. Jedoch haben sich die Mitarbeiter an Michael Hagen (CSU) gewandt, den Dritten Bürgermeister von Grasbrunn. „Sie haben mir erzählt, dass die Konflikte im Wertstoffhof zugenommen haben. Das sind keine Einzelfälle mehr, die Hemmschwelle zur Aggression sinkt immer weiter.“

Hagen hat das Thema im Gemeinderat angesprochen und einen offenen Brief an Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) verfasst. Darin verweist er auf den jüngsten Vorfall sowie auf eine Episode vor einigen Jahren, als ein Bürger im Wertstoffhof austickte und einem Mitarbeiter die Nase brach. Hagen fordert nun, den Angestellten „Möglichkeiten an die Hand zu geben, sich zu wehren“. Sein Vorschlag: Die Mitarbeiter im Wertstoffhof sollen mit Pfeffersprays ausgerüstet werden. Die Kosten hierfür wären überschaubar, sagt Hagen. „Die Bereitschaft zur Handhabung eines solchen Pfeffersprays ist bei den Mitarbeitern gegeben.“

Kein allgemeiner Trend?

Diesen Vorstoß lehnt die Gemeinde jedoch ab. „Wir sehen keine Notwendigkeit für Pfeffersprays“, sagt die Zweite Bürgermeisterin Iris Habermann (SPD), die den aktuell urlaubenden Klaus Korneder vertritt. Aus ihrer Sicht gebe es zwar „ab und zu Probleme“ mit renitenten Kunden im Wertstoffhof. „Aber ich denke, das bewegt sich im Rahmen des Normalen.“ Den Vorfall im Juni bezeichnet Habermann als „extremen Einzelfall“. Und dennoch hat man im Rathaus reagiert: Man werde Personal aufstocken, damit künftig stets mindestens zwei Mitarbeiter im Wertstoffhof Neukeferloh ihren Dienst tun, kündigt Iris Habermann an. Bislang ist es so, dass die Angestellten dort unter der Woche oftmals alleine sind.

Hört man sich bei anderem Wertstoffhöfen in der Umgebung um, so will dort niemand den Trend zu zunehmender Aggression und Gewalt bestätigen. „Natürlich gibt es ab und zu Streitereien“, sagt Christoph Schebelle-Rabenstein vom Verein Ramadama, der die Wertstoffhöfe in Taufkirchen, Unterhaching und Aschheim betreibt. „Aber wir sehen hier keine Zunahme.“ Wobei der Verein sein Personal mit Blick auf etwaige Zwischenfälle schule, sagt Schebelle-Rabenstein: „Da geht es um Themen wie Konfliktbewältigung und Konfliktstrategien.“ Beim Zweckverband München-Südost, der den Wertstoffhof in Ottobrunn und ein Wertstoffmobil in den Mitgliedsgemeinden betreibt, habe man „solche extremen Erfahrungen“ wie in Grasbrunn nicht erlebt, berichtet eine Sprecherin. Zwar könne der Ton auf dem Wertstoffhof durchaus mal rauer sein, schließlich sei das Wegbringen des Mülls für viele eine lästige Pflicht, sagt sie. „Aber wir können nicht feststellen, dass die Konflikte zugenommen hätten.“

Michael Hagen jedenfalls verweist auf die Berichte der Wertstoffhofmitarbeiter aus Neukeferloh: „Ich hätte mich ja nicht zu Wort gemeldet, wenn sie sich nicht an mich gewandt hätten.“ Der CSU-Mann geht davon aus, dass sich der Gemeinderat nach der Sommerpause erneut mit dem Thema beschäftigen wird: „Ich denke, das wird noch mal auf die Tagesordnung kommen.“

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