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„Fühlen uns vom Bürgermeister getäuscht“: Ehepaar entsetzt über neue Bushaltestelle vor der Haustür

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Von: Bert Brosch

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Streitpunkt: Die Bauarbeiter richten in der Saarlandstraße derzeit die neue Bushaltestelle ein.
Streitpunkt: Die Bauarbeiter richten in der Saarlandstraße derzeit die neue Bushaltestelle ein. © Bert Brosch

Ein Ehepaar aus Grasbrunn ärgert sich über die Verlegung eines Bushalts vor ihr Grundstück. Dabei gab es ein Vorab-Gespräch mit dem Bürgermeister. Doch worum ging‘s dabei? 

Grasbrunn – Am Ende einer ansonsten harmonischen Bürgerversammlung wurde es richtig hitzig, fast aggressiv. Burgi und Karl-Gerd Kraus beschwerten sich bei Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) über eine Baustelle direkt an ihrem Gartenzaun. „Wir fühlen uns vom Bürgermeister schwer getäuscht“, sagte Karl-Gerd Kraus.

Das Ehepaar Kraus wohnt seit 33 Jahren in der Saarlandstraße, nicht weit vom Grasbrunner Rathaus. „Vor drei Wochen begannen plötzlich direkt an unserem Gartenzaun große Bauarbeiten mit schwerem Gerät. Wir erfuhren von den Bauarbeitern, dass sie dort eine neue Bushaltestelle bauen“, berichtet Burgi Kraus. Dazu wurde nach ihren Beobachtungen mehrere große Leitungen herausgebaggert und neu verlegt. „Zu unserem Entsetzen stellten wir fest, dass es einen großen Glaskasten als Unterstand geben wird, der direkt an unseren Gartenzaun anschließt. Wir können dann weder den Zaun streichen, noch die Hecke schneiden“, schimpft Karl-Gerd Kraus.

Missverständnis? Burgi und Karl-Gerd Kraus dachten, Bürgermeister Klaus Korneder würde ihre Meinung zum Bushalt einholen.
Missverständnis? Burgi und Karl-Gerd Kraus dachten, Bürgermeister Klaus Korneder würde ihre Meinung zum Bushalt einholen. © Bert Brosch

Die beiden Kraus ärgern sich nicht nur über den Standort der neuen Haltestelle. „Sondern darüber, dass vor einigen Monaten Bürgermeister Korneder bei uns vorbeikam und uns fragte, was wir von diesem Standort halten“, erinnert sich Burgi Kraus. Sie und ihr Ehemann hätten sich natürlich gegen die Haltestelle ausgesprochen. „Bereits jetzt, während der Bauarbeiten, können wir ein Lied davon singen, was es bedeutet, wenn junge Menschen in ihren Autos mit lautstarker Musik an einer Baustelle oder dann eben an einer Bushaltestelle warten müssen – das ist fast nicht zu ertragen“, sagt Karl-Gerd Kraus. Er wirft dem Bürgermeister vor, so getan zu haben, als ob er sie nach ihrer Meinung frage – dabei sei alles längst entschieden gewesen. „Das ist für mich eine totale Täuschung. Durch diese Haltestelle wird unser Grundstück um gut 100 000 Euro im Wert gemindert. Vielen Dank, lieber Herr Bürgermeister“, schleuderte Kraus Korneder entgegen.

„Aus meiner Sicht ist das ein großes Missverständnis“

Der Bürgermeister kann die Verärgerung der Eheleute Kraus verstehen. „Aber wenn wir jedes Mal im Ort nachfragen würden, ob jemand mit einer Bus-Haltestelle in der Nähe seines Hauses einverstanden ist, dann hätten wir keine einzige Haltestelle im Ort.“ Es sei offensichtlich ein Missverständnis, das bei den beiden Kraus vorliege. Keineswegs wollte er sie über ihre Meinung zu der neuen Haltestelle fragen. „Wir haben im Gemeinderat lange darüber diskutiert, welche Haltestellen im Zuge des barrierefreien Umbaus bleiben können oder verlegt werden müssen“, sagt Korneder. Die Haltestelle vor dem Rathaus hätten Polizei und MVV scharf kritisiert, weil wenige Meter daneben ein Zebrastreifen ist, der durch haltende Busse verdeckt werde. „Also haben wir uns im Gemeinderat entschieden, den Bushalt gut 100 Meter weiter in Richtung Westen zu verlegen“, erklärte Korneder. „Ich wollte das Ehepaar Kraus davon unterrichten, dass sie dies eben nicht aus der Zeitung erfahren oder von den Bauarbeiten überrascht werden.“

Der Entschluss zur Verlegung sei da längst gefallen gewesen, er habe ja sogar schon einen Plan vom neuen Bushalt dabei gehabt. „Wie gesagt: Aus meiner Sicht ist das ein großes Missverständnis. Künftig werde ich so etwas nicht mehr persönlich machen, sondern nur noch schriftlich.“

Burgi Kraus kann darüber nur den Kopf schütteln: „Schade, dass sich der Bürgermeister nicht mehr an seine eigenen Worte erinnern kann.“

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