Wie in einer Reihenhaussiedlung: 75 Schwalbennester kleben am rauen Verputz der Stallwand, geschützt unterm Dachvorsprung. 
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Wie in einer Reihenhaussiedlung: 75 Schwalbennester kleben am rauen Verputz der Stallwand, geschützt unterm Dachvorsprung. 
Ein Bewohner vor dem Nest. Für Bockmaier sind die Vogerl Glücksbringer.
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Ein Bewohner vor dem Nest. Für Bockmaier sind die Vogerl Glücksbringer.
Schwalben-Herbergsvater Georg Bockmaier mit einem Vogelei.
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Schwalben-Herbergsvater Georg Bockmaier mit einem Vogelei.

Herbergsvater Bockmaier

Kein Vieh mehr im Stall – aber 75 Schwalbennester

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Bei Georg Bockmaier piepst es. Und zwar aus 75 Schwalbennestern, die außen unter dem Dach seines ehemaligen Stalles in Grasbrunn hängen.

Grasbrunn – Bei Georg Bockmaier piepst es. Und zwar aus 75 Schwalbennestern, die außen unter dem Dach seines ehemaligen Stalles in Grasbrunn hängen. Seit Jahrzehnten schon bringen dort Mehlschwalben ihre Jungen zur Welt. Ein „Schwalbenfreundliches Haus“, findet der Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Dachvorsprung und rauer Putz sind ideal

Der Stall der Bockmaiers in Grasbrunn ist bei Schwalben beliebt. Obwohl der vermietet ist und nicht mehr als Stall genutzt wird. Die Schwalben stört das nicht. Vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden geht es rund am Stall, hunderte Schwalben fliegen herum, um den Nachwuchs zu füttern oder ihre Nester zu bauen. Schon als er ein Kind war, waren die Schwalben immer da. „Am rauen Verputz der Hauswand können sie ihre Nester sehr gut anbringen, der Dachvorsprung bietet ihnen Schutz“, sagt Georg Bockmaier. Spätestens Mitte April kann er mit dem Einzug der Vögel rechnen. Da kommen sie aus ihrem Winterquartier in Italien zurück nach Grasbrunn, sie fliegen dabei ihre Nester des Vorjahres zielgenau an. „Was über den Winter an den Nestern kaputt ging, das reparieren sie“, erklärt Bockmaier.

Notfalls hilft der Landwirt mit Lehm aus

Die Spuren des Nestneubaus sind deutlich zu erkennen, der neue „Baatz“, ein Gemisch aus lehmiger Erde, ist dunkler als der alte. Der Grasbrunner Landwirt hilft den Vögeln manchmal auch, dann schüttet er „Baatz“ in Form von Lehmhäufchen auf seinen Hof. „Damit haben sie es dann leichter und müssen erst nicht auf den Feldern suchen.“ Je nach Wetterlage brüten die Schwalben zwei Mal, während der fünf Monate hinterlassen sie ihre Spuren: An der Hauswand, den Fenstern und auch am Boden klebt der Schwalbenschiss zentimeterdick. Da braucht’s dann einen Hochdruckreiniger, sagt Bockmaier.

Insekten als Nahrung gibt es genug

Insekten finden die Vögel anscheinend genug, im Vorjahr zählte Bockmaier 50 Nester. „In diesem Jahr sind es 75. Da muss es also genügend Nahrung für die Schwalben geben.“ Früher seien es überwiegend Rauchschwalben gewesen, sie verschwanden aber aufgrund von Sanierungsmaßnahmen und intensiver Landwirtschaft zunehmend. Bei Bockmaier nisten nun Mehlschwalben, „Delichon urbica“ im Fachbegriff. „Ihr Kennzeichnen sind der weiße Bürzel und der helle Bauch.“

Plakette vom Landesbund für Vogelschutz

Viele Bauern hätten, nachdem sie ihre Ställe nicht mehr nutzen, diese mit einem glatten Verputz versehen. „Wahrscheinlich fühlen sich die Vogerl deshalb so wohl bei uns, denn auf dem rauen Untergrund können sie halt gut bauen.“ In einer Radiosendung wurde Bockmaier auf die Schwalbenaktion des LBV aufmerksam, hat dort angerufen und von seinen 50 Nestern berichtet. Daraufhin wurde er mit einer Plakette „schwalbenfreundliches Haus“ für seinen aktiven Schutz der Schwalben in Bayern gewürdigt. „Auch heute noch sind sie Sommerboten und Glücksbringer. Ich freue mich jedes Jahr, wenn sie zu mir kommen“, sagt der Landwirt. SABINA BROSCH

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