Ein Lkw rollt an der Kontrollstation an der A99 auf die Fahrzeugwaage.
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An der Kontrollstation an der A99 lotst einer der Polizisten einen litauischen Laster auf die Waage, um diesen Achse für Achse zu vermessen (l.).

Europaweite Aktion

Innenminister bei Kontrolle an A99: Zahl der Toten durch Lkw-Unfälle „einfach zu hoch“

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Bei Kontrollen in ganz Europa sind gestern Laster inspiziert worden. Denn die Zahl der Toten, erläuterte Innenminister Herrmann an der Station an der A99, sind auch in Bayern „einfach zu hoch“.

Grasbrunn – Zentimeter für Zentimeter rollt der mit Kleinwagen beladene Laster aus Litauen auf die Fahrzeugwaage, die in den Asphalt eingelassen ist. Noch ein kleines Stück, dann signalisiert der Polizist in der neongelben Jacke: „Stopp!“ – ein kurzer Moment, ein Okay aus dem Polizeibus nebenan, dann ist die nächste Achse an der Reihe. Aus den einzelnen Werten berechnet der Computer das Gesamtgewicht des Lkw. „Abzüglich sämtlicher Toleranzen“, erläutert Richard Kutscherauer. Er ist der Leiter der Verkehrs-Polizeiinspektion Hohenbrunn, die gestern auf der A 99 bei Grasbrunn an der europaweiten Schwerpunktkontrolle von Lastwagen und Bussen teilnahm.

Organisiert hat die Aktion die „Roadpol“, das europäische Netzwerk der Verkehrspolizeien. Dass die Kontrolle der tonnenschweren Fahrzeuge nötig ist, zeigt die Statistik. Zwar hat der Lkw-Verkehr in Bayern im ersten Halbjahr 2020 – coronabedingt – im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent abgenommen und mit ihm auch die Zahl der Unfälle, in die Laster verwickelt waren. Die Zahl der Getöteten bei Schwerverkehrsunfällen stieg jedoch um acht auf 58. Dieser Wert, befand Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der bei der Kontrolle bei Grasbrunn vor Ort war, „ist einfach zu hoch“. Er plädierte daher für mehr Schwerpunktkontrollen.

„Das müssen wir einfach verhindern.“

Auch, weil drei Viertel aller Schwerverkehrsunfälle von den Lkw- und Busfahrern selbst verursacht werden. „Fehler beim Abbiegen, fehlender Sicherheitsabstand, nicht angepasste Geschwindigkeit sowie Übermüdung oder erhebliche technische Mängel“, zählte Herrmann die Ursachen auf. „Das müssen wir einfach verhindern.“

Auch deswegen führen sieben bis acht Beamte der Hohenbrunner Inspektion jede Woche eine Lkw-Kontrolle auf der A 99 oder A 94 durch, ihrem Zuständigkeitsgebiet. Heuer waren es schon 37 Kontrollen, bei denen laut Kutscherauer insgesamt 1360 Laster rausgezogen und beanstandet wurden. 40 Lkw werden pro Kontrolle inspiziert. Die meisten von ihnen sind ausländische Brummis, fahren doch auf der A 99, einer der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands, über 80 Prozent nichtdeutsche Laster. „Bei uns fährt ganz Europa“, sagte Kutscherauer.

„Wenn ein Lkw beteiligt ist, sind die Folgen oft dramatisch“: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schaut bei der Kontrolle an der A99 vorbei und lässt sich unter anderem die digitale Abstandsmessung demonstrieren.

Wenn ein Laster nicht schon von Weitem auffällt – etwa durch Schlagseite –, dann wird er meist kontrolliert, weil er den Abstand zum Vordermann nicht einhält. Dazu baut die Polizei ein paar Hundert Meter vor der Kontrollstation ein Abstandsmessgerät auf, dieses erfasst nicht nur das Kennzeichen, sondern auch die Geschwindigkeit und eben den Abstand. Weniger als 40 Meter zum Vordermann kosten 108,50 Euro, oft ist in Kolonnen die Distanz aber noch geringer. Deutsche Lkw-Fahrer bekommen den Strafzettel zugeschickt, was bei ihren Kollegen aus dem Ausland meist nicht möglich ist. Diese werden eben herausgewunken und kontrolliert: Gewicht, Zustand des Fahrzeugs und der Ladung – und vor allem der Zustand des Fahrers. Hat er seine Lenkzeit überschritten? Ist er nüchtern?

Bayernweit gab es voriges Jahr 17 459 Unfälle, an denen der Schwerlastverkehr beteiligt war, 4,1 Prozent weniger als 2018. Dabei kamen 111 Menschen ums Leben – immerhin 17,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahlen sind Herrmann aber immer noch zu hoch. „Lkw-Unfälle sind für ein Viertel der im Straßenverkehr getöteten Personen verantwortlich, bei einem Anteil von nur vier Prozent aller Verkehrsunfälle“, sagte er. „Wenn ein Lkw beteiligt ist, sind die Folgen oft dramatisch.“

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