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Vom Dach auf die Straße: Voriges Jahr wurde in Erfstadt bei Köln dieser Solar-Radweg eingeweiht. Es ist der erste in Deutschland.

Innovation oder Steuergeld-Verschwendung?

Donnerwetter wegen Solar-Radweg: 90-Meter-Teststrecke soll 650.000 Euro kosten

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Das Landratsamt bereitet eine Teststrecke für einen Solar-Radweg vor. Der 90-Meter-Abschnitt bei Grasbrunn kostet 657.000 Euro. Ein Bürgermeister kritisierte deswegen den Landrat.

Grasbrunn – Ein beheizter und beleuchteter Radweg, der E-Bikes und elektrische Autos praktisch im Vorbeifahren auflädt? Was nach Science-Fiction klingt, könnte im Landkreis München bald Realität werden. Ein Test in Nordrhein-Westfalen verlief vielversprechend, das Landratsamt bereitet nun eine Teststrecke für einen solchen Solar-Radweg an der M 25 bei Grasbrunn vor. Widerstand kommt aus dem benachbarten Ottobrunn. Bürgermeister Thomas Loderer wirft Landrat Christoph Göbel (beide CSU) Verschwendung von Steuergeldern vor. Der 90 Meter lange Abschnitt soll nämlich 657.000 Euro kosten. 

Dass sich die Technologie – Photovoltaikmodule, die horizontal auf dem Boden angeordnet sind – noch in der Entwicklung befindet, macht Solarradwege so teuer. Das gilt selbst für die geplante, 90 Meter lange und 2,40 Meter breite Teststrecke entlang der Gramanstraße im Norden von Grasbrunn. Göbelt siedelte die Wirtschaftlichkeit des Projekts daher „jenseits von Gut und Böse“ an. Darum geht es ihm aber auch gar nicht. Den Mehrwert zieht er aus der Möglichkeit, Photovoltaik von den Dächern zu holen und die Technologie im sonnenverwöhnten Süden Deutschlands in vielfältiger Weise alltagstauglich zu machen. „Das wäre ein echter Gewinn“, sagte der Landrat. Der Mobilitätsausschuss teilt seine Ansicht mit großer Mehrheit. Bis auf Loderer.

Bürgermeister: Projekt ist „lächerlich“

Der Ottobrunner Bürgermeister sah nicht ein, dermaßen viel Geld in ein Prestige-Projekt zu pumpen, das woanders sinnvoller eingesetzt sei. Er scheute dabei auch die Konfrontation mit seinem Parteikollegen nicht. Die Auseinandersetzung fiel ungewohnt scharf aus. Göbels Argument, „mit dem Projekt künftige Innovationen zu begründen“, bezeichnete Loderer als „lächerlich“.

Die Beschlussvorlage sei ein „Paradebeispiel für einen Eintrag ins Schwarzbuch der Steuerzahler“, entrüstete sich Ottobrunns Bürgermeister. Bis zu einer Million Euro würden zum Fenster rausgeschmissen; zumal Fördergelder schwer zu regenerieren wären. „Das ist eine so offensichtliche Verschwendung öffentlicher Mittel mit vagen Zukunftsideen“, rügte er: „Wie soll man das Familien klar machen, die händeringend bezahlbaren Wohnraum suchen.“

Landrat bremst Loderer ein

Göbel sah sich zwischenzeitlich in einer Weise attackiert, dass er Loderer mit Nachdruck anhielt, „ein gewisses Niveau in der Debatte zu wahren“. Wie Christoph Nadler von den Grünen ist Göbel der Überzeugung, mit einem erfolgreichen Test „Zeichen zu setzen“.

Vier Firmen bieten Testläufe an. Der Solarradweg eines Potsdamer Unternehmens erfüllt am ehesten die Vorstellungen des Landratsamt, dem es besonders auf ein flexibles System mit austauschbaren Modulen ankommt. Die Kosten schätzt „Solmove“ auf 657.000 Euro. Vor einem Jahr hatte man im Kreis sogar mit einer Million Euro gerechnet.

Landkreis will auf Zuschüsse warten

Erstmals würde Photovoltaik belastbar auf dem Boden eingesetzt. Die Module erzeugen 0,27 Kilowattstunden Strom pro Tag und Quadratmeter. Über Induktionsschleifen werden vorbei fahrende E-Fahrzeuge induktiv aufgeladen. Zugleich ist es möglich, den Radweg mit dem gewonnenen Strom zu beleuchten und zu beheizen. Jörg Scholler (FDP), der das Projekt als Testlauf für eine Solarstraße sieht, beklatscht „unglaubliche Einsatzmöglichkeiten“: Ein Schneepflug würde überflüssig. Tests im europäischen Ausland und auf einer ebenfalls 90 Meter langen Strecke im nordrhein-westfälischen Erfstadt liefern erfreuliche Ergebnisse.

Weniger erfreulich ist, dass Fördergelder kaum angeboten werden. Nur über den „Förderaufruf für kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ des Bundesumweltministeriums (BMU) könnte man auf Unterstützung hoffen. Der Ausschuss einigte sich, den Test von BMU-Zuschüssen abhängig zu machen. Ab August läuft das Bewerbungsverfahren für staatliche Fördermittel.

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