Der Grasbrunner Hof soll einem Neubau weichen.
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Der Grasbrunner Hof soll einem Neubau weichen.

Gemeinderäte verhindern, dass Rathauschef über Bauprojekt in Grasbrunns Ortsmitte informiert

Maulkorb für den Bürgermeister: Ausschuss verhindert Infos über Bauprojekt

  • Bert Brosch
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In der Grasbrunner Ortsmitte soll jede Menge Wohnraum entstehen. Der Bürgermeister wollte die Öffentlichkeit darüber im Bauausschuss informieren. Die Mehrheit der Gemeinderäte verhinderte das.

Grasbrunn – Seit 2017 diskutiert der Gemeinderat über die Neubebauung im Zentrum von Grasbrunn diskutiert. Ein erster Entwurf sah den Abriss des Grasbrunner Hofs und der nördlich gelegenen Häuser vor. Sie sollten vier Wohngebäuden weichen. Die Pläne sind mittlerweile umfangreicher, nach dem die Investoren ein weiteres Grundstück erworben haben. Sie planen nun 16 Häuser mit 70 Wohneinheiten. Über diese neuen Pläne wollte Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) die Öffentlichkeit nun informieren. Durfte er aber nicht. Die Mehrheit im Bauausschuss verhinderte es.

Korneder war entsprechend richtig angefressen. „Immer wieder wurde mir vorgeworfen, ich würde die Gemeinderäte und Öffentlichkeit nicht frühzeitig über die Pläne im Zentrum informieren“, schimpfte der Bürgermeister. „Nun wollte ich dies tun mit einem Vorentwurf und einem Billigungsbeschluss – und genau die, die immer informiert werden wollten, haben das jetzt gegen meinen ausdrücklichen Wunsch in den nicht-öffentlichen Teil verschoben.“

„Es gab einige ungeklärte Punkte“

Auf Antrag von Johannes Bussjäger (FW) hatten die Fraktionen von FW und CSU, Sven Blaukat von der FDP und Max Walleitner von den Grünen dafür votiert, das Thema zunächst noch einmal nicht öffentlich zu diskutieren. „Es gab aus unserer Sicht einige ungeklärte Punkte, die wollten wir vorab vom Bürgermeister beantwortet haben“, erklärte Bussjäger. „Da er dies nicht tat, fehlte uns die sachliche Grundlage, um über das Thema im Detail zu diskutieren.“ Korneder hält dagegen: „Die offenen Punkte gab es, aber die hätten wir alle öffentlich besprechen können.“ Jetzt gebe es eine „weitere, völlig unnötige Verzögerung“. Halb so wild findet Bussjäger. Es werde über das Projekt seit über drei Jahren gesprochen, „da kommt es auf vier Wochen Verzögerung auch schon nicht mehr an“.

Im Frühjahr 2018 hatte das Planungsbüro Goergens Miklautz und Partner dem Gemeinderat einen Entwurf vorgelegt, wonach der Grasbrunner Hof und das nördlich angrenzende Grundstück mit Wohnhaus, Maschinenhallen, Stall und Silo verschwinden sollen. Stattdessen waren vier große Wohngebäude vorgesehen. Die Gemeinde hatte auf dem Areal jedoch andere städtebauliche Ziele und erließ im April 2018 eine Veränderungssperre, die sie im März 2020 um ein weiteres Jahr verlängerte. Die Grundstücke gehören einer Privatperson und einer Investorengruppe. Die neue Konzeption, erstellt vom Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum München, sieht ebenfalls den Abriss des Grasbrunner Hofes und aller nördlich davon gelegenen Gebäude vor. Dort sollen „ausreichend preisgedämpfte“ Wohnungen entstehen, die 16 geplanten Gebäude sollen „aufgelockert gebaut werden entsprechend dem dörflichen Charakter“, sagte Bauamtsleiterin Stephanie Zirngibl. Neben Geschosswohnungsbau soll es Einzel- und Doppelhäuser sowie Hausgruppen geben. Zur Entlastung der Ortsmitte und zur Verkehrssicherheit wird das Baugebiet Richtung Keferloher Straße nach Norden erschlossen.

„Die Investoren haben uns versichert, dass dort, wo heute der Grasbrunner Hof steht, wieder eine Gaststätte entstehen wird“, unterstrich Bürgermeister Korneder. Über alle diese Punkte und viele weitere Details hätte er gerne öffentlich informiert, „das ist sehr schade, dass die Mehrheit im Bauausschuss das verhindert hat“.

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