Auspuff von Auto mit Abgasen
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Der Verkehr zählt zusammen mit der Industrie zu den größten Dreckschleudern.

Aktueller Treibhausgas-Bericht vorgestellt

Landkreis muss Gas geben beim Klimaschutz

  • vonAndreas Sachse
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Um die eigenen Klimaziele zu erreichen, muss der Landkreis die Anstrengungen verdoppeln - auch wenn der neueste Bericht zu den Treibhausgas-Emissionen Erfolge aufzeigt.

  • Aktueller Bericht zu den Treibhausgas (THG)-Emissionen im Landkreis vorgestellt
  • 15 Prozent Rückgang
  • 32 Prozent fehlen, um selbst gestecktes Ziel bis 2030 zu erreichen

Landkreis München – Er offenbart aber auch, dass Klimaschutz in einem wirtschaftlich prosperierenden Landkreis ein zweischneidiges Schwert ist. Der im Ausschuss für Energiewende und Umweltfragen vorgestellte Treibhausgas-Bericht bestätigt einen 15-prozentigen Rückgang an Emissionen in den Jahren 2010 bis 2018. Nötig sind weitere 32 Prozent, um das selbst gesteckte Ziel von sechs Tonnen pro Einwohner bis 2030 zu schaffen. Dieser Wert sei durchaus zu erreichen, heißt es. Einfach wird es nicht. Ein Beispiel: Die Zahl der Photovoltaikanlagen im Kreis ist um 17,5 Prozent gestiegen, die Leistung sogar um 25 Prozent. Dennoch macht Photovoltaik nur einen Anteil von 4,3 Prozent am erzeugten Strom aus (die neuesten Zahlen des THG-Berichts sind von 2018). Von 70 000 Gebäuden im Landkreis sind nur 4800 mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Schwächeln bei Fernwärme und Geothermie

Potential sieht der Bericht bei Bürgern und Kommunen gleichermaßen. Ausgerechnet bei Fernwärme und Geothermie, die im Bereich der erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugung bisher besonders gut abschneiden, hätten die Gemeinden nachgelassen. Das Landratsamt ermuntert sie, mehr Fern- und Nahwärmenetze aufzubauen, bestehende Netze zu konsolidieren. Als größte Dreckschleudern gelten nach wie vor Verkehr und Industrie, die zusammen einen Anteil von 75 Prozent an den THG-Emissionen halten. Über 96 Prozent der Verkehrs-Emissionen sind dabei von Motor-Fahrzeugen verursacht. „Wir sind bereits mit einem bunten Baukasten unterwegs“, so Landrat Christoph Göbel: Solarkataster, Zukunftsaktie, Elektromobilität, Umweltbildung, Energetische Sanierung, Energieberater der Energieagentur Ebersberg-München. Die größten Effekte erhofft sich Göbel vom Nahverkehrsplan.

Kritik am Bund

Der mit einem Anteil von 37,6 Prozent am Energieverbrauch zweite große THG-Verursacher, die Industrie, entzieht sich wohlmeinenden Maßnahmen des Kreises. Der Verbrauch ist minimal gesunken, nachdem zwischenzeitlich sogar die 40 Prozentmarke geknackt worden war. Ob der anvisierte Klimapakt mit Unternehmen, wonach Teilnehmer sich verpflichten, binnen zehn Jahren Klimaneutralität zu erlangen, spürbare Erfolge zeitigt, bleibt abzuwarten. Maßnahmen sind freiwillig. Nicht nur in dem Zusammenhang sehen sich Kreisräte, wie Oliver Seth (Grüne), vom Bund im Stich gelassen: Gerade bei Verkehr und Industrie sei noch so viel zu holen. Landrat Göbel wiederum beklagt, „dass die Frage der Förderfähigkeit von Projekten oft mit sehr hohen Hürden“ belegt sei. Manfred Riederle (FDP), Aufsichtsrat einer kommunalen Energiegemeinschaft in Unterschleißheim, bläst ins gleiche Horn. „Zu viele aussichtsreiche Vorhaben scheitern an regulatorischen Vorgaben des Bundes.“

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