Hamburg: Messerattacke – Polizei erschießt Mann

Hamburg: Messerattacke – Polizei erschießt Mann
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Einsame Trauer war einmal: Silvia Mende (r.) verlor ihren Mann vor drei Jahren, in der Gruppe von Ingrid Röser schöpfte sie neuen Lebensmut.

Fast 100 Betroffene unternehmen gemeinsam was

Plötzlich nicht mehr allein: Diese Gruppe stemmt sich gegen Einsamkeit

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Der Tod eines geliebten Menschen reißt einen in die Einsamkeit. Doch es gibt eine Gruppe, in der Betroffene neue Lebensfreude schöpfen. Der ein oder andere hat sogar eine neue Liebe gefunden.

Grasbrunn – Silvia Mende aus Baldham, Kreis Ebersberg, ist erst wenige Monate dabei. Ihr Mann starb vor drei Jahren. „Getrauert habe ich alleine zu Hause“, erzählt sie. Klar hatte sie Freunde, darunter einige Arbeitskollegen. „Jetzt bin ich in Rente und diese Kontakte sind weg. Darum bin ich so gerne hier.“ Ihre Nachbarin Ingeborg Weichser nickt. Die beiden treffen sich mit fast 100 Leidensgenossen. Sie alle haben keinen Partner mehr. Alleine sind dennoch nicht. In der Gruppe „Plötzlich ist man allein“ finden sie jemanden, mit dem sie Zeit verbringen können. Jemanden, der sie versteht.

Gegründet wurde die Gruppe vor neun Jahren von der Grasbrunnerin Ingrid Röser (69). Die Leiterin hat ihren Ehemann noch an ihrer Seite. Mit dem Thema Alleinsein kam sie vor etwa zehn Jahren dennoch in Berührung. „In meinem Freundeskreis starben einige Menschen. Deren Partner waren plötzlich alleine, wussten nichts mehr mit sich anzufangen“, erinnert sich Röser. „Viele luden mich ein, dass sie ein bisschen Ansprache hatten.“ Die Geburtsstunde der Gruppe.

Aus dem ersten Treffen zu dritt im März 2010 wuchs schnell eine große Gruppe von fast 100 Betroffenen. „Am Anfang trafen wir uns einmal im Monat, doch die Anrufe und Nachfragen waren so zahlreich, dass wir das Angebot kontinuierlich erweitert haben“, sagt Röser.

Dieses umfasst das Ratsch-Treffen im Wirtshaus am Sportpark, das einmal im Monat stattfindet, montags und donnerstags spielen sie im Sommer Boule, Dienstag und Mittwoch wird gekegelt, oder man trifft sich zum Nordic Walking. Dazu kommen Ausflüge und Urlaube: Nächste Woche fährt die Gruppe zum Starkbierfest nach Rosenheim. Eine eher nahes Ziel. „Wir waren schon auf Mallorca und Madeira, in Hamburg und in Kärnten“, erzählt die Ur-Schwäbin Röser, die seit 1976 in Grasbrunn lebt. „Das Ziel ist immer: Nicht alleine trübselig zu Hause sitzen.“

Wichtig hierfür sind auch die Spielnachmittage, die Erika Salzweger aus Putzbrunn am ersten und dritten Sonntag im Monat organisiert. „Ich bin alleine seit 2013, ein paar Monate später habe ich von der Gruppe gelesen und bin hin. Das hat mir immer gut gefallen“, sagt Salzweger. Mit ihrem Mann früher spielte sie höchstens mal Schafkopf, sonst nichts. Aber jetzt kennt sie sämtliche gängigen Würfelspiele und alles mit Karten. Auch, weil sie ihren eigenen Rat befolgte. „Ich habe meinem Mann immer gesagt: Wenn ich vor dir sterbe, musst du unbedingt aktiv und unter Leuten bleiben“, sagte sie. Ihr Mann verstarb jedoch vor ihr. „Und so bin ich dabei – es macht unheimlich Spaß.“

Neue Liebe: Helga und Sebastian sind eines von sieben Paaren, das sich bei der Gruppe neu gefunden haben. Er ist verwitwet, sie geschieden.

Diesen Spaß haben auch Helga und Sebastian. Sie sind eines von sieben Paaren, die in der Gruppe neue Partner gefunden haben. Helga, nach ihrer Scheidung vier Jahre alleine, stieß vor vier Jahren dazu. Eines Tages rief ihr einer zu: „Hey, setz‘ dich doch zu mir her.“ Sie hab gleich contra: „Ich sitze da, wo ich will!“ Etwas später dachte sie sich, dass der eigentlich ganz nett aussieht und sie wohl etwas rüde war und setzte sich doch neben ihn. „Nach ein paar Treffen lud ich sie zum Tanzen ein – seither machen wir viel gemeinsam, natürlich nicht mehr so oft in der Gruppe“, sagt Witwer Sebastian.

„Die meisten hier haben ihren Partner durch Tod verloren“, sagt Ingrid Röser, „aber wir waren nie eine Trauergruppe.“ Die (wiederentdeckte) Lebensfreude, das Zusammensein stehen stets im Vordergrund. Nur macht das Alter auch vor der Gruppe nicht halt. „Wir werden älter und so kommen immer weniger zu den einzelnen Veranstaltungen“, sagt Röser. Daher würden sich die Teilnehmer über „frisches Blut“ freuen. Am besten so ab 60 – und am besten männlich. Denn vor allem bei den Tanzterminen herrscht Frauenüberschuss.

bb

Informationen

gibt es bei Ingrid Röser unter Tel. 0 89 / 4 60 41 92 oder per E-Mail an family.roeser@t-online.de.

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