Einst spielten hier Becker und Graf, heute wirkt das Gelände mit seinen Hallen verlassen. In den Plänen für das Gewerbegebiet, erklärt Bürgermeister Klaus Korneder, spielt die ehemalige Tennisanlage aber keine Rolle.
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Einst spielten hier Becker und Graf, heute wirkt das Gelände mit seinen Hallen verlassen. In den Plänen für das Gewerbegebiet, erklärt Bürgermeister Klaus Korneder, spielt die ehemalige Tennisanlage aber keine Rolle.

Besitzverhältnisse der Anlage offenbar ungeklärt

Vom Tennistempel zur Ruine: So steht es um den „Schandfleck“ in Keferloh

  • Bert Brosch
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Früher spielten auf den Plätzen in Keferloh Tennisgranden wie Boris Becker und Steffi Graf. Dieser sportliche Glanz vergangener Tage ist längst verblasst. Heute wird die Anlage als „Schandfleck“ tituliert.

Grasbrunn – Es war angeblich die größte Tennisanlage der Welt, die Weltelite spielte auf einem der 70 Plätze. Seit ein paar Jahren steht auf der Anlage bei Keferloh allerdings alles leer, für Haars CSU-Gemeinderat Dietrich Keymer ist es ein regelrechter „Schandfleck“, für Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) ein optisch „furchtbarer Ort“. Für das neue Gewerbegebiet, das noch ab diesem Jahr dort entstehen soll, spielt die Tennisruine allerdings keine Rolle.

Wer die Besitzer der riesigen Anlage zwischen Keferloh und Haar sind, das darf Korneder auf deren ausdrückliche Anweisung nicht verraten. „Die sind untereinander und auch mit dem Pächter so verfeindet, aus meiner Sicht ist es völlig unklar, wem da welcher Teil gehört.“

Bis heute kein Bebauungsplan?

Die Plätze und Hallen entstanden ab 1969 auf der zugeschütteten Fläche einer ehemaligen Kiesgrube. Am Schluss waren es zehn Hallen, die aussehen wie Flugzeughangars, und unzählige Plätze im Freien. Errichtet wurde alles nach und nach nur vorübergehend als „fliegende Bauten“, der Grasbrunner Gemeinderat hatte damals immer wieder vor, die notwendige Voraussetzung für den Bestand der Tennisanlage mit einem Flächennutzungsplan zu schaffen. Der wurde wohl auch 1977 getan und die Fläche für Tennis- und Squash gewidmet. Nur einen Bebauungsplan gibt es offensichtlich bis heute nicht.

Bis 1985 gaben sich die Topstars von Boris Becker über Steffi Graf bis Ivan Lendl quasi den Tennisschläger in die Hand, von morgens acht bis zur Dunkelheit waren die Plätze voll ausgebucht. Doch der Tennis-Boom flaute ab, es folgten andere Nutzungen der Hallen und Plätze: Hallenfußball, Badminton, Beachvolleyball, ein Auto-Handel. 2015 wurden fast über Nacht 700 Flüchtlinge einquartiert, die am Münchner Bahnhof angekommen waren.

Baubeginn für Gewerbegebiet wohl noch dieses Jahr

Als Grasbrunn dann 2016 erstmals seine Pläne für ein neues Gewerbegebiet auf der dem Tennisgelände gegenüberliegenden Straßenseite der B 471 öffentlich machte, erhob sich ein Aufschrei der Haarer Gemeinderäte. Vor allem die CSU sieht den Bestand der in ihren Augen vorhandenen Rodungsinsel Keferloh in Gefahr, zum anderen würde ein Naherholungsgebiet zerstört. Grasbrunns Bürgermeister Korneder widerspricht energisch: „Das ist keine Rodungsinsel, wie die Regierung von Oberbayern eindeutig bestätigt hat. Das wäre es nur, wenn ein zusammenhängendes Waldstück gerodet worden wäre, das ist hier aber nicht der Fall.“ Die Ansiedlung Keferloh mit Kirche, Gasthaus und Gutshof sei zuerst da gewesen, erst im Laufe der Jahrhunderte wurde rundum der Fichtenwald gepflanzt. „Außerdem haben wir von Anfang an die Belange von Haar intensiv berücksichtigt, etwa einen breiten Grünstreifen rund um das Gewerbegebiet geplant“, betont Korneder. Die Tennisanlage habe für die gemeindlichen Pläne nie eine Rolle gespielt – „und sie tut es heute nicht, weil die Besitzverhältnisse eben so unklar sind“.

Im November vergangenen Jahres hat die Gemeinde mit den anderen beiden Grundstücksbesitzern die rund fünf Hektar große Fläche, auf der das Gewerbegebiet entstehen wird, an einen Investor verkauft. Sie wird das Gebiet also nicht, wie ursprünglich geplant, selbst erschließen und veräußern. „Ich gehe fest davon aus, dass die Erschließung noch in diesem Jahr beginnen wird, alle Pläne sind fertig und genehmigt“, sagt Klaus Korneder. Was aber bleiben wird, ist der „Schandflecke“ oder „furchtbare Ort“ – je nach dem, wen man fragt.

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