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In der Zulassungsstelle in Grasbrunn herrscht Ausnahmezustand.

Kunden total sauer

Bis zu fünf Stunden Wartezeit: In dieser Kfz-Zulassungsstelle herrscht das reinste Chaos

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Kunden sind stinksauer: Sie warten bis zu fünf Stunden - und kommen manchmal trotzdem nicht dran. Die Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises ist völlig überlastet. Aus mehreren Gründen.

Grasbrunn – Sascha Reisert aus Aschheim ist sauer. Am Donnerstag wartete er satte fünf Stunden in der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises in Grasbrunn. Dann wurden sämtliche Schalter geschlossen – und wurde er heimgeschickt. Am Freitag versuchte er wieder sein Glück, kam um kurz nach 10.30 Uhr und wollte eine Nummer ziehen. Das ging nicht, weil der Automat außer Betrieb war. „Ich erhielt am Schalter die Nummer 245, gerade wird 146 bearbeitet. Das wird heute wieder nichts mit dem Anmelden des Autos meiner Tochter“, schimpft Reisert. So ergeht es seit Monaten etlichen Landkreis-Bürgern, die ein Fahrzeug an- oder ummelden wollen: Drei, vier Stunden warten ist normal, manchmal auch fünf.

15 Leute an einem Schalter

Ein Besuch der Kfz- und Führerscheinstelle an einem Freitag im Dezember: Vor dem Gebäude viele schimpfende Menschen, die sich beschweren, dass sie seit Stunden warten und nichts vorwärtsgeht. In der großen Halle im Grasbrunner Technopark sind alle Stühle besetzt, zudem stehen etliche Wartende. Jeder schaut alle paar Minuten auf den Monitor, auf dem die aktuell bearbeiteten Nummern aufleuchten. Heute sind von 22 Schaltern 13 geschlossen. Eine Menschenschlange, etwa 15 Personen, wartet vor einem Schalter, um überhaupt noch eine Nummer zu bekommen. 

Nichts geht mehr am Nummern-Automaten.

Denn der Automat funktioniert auch seit Stunden nicht. Ebenso wie am Vortag, berichtet ein Wartender, der bereits gestern vergeblich gewartet hat. Jeder erhält zwar eine Nummer am Schalter, aber immer mit dem Zusatz: „Ob Sie heute noch drankommen, kann ich nicht versprechen.“ Um 11 Uhr blinkt die 150 auf. Heißt: In dreieinhalb Stunden wurden gerade einmal 50 Antragsteller bearbeitet. Am Schalter selbst verbringt jeder maximal fünf bis zehn Minuten.

Nummer ohne Automat? Keine Garantie, dranzukommen

 „Wer eine Nummer aus dem Automat zieht, kommt heute dran. Wer eine vom Schalter bekommt, da bemühen wir uns, können es aber nicht garantieren“, sagt der Leiter der Zulassungsstelle, Patrick Fichtelmann. Es sei eine schlechte Woche: viele Mitarbeiter krank, einige würden eingearbeitet, die Termin-Onlinevergabe im Internet sei für ein paar Tage defekt.

Die Situation ist im Landratsamt bekannt. In der Kfz-Zulassungsstelle gebe seit einiger Zeit personelle Engpässe, teilt die Pressestelle mit. Diese resultierten aus einer Mischung von längerfristigen Krankheitsfällen und Personalmangel. „Wir haben die gleichen Phänomene in allen Ämtern: Wir bekommen kein Personal, das Leben hier ist zu teuer“, heißt es aus der Pressestelle. Doch trotz des angespannten Arbeitsmarkts sei es gelungen, neues Personal einzustellen. Zwei Mitarbeiter seien am Ende der Einarbeitungsphase, drei weitere Kollegen beginnen bald in der Zulassungsstelle.

Leiter: Im Dezember größter Ansturm

Deren Leiter Fichtelmann fügt hinzu: Der Dezember sei auch der Monat mit dem höchsten Ansturm. „Aber das wird nächste Woche wieder besser“, verspricht er. Doch auf der Homepage der Zulassungsstelle warnt ein roter Kasten: „Es kommt zu erhöhten Wartezeiten“ – und zwar schon seit 16. Juli 2018.

Als Rita Klos Fichtelmanns Aussagen hört, muss sie lachen. Sie arbeitet seit vielen Jahren im Autoschilder-Geschäft Kroschke gegenüber der Zulassungsstelle. „Der stärkste Monat ist der März, der Dezember der schwächste“, schildert sie ihre Erfahrung. Die langen Wartezeiten seien schlecht fürs Geschäft. Im November habe der Umsatze nur die Hälfte des Vorjahres mit Privatpersonen gebracht; bei den Händlern waren es 35 Prozent weniger. „Der extreme Abwärtstrend hält seit März an, das hat also gar nichts mit einer aktuellen Krankheitswelle zu tun“, meint Klos. Wenn es so weitergehe, müssten sie und Kollegen der anderen beiden Schilderhersteller um ihre Existenz fürchten.

Schilderhersteller fürchten um Existenz

Denise Löffler arbeitet für den Schilder-Hersteller Schwab im Keller der Zulassungsstelle. Es gibt Tage, da hat sie nur einen Kunden pro Stunde - und oben sitzen die Wartenden in der Behörde.

„Das spricht sich schnell rum, dass man in Grasbrunn vier, fünf Stunden warten muss und heimgeschickt wird – die Händler kommen nicht mehr“, sagt Denise Löffler, Angestellte des Schilderherstellers Schwab, verärgert.

Es gibt t für Landkreis-Bürger auch die Möglichkeit, in Miesbach, Rosenheim oder Starnberg ihre Autos anzumelden. Mit diesen Zulassungsstellen hat der Landkreis Kooperationen. „Da ist viel weniger los, da kommt man sehr schnell dran“, sagt Amtsleiter Fichtelmann. 

„Der will mich doch verkohlen“

Doch viele Wartende sind nicht begeistert. „Er will mich doch verkohlen. Da stehe ich drei Stunden, ohne dass was vorwärtsgeht und dann schickt er mich nach Starnberg?“, schimpft Ingeborg Deubler aus Unterhaching. Marc Körber aus Grünwald erhielt um etwa 10.30 Uhr die Nummer 240. „Da habe ich bis 13 Uhr kaum eine Chance“, sagt er. 

Claudia Hartl besucht die Zulassungsstelle mehrmals pro Woche als Händlerin für ein Autohaus in Kirchseeon. Sie kam um 7.35 Uhr, als das Amt öffnete, zog Nummer 152 und wurde um 12.10 Uhr bedient. „Es ist unglaublich“, sagt sie genervt. „Ich bin bei so vielen Zulassungsstellen, aber so etwas wie in Grasbrunn gibt es nirgendwo.“

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