+
Gute Stimmung: Viele Landwirte nutzen die Gelegenheit zum Dialog mit Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der überzeugt ist, dass heimische Produkte den Verbrauchern mehr wert sein müssten.

Frühschoppen mit Landwirtschaftsminister Brunner

„Der Nebenerwerb hat sehr wohl Zukunft“

Über Chancen für die Landwirtschaft hat Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vor über 50 Landwirte in Grasbrunn gesprochen. „Es gibt nicht nur konventionelle Erzeugung von Lebensmitteln, sondern auch Wald- und Fischwirtschaft, regionale Biolebensmittel, Tourismus und Energieproduktion!“

Grasbrunn– Beim Frühschoppen des CSU-Bundestagsabgeordneten Florian Hahn war der „Hofladen beim Moar“ in Grasbrunn gut besucht. Brunner kam von der Reise mit Ministerpräsident Seehofer aus Moskau zurück. „Wir brauchen nicht glauben, dass die Russen um die Aufhebung des EU-Embargos betteln! Die haben ihre Landwirtschaft total umgebaut und können jetzt fast alles allein produzieren: Getreide, Kartoffeln, Schweine- und Rindfleisch. Milch und Milchprodukte noch nicht“, sagte Brunner, „da importieren sie aus Neuseeland und Weißrussland. Aber die zahlen an die Landwirte 45 Cent je Liter Milch und haben enormen Bedarf an Know-How und Technik für konventionelle, vor allem aber für Bio-Landwirtschaft – da müssen wir bereit stehen!“

Soja und schnell wachsendes Holz als Standbeine

108 000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Bayern, davon werden 59 Prozent als Nebenerwerbsbetriebe geführt. „Da geht der Mann 40 Stunden in der Woche in die Fabrik zum Arbeiten und bewirtschaftet jeden Abend und am Wochenende seine Landwirtschaft“, schimpfte ein Landwirt aus Ismaning. Das Geld aus der Fabrik brauche er, damit sein Betrieb überleben könne. „Nebenerwerb ist ein Auslaufmodell, es überleben nur die großen Agrarfabriken!“, sagte er unter dem Beifall der Anwesenden.

Ein anderer fragte: „Können wir uns in Bayern überhaupt noch selber ernähren?“ Brunner entgegnete entschieden: „Der Nebenerwerb hat sehr wohl eine Zukunft! Da wird eben ein Teil des Hofes verpachtet an einen Kollegen – aber das wollen ja viele nicht – auf dem Rest baut man biologische Nahrungsmittel an, da ist die Nachfrage nämlich viel höher als das Angebot, und wir importieren Bio-Lebensmittel aus Holland und China.“

Auch in hochwertigen Tourismus zu investieren, sei sinnvoll, sagte Brunner, das Interesse am „Urlaub auf dem Bauernhof“ sei enorm. „Ein anderes Standbein ist die Produktion von heimischem Soja oder schnell wachsendem Holz für Pellets.“ Oder man nehme sich ein Beispiel am Hofladen in Grasbrunn und vermarkte eigene Produkte und die von regionalen Kollegen. „Möglichkeiten und Zuschüsse dafür gibt es viele“, sagte Brunner.

Landwirte müssen für ihre Produkte werben

Um die Eigenversorgung Bayerns müsse sich keiner sorgen, die liege bei Milch bei 160 Prozent, bei Käse bei 330 Prozent, bei Rindfleisch bei 200 Prozent – nur bei Ferkeln seien es lediglich 60 Prozent.

Brunner will sich in Berlin dafür einsetzen, dass die oft unsinnige Bürokratie nicht weiter zunimmt. „Dazu zählt auch das Verbot der Anbindehaltung für Kühe. Das kann ich für die riesigen Ställe in Nord- und Ostdeutschland verordnen, aber nicht mit einem Stichtag für Hunderte Kleinbetriebe in Bayern, die können nicht alle einen neuen Stall bauen.“

Solche Verordnungen und die Milchpreise seien die Gründe dafür, dass in Bayern jedes Jahr zehn Prozent der Milchbetriebe aufhören würden. Alle Grundschüler sollten nach Meinung Brunners regelmäßig Bauernhöfe besuchen und alle Schüler Haus- und Ernährungswirtschaft lernen „Die Landwirte müssen klar machen, dass Ausgaben von elf Prozent des Einkommens für Lebensmittel einfach zu wenig sind, damit heimische Produzenten überleben können.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Hand in Hand in Haar“: Freunde helfen Freunden
Unkraut jäten, einkaufen, zuhören: Mit 26 Euro startete „Hand in Hand in Haar“ vor fünf Jahren. Mittlerweile sind es 180 Mitglieder mit ebenso vielen Talenten.
„Hand in Hand in Haar“: Freunde helfen Freunden
Sie sind die Stars am Freibad-Sprungturm
Wenn Maxi Forster, Timo Fechner und ihre Freunde auf den Sprungturm im Unterhachinger Freibad klettern, ist was geboten. Denn die sogenannten „Splashdiver“ versuchen, …
Sie sind die Stars am Freibad-Sprungturm
Ab sofort Boot-Verbot auf der Isar
Das Befahren der Isar im Landkreis München ist ab Samstag, 19. August, bis auf Weiteres verboten. Damit reagiert das Landratsamt auf die gefährliche Hochwasser-Situation …
Ab sofort Boot-Verbot auf der Isar
Unterschleißheimerin (24) fällt auf Betrüger herein
Als der Mann am Telefon eine Verdoppelung des Gewinns versprach, war der Widerstand einer 24-jährigen Unterschleißheimerin erlahmt.
Unterschleißheimerin (24) fällt auf Betrüger herein

Kommentare