Nostalgie-Wettpflügen beim Keferloher: Ochsengespann Helmut Stocker Landsham, vorne Anton und Stefan Pointner.
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Nostalgie-Wettpflügen beim Keferloher: Ochsengespann Helmut Stocker Landsham, vorne Anton und Stefan Pointner.
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Maßarbeit: Die Prüfer bewerten genau, ob die Furchen beim Preisackern fein gezogen sind.
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Pflügen wie anno dazumal: Mit Pferde- oder Ochsengespannen wurde früher der Boden für die Saat umgepflügt. Beim „Keferloher Montag“ lebt diese Tradition noch einmal auf.
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Zeitlos schön: Historische Traktoren laden zum Schauen ein.
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Furchtlos: Vize-Landrat Ernst Weidenbusch mit Falke auf der Hand.
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Walter Fölsner jun. aus Garching mit Devotionalien für Königstreue.

Keferloher Montag

Wettackern statt Wahlkampf

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Fachsimpeln, Bekannte treffen, im Festzelt anstoßen: Es scheint so, als sei dem „Keferloher Montag“, dem uralten Bauerntag, die Wende gelungen – weg vom politischen Gepolter zurück zur landwirtschaftlichen Tradition: Nach fast 20 Jahren fand gestern erstmals wieder ein Preisackern statt.

von Sophia Heyland

Keferloh– „Wettackern“ ist in großen roten Buchstaben auf dem Schild zu lesen, das an einem Feld des Weilers Keferloh (Gemeinde Grasbrunn) prangt. Einst war der Wettbewerb Kernstück des Bauerntags, doch seit Jahren fand kein Wettackern mehr statt. Nun haben sich auf Initiative der „Keferloher Freunde“ wieder zehn junge Burschen von den Berufsschulen München-Land, Neusäß und Rosenheim dieser durchaus anspruchsvollen Disziplin gestellt, die man „nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln kann“, wie Josef Hornburger (61) aus Heimstetten betont. Unterstützt vom Vorstand der „Freunde des Keferloher Montags“ hat er die Wieder-Aufnahme des Wettpflügens organisiert. Die Jurymitglieder stellte der „Verein der oberbayerischen Pflüger“. Am vorigen Samstag bereits fand ein siebenstündiges Probe-Pflügen mit fünf Prüfern aus Rosenheim statt, erzählt Hornburger. Denn das „Wettackern“ solle fürs Publikum zwar eine Gaudi sein, „aber auch exakt gehen, um an die Tradition des Leistungspflügens anzuknüpfen“. Wie berichtet, würden die Keferloher Freunde künftig gerne den Bezirksentscheid, sprich die oberbayerischen Meisterschaften im Preisackern, in Keferloh ausrichten.

Die Zuschauer jedenfalls genossen den neu gesetzten Programmpunkt und trafen sich zum Fachsimpeln am Rande der Parzellen. Alt eingesessene Landwirte kamen mit den Enkeln, aber es mischten sich auch viele junge Familien, den Nachwuchs im Kinderwagen, unters Publikum. „Früher gehörte das Ackern zur Abschlussprüfung für junge Landwirtschaftsschüler“, erinnerte sich Max Kraus senior (83) aus Ismaning, der „wie jedes Jahr“ nach Keferloh gekommen ist. „Da wurde mit dem Zollstock ganz genau gemessen“. Für die Besten ging es weiter bis zur Deutschen Meisterschaft. „Aber – alles lange her“, winkt Kraus ab.

Vor 70 Jahren sei er selbst „beim ersten Preisackern im Karlshof in Ismaning“ zweiter Sieger geworden. Hinter Leonhard Hillebrand, der die damals fünf Liter Edelstoff als Siegprämie gewann. Geackert wurde damals noch mit Pflugscharen, die von Rössern über die Felder gezogen wurden.

Die Zuschauer bekamen deshalb nicht nur Landmaschinen zu sehen. Für Unterhaltung sorgten auch die Rösser Moritz (20) und Fuchs (5) von Paul Gilhuber aus St. Wolfgang und die Ochsen Monaco Franze (3) und Wastl (3) von Helmut Stocker aus Landsham. Der 60-Jährige ist mit seinen Ochsen viel unterwegs: das Gäubodenfest in Straubing, der Einzug aufs Oktoberfest und natürlich der „Keferloher“ sind Pflichttermine im Kalender des Landwirts, der eigentlich seinen Enkel Sebastian (8) pflügen lassen wollte. „Der macht sich am Pflug schon ganz gut, ist aber leider heute noch im Urlaub.“

Finanziell unterstützt wird das Wettpflügen vom Landkreis München. Der Kreisausschuss für Sport, Kultur und Partnerschaften gab Ende Juli die beantragten 12 000 Euro frei, was Vertreter von SPD und Grünen teils scharf kritisierten (wir berichteten).

Albert Ostler (55), Vorsitzender der „Freunde des Keferloher Montags“, sprach in seiner Begrüßungsrede von einer „großzügigen Zuwendung des Landkreises fürs Wettpflügen“, wofür man sich bedanke. Mit der Wiederaufnahme wolle man ein „Zeichen setzen für Tradition und Heimat und freue sich deshalb auch über die Teilnahme von Direktvermarktern aus dem Landkreis am Bauernmarkt. „Auch das wollen wir künftig noch ein bisschen mehr ausweiten.“

Am Bauernmarkt, der in der Vergangenheit zunehmend schlechter besucht worden war, herrschte ab Mittag reges Treiben. Bei strahlendem Sonnenschein bummelten auch viele Familien übers Gelände, die den Besuch in Keferloh als Sommerferien-Ausflug nutzten. Landmaschinenausstellung, Greifvogelschau und Bullenschätzen blieben als bewährte Programmpunkte erhalten, daneben lockten eine Ausstellung historischer Traktoren und eben das Preisackern.

Die große Politik hingegen war in den Hintergrund gerückt. Ministerpräsident Horst Seehofer, Bela Bach und Olaf Scholz, Jimmy Schulz und Alexander Graf von Lambsdorff hatten schon am Wochenende gesprochen. „Da hat’s nur geregnet, heute scheint die Sonne“, fasst Ostler knapp zusammen, was sich von Freitag bis Sonntag in Keferloh abgespielt hat (wir berichteten). Eigens erwähnt wurden nur die Ehrenamtlichen der Feuerwehr Grasbrunn, die unermüdlich dafür gesorgt haben, „das Zelt trocken zu legen“.

2013 hatte Horst Seehofer seinen Auftritt noch direkt am „Keferloher Montag“ gehabt. Die Wahl prominenter (CSU)-Politiker hatten die „Freunde des Keferloher Montags“ stets damit begründet, nur so das Festzelt füllen zu können. 2000 bis 10 000 Besucher (bei Karl Theodor zu Guttenberg 2010) waren als Marke gesetzt.

Gestern sprach um 11 Uhr der Bruder Karl Theodors, Philipp zu Guttenberg, vor geschätzt 1500 Festgästen (Ostler) im Zelt von Wiesnwirt Lorenz Stiftl. Die Rede um 14 Uhr hielt Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf. Beide seien „nicht ganz so hochpolitisch, haben aber einen direkten Bezug zur Landwirtschaft“, hatte Ostler kürzlich gesagt. Die Rückkehr zur landwirtschaftlichen Tradition des „Keferloher Montags“ – sie scheint geglückt zu sein.

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