+
Von der Bank zum Rathaus: Die Gemeindeverwaltung (r.) lagert Teile in die alte Sparkasse (l.) aus. Eine behindertengerechte Toilette wird es dort aber nicht geben. 

In der ehemaligen Sparkasse

Streit ums Klo eskaliert

  • schließen

Ein Streit um ein Klo ist im Gemeinderat Grasbrunn eskaliert. Am Ende warf ein Gemeinderat vielen Kollegen vor, gegen Menschen mit Behinderung zu sein.

Grasbrunn – Es war schon weit nach Mitternacht, am Ende einer turbulenten Gemeinderatssitzung, als die Emotionen noch einmal so richtig hochkochten. Michael Hagen (CSU) hatte den Antrag gestellt, die Gemeinde soll in ihren neuen Räumen in der alten Kreissparkasse eine Behinderten-Toilette einbauen. Die Mehrheit des Rats sah dafür keine Notwendigkeit.

Das große, rote Sparkassen-Logo am Gebäude direkt gegenüber des Rathauses verspricht viel mehr, als sich im Gebäude tatsächlich verbirgt: nämlich seit über einem Jahr nur noch ein Geldautomat, aber keine Filiale mehr. Weil das Gebäude aber ideal liegt und im Rathaus Enge herrscht, hat die Gemeinde das Gebäude gekauft und wird dorthin Teile der Verwaltung auslagern. „Das packen wir direkt nach der Landtagswahl an“, erläuterte Bürgermeister Klaus Korneder (SPD). Umziehen auf die andere Straßenseite wird das gesamte Bürgerbüro mit Pass- und Standesamt, Fundbüro, Wahl-, Gewerbe-, Ordnungs-, Einwohnermelde- und Standesamt.

„Das finde ich schwach“

Michael Hagen engagiert sich seit vielen Jahren sehr für Senioren und Menschen mit Behinderung. Er fordert für die neuen Räume des Rathauses in der alten Sparkasse eine barrierefreie Toilette. Wäre das ein Neubau, ist sich Hagen sicher, dann wäre dies selbstverständlich. „Jetzt müssen wir nachrüsten, was etwa 60 000 Euro kosten würde. Und nun sucht die Gemeinde verzweifelt nach Argumenten, warum sie es nicht machen muss. Das finde ich so schwach“, empörte er sich. Hagen wird unterstützt von der Gruppe „Barrierefreies Grasbrunn“, die ebenfalls ein solches WC begrüßen würde.

Bürgermeister Korneder betonte, dass die neue Rathaus-Zweigstelle so umgebaut wird, dass man mit Rollator, Rollstuhl oder Gehbehinderung problemlos ins Gebäude kommt. Auf eine barrierefreie Toilette werde man aber verzichten, denn sie würde zum einen die dringend benötigte Bürofläche deutlich einschränken. „Zum anderen haben wir im Rathaus eine. Das sind maximal 30 Meter, das ist auch einem Menschen mit Gehbehinderung oder Handicap zuzumuten“, sagte Korneder.

Bauamtsleiterin Stephanie Prokop ergänzte, dass es bei den aktuellen Verwaltungs-Mitarbeitern niemand mit Gehbehinderung. Sollte sich dies ändern, könne man immer noch prüfen, ob eine spezielle Toilette im Untergeschoss mit Aufzug eingebaut wird. 

Hagen: Wer dagegen stimmt, ist gegen Menschen mit Behinderung

Diese Aussage brachte Hagen so richtig auf die Palme: Man müsse doch nicht erst warten, bis jemand mit Behinderung sie brauche, sondern das WC als Service vorhalten. „Wenn man die Toilette so gebaut hätte, dass sie auch von außen und außerhalb der Öffnungszeiten nutzbar wäre, dann hätte Grasbrunn im weiten Umkreis das einzige Behinderten-WC für alle Menschen.“ Er betonte: Wer gegen diese Toilette stimme, sei gegen Behinderte. 

Das war dem Bürgermeister zu viel. „Wir haben bestimmt noch ein paar Defizite in Grasbrunn, aber wir tun seit Jahren alles, was möglich ist, um behindertengerecht zu werden.“ Dazu zähle auch, dass man ein „mobiles Büro“ einrichten werde, das zu Menschen mit Handicap nach Hause komme, um dort Amtsgeschäfte erledigen zu können. Zudem soll es im Haupthaus ein barrierefreies „Flexi-Büro“ für Menschen mit Hör- und Sehproblemen geben mit Lautsprechern, speziellen Bildschirmen und extra geschulte Mitarbeitern. Den Vorwurf, er oder die Gemeinde sei gegen Behinderte, lasse er keineswegs gelten. Die Toilette lehnte der Gemeinderat mit 11:7 Stimmen ab.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

BMW-Fahrer mit 1,8 Promille erwischt
Einen deutlich betrunkenen Autofahrer hat die Polizei Haar in der Nacht zum Donnerstag aus dem Verkehr gezogen.
BMW-Fahrer mit 1,8 Promille erwischt
Hund bringt Radlerin (53) zu Sturz
Ein Mischlingshund ist am Mittwochabend in Straßlach aus einem Grundstück in Deigstetten gelaufen und hat eine Radfahrerin (53) zu Sturz gebracht.
Hund bringt Radlerin (53) zu Sturz
Feuer auf Terrasse in Neubiberg greift auf Wohnung über
Gegenstände auf einer Terrasse in Neubiberg sind am Dienstag in Brand geraten. Die Flammen griffen auf das Wohnhaus über.
Feuer auf Terrasse in Neubiberg greift auf Wohnung über
Nach Verlust seiner Hand: Nächster schlimmer Rückschlag für Wirt von „Rosins Restaurants“
Roman Schmoll muss derzeit einige Rückschläge verkraften. Vergangenes Jahre verlor der TV-Wirt bei einem Unfall eine Hand, nun muss er seinen Gasthof schließen. Doch …
Nach Verlust seiner Hand: Nächster schlimmer Rückschlag für Wirt von „Rosins Restaurants“

Kommentare