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„Wir wollen das nicht!“: Massiver Widerstand gegen Nahversorgungszentrum

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Von: Laura May

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Kommt der Betonriegel? So könnte das Nahversorgungszentrum aussehen – fix ist aber noch nichts.
Kommt der Betonriegel? So könnte das Nahversorgungszentrum aussehen – fix ist aber noch nichts. © Investor

Die Grasbrunner Bürger wehren sich lautstark und zahlreich gegen ein geplantes Nahversorgungszentrum an der B304.

Neukeferloh – Der Lärm von Trillerpfeifen und Parolen aus dem Megafon schallen durch die Luft. Rund 100 Grasbrunner stehen mit Schildern und Bannern vor dem Bürgerhaus Neukeferloh, drinnen ist schon fast jeder Platz belegt. Die Infoveranstaltung zum geplanten Nahversorgungszentrum zwischen der Wasserburger Landstraße (B 304) und Luisenstraße geht gleich los – die Stimmung kocht bereits, als Investor Johannes Schöb die Bühne betritt.

Sein nüchterner Vortrag über neue Linksabbiegespuren, Lärmschutzkonzepte und Ausgleichsflächen wird von Gelächter, höhnischem Klatschen und Zwischenrufen unterbrochen. „Wir wollen das nicht!“, schallt es immer wieder durch das Bürgerhaus.

Rodung: „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“

Was genau die Projektentwickler planen, ist noch nicht klar. Bisher ist die Rede von Tankstelle, Discounter, Schnellrestaurant, Drogeriemarkt und Ärztezentrum. Klar ist aber: Rund 30 000 Quadratmeter Bannwald würden dafür abgeholzt. Das wollen viele Grasbrunner verhindern. „Können wir es uns heute in Zeiten des Klimawandels noch leisten, 33 000 Quadratmeter zuzubetonieren?“, fragt Rechtsanwalt Kurt Eichner. „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Außerdem sei die Fläche nicht nur Bannwald, sondern landwirtschaftliches Vorbehaltsgebiet, sagt Axel Bornheimer (BFG) und warnt den Investor: „Sie werden maximalen Widerstand erleben.“

Wandel statt Waldrodung wollen auch Elena Bähr (l.) und Mathilda Zeitlmann.
Wandel statt Waldrodung wollen auch Elena Bähr (l.) und Mathilda Zeitlmann. © Laura May

Aus dem Saal werden im Laufe der Veranstaltung immer öfter Vorwürfe in Richtung der Investoren geschmettert. Sie würden sich nur bereichern wollen, seien unprofessionell, nicht erwünscht. Johannes Schöb ändert dennoch nie die Tonlage seiner Antworten – nur seine Körperhaltung erschlafft ein wenig über die zweistündige Diskussion im stickigen Bürgerhaus.

„Was wollen Sie tun, dass unsere Kinder sicher in die Schule kommen?“, fragt Claudia Klaef. Die besorgte Mutter ist nicht die einzige im Raum, die durch das Nahversorgungszentrum noch mehr Verkehr auf der ohnehin stark befahrenen B 304 befürchtet. Durch Tankstelle, Fast-Food-Restaurant, Gewerbe und Supermärkte befürchten viele zudem mehr Emissionen und Lärm.

Investor Schöbs Antwort auf fast all die Sorgen und Bedenken der Bürger: „Fachplaner“. Das seien alles Fragen, die in der weiteren Planung durch Experten geklärt würden, noch sei nichts fix. „Bis dato handelt es sich um eine reine Anfrage an die Gemeinde“, sagt Schöb. Außerdem würden Emissionen durch Ausgleichsflächen gebunden, der Verkehr durch zusätzliche Abbiegespuren entlastet, ein umfassendes Lärmschutzkonzept erarbeitet. Diese Beteuerungen des Investors können die Besucher der Infoveranstaltung heute allerdings nicht beruhigen. Die meisten haben sich bereits eine Meinung gebildet – das ist der Grund, warum so viele ins Bürgerhaus gekommen sind. Immer und immer wieder heißt es: „Wir brauchen euch nicht, wir wollen euch nicht.“

Schilder gegen Bauplan: Axel Bornheimer (l.) und Josef Mück vor dem Bürgerhaus.
Schilder gegen Bauplan: Axel Bornheimer (l.) und Josef Mück vor dem Bürgerhaus. © Laura May

„Das Projekt ist doch schon beschlossene Sache“, dröhnt eine Männerstimme aus dem Saal. „Nein“, erwidert Bürgermeister Klaus Korneder (SPD): „Es gibt aktuell weder ein Verfahren noch einen Antrag.“ Und auch, ob das Vorhaben eine Mehrheit im Gemeinderat bekommt, ist noch nicht klar. Korneder selbst will sich an diesem Abend nicht zu einer eindeutigen Stellungnahme drängen lassen. Letztlich sei das eine Entscheidung des Gemeinderats. Doch die Bürger fordern eine klare Haltung. Auch nach der Veranstaltung halten sie vor dem Bürgerhaus Schilder in die Höhe. Botschaft: Der Bannwald muss bleiben. Für das Klima, gegen den Beton.

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