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1220 Kilo bringt Stier Waldprinz auf die Waage. Sein Gewicht galt es beim Keferloher Montag zu schätzen. Sebastian Deutinger ist für das imposante Tier zuständig. Melanie (zehn Jahre alt) ist beeindruckt.
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1220 Kilo bringt Stier Waldprinz auf die Waage. Sein Gewicht galt es beim Keferloher Montag zu schätzen. Sebastian Deutinger ist für das imposante Tier zuständig. Melanie (zehn Jahre alt) ist beeindruckt.
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Keferloher Montag

Aus Liebe zur Landwirtschaft

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Wettpflügen, Stierschätzen und alte Bulldogs: Keferloher Montag bewahrt Traditionen. Dazu gibt es ein bisschen Politik im Festzelt.

Keferloh – Sepp Graf geht in die Knie und kneift ein Auge zu. Mit dem anderen sieht er sich die rund 70 Meter lange Furche an, die ein junger Bursche mit seinem Pflug hinterlassen hat. Wellig sieht die Kante aus. „Das muss er ausgleichen, sonst kommt er am Ende nicht hin“, sagt Graf. Heißt: Wenn der Bauer seinen Bulldog auch bei den nächsten Fahrten nicht ganz gerade lenkt, kann er am Feldrand keine gerade Kante pflügen. Das gibt beim Preisackern in Keferloh Punktabzug.

Sepp Graf entgeht nichts. Er ist Oberrichter beim Wettpflügen am Keferloher Montag. Gemeinsam mit acht weiteren Richtern bewertet er die Leistungen der in diesem Jahr neun Teilnehmer, die gerade ihre Ausbildung zum Landwirt machen. Er prüft, ob sie die Furchen gleichmäßig tief und gerade ziehen, ob Unkraut darin hängen bleibt und wie viele Spuren der Schlepper im Feld hinterlässt. Einst war der Wettbewerb Kernstück des Bauerntags. Nach langer Pause fand er vergangenes Jahr wieder statt. Geht es nach Albert Ostler, dem Chef der Keferloher Freunde, soll das Pflügen zu einem bayerischen Landesentscheid werden.

Eine Attraktion für die Besucher ist der Wettbewerb alle Mal. Am Feldrand hinter rot-weißen Absperrbändern stehen Silvia und Franz Glockner mit ihren Kindern Johanna (16), Paul (14), Benedikt (11) und Xaver (8). Weil Silvia Glockner im Grasbrunner Gemeindeteil Harthausen aufgewachsen ist, kommt die Landwirtin mit ihrer Familie aus Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) jedes Jahr zum Keferloher Montag. „Als Kind war ich immer hier“, sagt sie. Nirgends sonst in der Region werde landwirtschaftliche Tradition so gepflegt wie in Keferloh. Außerdem treffe sie immer alte Bekannte.

Einer von ihnen ist Franz Göpfert (55) aus Harthausen. Er schüttelt Silvia Glockner die Hand, dann schaut er beim Wettackern zu. 1979 hat er selbst mitgepflügt – und den siebten Platz gemacht. Für Platz eins hat es vor drei Jahren beim Stierschätzen gereicht, sagt er. Das Tier wog damals 1130 Kilogramm.

Auf stolze 1220 Kilo bringt es der diesjährige Stier namens Waldprinz. Er steht auf einer Wiese vor dem Festzelt und kaut langsam auf einem Büschel Heu. Sebastian Deutinger steht daneben und tätschelt den Kopf des fünf Jahre alten Stiers. Normalerweise ist „Waldprinz“ in einem Stall von Bayern-Genetik, einer Besamungsstation, zuhause, sagt Deutinger. Der Ausflug zum Keferloher Montag ist eine Ausnahme. Für Walter Fölsner junior aus Garching ist das Stierschätzen ein Höhepunkt. „Das gibt’s woanders nicht“, sagt der Rentner (64). Einen eigenen Stand hat er auch. Links vor dem Eingang des Festzelts verkauft Fölsner Devotionalien mit Porträts von Sisi und König Ludwig II. darauf.

Wenige Meter entfernt leuchtet der Oldtimer-Bulldog von Herbert Baumann den Besuchern entgegen. Den Vorführschlepper von Porsche hat sein Vater für 6000 Mark am Keferloher Montag 1958 gekauft. Weil die 14-PS-starke Maschine heuer 60 Jahre alt wird, stellt Herbert Baumann sie aus – umrahmt von runden Tempo-60-Schildern. Sogar ein Gedicht hat er verfasst. Darin lesen die Besucher, was der alte Porsche schon alles geleistet hat. „Er hat Maschinen gezogen, die heute keiner mehr kennt“, sagt Baumann. Auf einem Foto ist zum Beispiel ein Kartoffelroder zu sehen, mit dem früher die Knollen ausgegraben wurden. Mühevolle Arbeit, sagt Baumann. Aber sie soll nicht in Vergessenheit geraten. Deswegen ist er beim Keferloher Montag.

Heimatminister Albert Füracker im Festzelt

Wer glaubt, früher sei in der Landwirtschaft alles besser gewesen, der täuscht sich. So hat es Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) am Montag bei seiner Rede im Keferloher Festzelt formuliert. Vor 50 Jahren haben Bauern schwer geschuftet, haben viele Arbeiten mit Muskelkraft bewerkstelligt. Wer sich über große Landmaschinen aufrege, habe die damalige Zeit nicht miterlebt, sagte Füracker. Nur durch moderne Geräte, wie sie heute im Einsatz sind, könne sich die Landwirtschaft zu einer zukunftsfähigen Branche entwickeln. Mit neuer Technik könnten Landwirte außerdem effektiver arbeiten und müssten so weniger Pflanzenschutzmittel auf ihren Äckern ausbringen. Man müsse die Natur nützen und schützen, sagte Füracker. „Und wir sollten darauf achten, dass wir weltoffen bleiben.“ Denn vom Export bayerischer Produkte in die Welt profitierten nicht nur fremde Länder, sondern auch die Landwirte der Region. Wie bedeutsam der Schutz der Wälder sei, betonte Martin Neumeyer, der Chef der Bayerischen Staatsforsten, in seiner Rede. Angesichts des außergewöhnlich heißen Sommers heuer seien die Fichten sehr anfällig für Borkenkäfer. Damit sich der Schädling nicht ungebremst ausbreitet, müssten befallene Bäume sofort gefällt werden, sagte er. Es gebe sogar eine Smartphone-App, in der Förster den Standort eines Käfer-Baums mit GPS-Koordinaten angeben können – bis auf wenige Meter genau.

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