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Im Zentrum von Grasbrunn entsteht anstelle des Grasbrunner Wirts und einer Landwirtschaft ein Neubaugebiet. Die SPD wollte dort ein Nahwärmenetz, scheiterte mit der Idee aber im Gemeinderat.

SPD scheitert mit Antrag

Grasbrunn lässt die Finger von der Nahwärme

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Ein Blockheizkraftwerk im Neubaugebiet in der Ortsmitte - das hätte die SPD Grasbrunn gerne wenigstens geprüft. Doch dafür fand sie keine Mehrheit.

Grasbrunn – Auf dem heutigen Gelände des „Grasbrunner Hofs“ sowie der im Norden angrenzenden Hoffläche plant die Gemeinde ein Neubaugebiet. Die SPD-Fraktion schlug vor, dort zu prüfen, ob ein Blockheizkraftwerk samt Nahwärmenetz für die Gemeinde als Betreiber wirtschaftlich wäre. Die Mehrheit im Gemeinderat aus CSU, Freien Wählern und BfG lehnte dies jedoch wegen zu viel Aufwand und Unwirtschaftlichkeit mit 10:6 Stimmen ab.

„Uns geht es darum, jetzt noch in der Frühphase der Planung für dieses Baugebiet, die Möglichkeit eines BHKWs und die Anbindung sämtlicher neuer Häuser durch ein Nahwärmenetz rechtlich und organisatorisch zu prüfen und auch, ob das für die Gemeinde wirtschaftlich sein kann“, begründete Julia Blanck für die SPD-Fraktion den Antrag. Nach ihrer Kenntnis gebe es im neuen Wohngebiet auf dem ehemaligen Kugler-Gelände an der Möschenfelder Straße bereits ein solches BHKW, an das alle Häuser angeschlossen seien.

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„Ich will die Entscheidung nicht einem Investor oder Bauträger überlassen, sondern wir als Gemeinde könnten das planen. Dadurch, dass alle neuen Häuser angeschlossen werden, wäre das Kraftwerk ausgelastet und die Energie-Wertschöpfung bliebe im Ort“, ergänzte Blanck. Thomas Michalka (BfG) hält die Idee prinzipiell für „ganz gut“, hat aber Bedenken beim Anschluss-Zwang, „ob das wirklich geht, weiß ich nicht. Nicht jeder mag doch da mitmachen, denn immer mehr bauen Null-Energie-Häuser, die brauchen keinen Wärme-Anschluss. Außerdem ist das Gebiet viel zu klein für ein Nahwärme-Netz.“

Johannes Bußjäger (FW) bemerkte, dass auf dem Kugler-Gelände eine Pellet-Heizung und kein BHKW stehe, außerdem wisse er, dass einer der Eigentümer auf dem beabsichtigten Neubaugebiet andere Pläne für die Heizversorgung hat. „Wir haben vor Jahren schon mal ein eigenes, kommunales Nahwärmenetz in Grasbrunn im Zusammenhang mit der Geothermie prüfen lassen, da kamen die Fachleute zum Ergebnis, dass dies niemals kostendeckend wäre.“

Gebiet zu klein, Interesse zu gering?

Auch Johann Hiltmair (BfG) warnte vor einem kommunalen Wärmenetz, schon die Prüfung sei aufwendig: „Wir brauchen ganz konkrete Zahlen, wenn wir die Hausbesitzer zum Mitmachen bringen wollen.“ Zudem setzten heute immer mehr Bauherren auf Grundwasser-Wärmepumpen plus Solarthermie plus Photovoltaik – die seien viel effektiver und günstiger als ein BHKW. Und auch Michael Hagen (CSU), der sich kürzlich auf einem Symposium der Stadtwerke München über Fernwärme informiert hatte, kam zum Schluss, dass das geplante Gebiet und die Anzahl der Häuser viel zu klein sind, um effektiv zu sein. „Ein BHKW ist die ersten zehn Jahre ein reines Zuschussgeschäft, da kann ich wirklich nicht zustimmen.“

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Sein Fraktionskollege Paul König fragte, ob man mit so einer Idee die Umwelt retten oder die Gemeindekasse füllen wolle. „Alleine die Prüfung dauert sehr lange, unsere Verwaltung ist doch sowieso überlastet, zudem ist ein BHKW mit Öl ganz bestimmt nicht so umweltfreundlich wie Erdwärme oder Sonne.“ Auch der Hinweis von Bürgermeister Klaus Korneder (SPD), dass es im Moment nur um eine Prüfung gehe, was so ein Projekt koste und ob es wirtschaftlich sinnvoll sei könnte, konnte die Mehrheit im Gemeinderat nicht umstimmen. Auch nicht als er vorschlug: „Wir können andere Kommunen kontaktieren und nach deren Erfahrungen fragen.“

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