Beim SPD-Neujahrsempfang

Natascha Kohnen zeigt klare Kante gegen Alexander Dobrindt

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Beim SPD-Neujahrsempfang in Grasbrunn wirft die Natascha Kohnen der CSU vor, die Sondierungsgespräche bewusst an die Wand fahren zu wollen. 

Grasbrunn – Der bayerische Löwe brüllt vor rotem Hintergrund. „Mir san mir“, steht auf dem Banner, auf dem das Symbol-Tier des Freistaates abgedruckt ist. Die SPD Grasbrunn hat am Dreikönigstag zu ihrem Neujahrsempfang ins Neukeferloher Bürgerhaus geladen. Etwa 70 Sozialdemokraten und Interessierte sind gekommen, darunter einige SPD-Bürgermeister aus der Umgebung. Und jetzt, ein paar Monate nachdem die SPD bei der Bundestagswahl ihr historisch schlechtestes Ergebnis eingefahren hat, steht die frisch gekürte SPD-Landtagskandidatin für den nördlichen Landkreis Annette Ganssmüller-Maluche am Renderpult und sagt: „Wir haben keinen Grund, gebückt durchs Land zu gehen.“ In Ismaning, Haar, Unterschleißheim, Grasbrunn und und und – überall würden schließlich SPD-Bürgermeister regieren. „Wir führen die Politik vor Ort.“ Die Genossen müssten das neue Jahr selbstbewusst angehen.

Die SPD steckt auf Bundesebene in der Krise, und das ist wohl noch untertrieben. Die Sozialdemokraten versuchen seit Sonntag, eine große Koalition mit CDU und CSU zu zimmern. Gelingt das, könnten sich die Genossen in der unbeliebten Regierung erneut zermürben. Gelingt es nicht, könnte die SPD in Neuwahlen weitere Stimmen verlieren. Und dennoch geben sich SPDler im Landkreis selbstbewusst und kritisieren scharf jüngste Äußerungen der CSU. Keine Spur also vom großen Groko-Frieden. Bayerns SPD-Chefin Natascha Kohnen sagt, sie habe das Gefühl, „dass die CSU die Sondierungen bewusst an die Wand fahren will“.

Kohnen: Das letzte, was unser Land jetzt braucht, ist eine Revolution, und schon gar keine konservative.“

Die Neubibergerin und designierte SPD-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im Herbst verhandelt in Berlin an vorderster Front mit der Union. Sie ist der Stargast beim Neujahrsempfang in Grasbrunn. Dass sie bundesweit an politischen Gewicht zugelegt hat, zeigt sich auch daran, dass ein Fernsehteam des BR ihr an diesen für sie terminreichen Samstag hinterher reist und filmt, wie sie Gästen in Grasbrunn ein frohes neues Jahr wünscht. „Ihr seid meine Leute und Weggefährten“, sagt Kohnen zu Beginn ihrer Rede. Hier in Grasbrunn spüre sie nicht nur ein Heimatgefühl, sondern auch Bodenhaftung. Sie spricht über Wohn- und Familienpolitik. Etwa fordert sie, das Grundgesetz zu ändern, damit sich der Bund an sozialen Wohnungsbau beteiligen kann; oder kritisiert, dass die Staatsregierung Flüchtlingen mit Arbeitsverboten „zum Nichtstun verdammt“. Man gehe mit klaren Positionen in die Sondierungen.

Die CSU und insbesondere Landesgruppenchef Alexander Dobrindt haben die Sozialdemokraten provoziert. Bei der CSU-Winterklausur in Seeon sagte er, die SPD dürfe keine Themen aus „der alten sozialistischen Mottenkiste“ herausziehen. Er plädierte außerdem für eine „konservative Revolution“ in Deutschland und wetterte gegen eine „linke Meinungsvorherrschaft“.

In Grasbrunn geht Kohnen hart mit Dobrindt ins Gericht. „Das letzte, was unser Land jetzt braucht, ist eine Revolution, und schon gar keine konservative“, sagt sie. Diese Ausdrucksweisen seien extrem problematisch. Sie wolle stattdessen mit „Sachlichkeit und Ernsthaftigkeit“ in die Gespräche gehen. Kohnen machte aber auch keinen Hehl daraus, dass sich die SPD erneuern müsse. „Es sind echt schwierige Zeiten.“

Rubriklistenbild: © dpa

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