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Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Jetzt trauern Brigitte Lange (r.) und ihre Tochter Susanne um Klaus Lange, dem seine Familie immer das Wichtigste war.

Nachruf

Große Trauer um Klaus Lange aus Putzbrunn

Putzbrunn – Seine Familie und seine Studenten waren für Klaus Lange der Mittelpunkt seines Lebens. Für sie nahm er sich Zeit, auf ihn konnten sie sich verlassen. Jetzt hat sein Herz aufgehört zu schlagen. Im Alter von 85 Jahren verstarb er im Kreis seiner Familie.

Geboren wurde Lange in Berlin. Aber schon in früher Kindheit entdeckte er die Schönheit Oberbayerns, als er mit seinen Eltern jedes Jahr in die Sommerfrische zum Wandern und Klettern nach Oberstdorf fuhr.

So kannte die Familie im Februar 1945 nur ein Ziel, als sie mit einem der letzten Züge vor den heranrückenden russischen Truppen flüchtete. In Oberstdorf fanden sie eine neue Heimat.

Dort machte Lange 1949 sein Abitur. Ihn faszinierte die Elektrotechnik, doch ein Studium konnte sich die Familie nicht leisten. Also absolvierte er zunächst eine Lehre als Elektriker, machte seinen Gesellenbrief. Erst 1951 nahm er in München das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität auf.

In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Brigitte kennen, die an der TU Physik studierte. 1957 promovierte Lange und bekam eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Hochfrequenztechnik der TU. 1958 heiratete das Paar und wohnte in München.

1965 war das Jahr, in dem sich das Leben für Klaus und Brigitte Lange änderte. Tochter Susanne wurde geboren. Schnell erkannte das Paar: Susanne war geistig schwer behindert. Sie würde ein Leben lang, rund um die Uhr, betreut werden müssen. Es war keine Frage: Dieser Aufgabe stellte sich das Paar. Alles andere wurde zurückgestellt.

1967 habilitierte Lange und bekam zwei Jahre später eine Gastprofessur in Minneapolis angeboten. Er folgte diesem Ruf, ging mit der Familie in die USA. Doch ein Jahr später war die Familie wieder in Bayern. In Putzbrunn kauften die Langes 1970 ein Reihenhaus.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung war der geplante Bau der Behinderteneinrichtung durch die Lebenshilfe. Nur fünf Minuten entfernt steht das Wohnhaus. 1970 ereilte Lange der Ruf als Professor an die TU in Hannover. „Ein Umzug kam nicht in Frage, das wollten wir unserer Tochter nicht zumuten, also pendelte mein Mann vier Jahre lang“, erinnert sich Brigitte Lange. 

Er wurde in den Gründungsausschuss der Bundeswehr-Universität Hamburg berufen, und als in Neubiberg die Universität der Bundeswehr gegründet wurde, bewarb er sich und bekam 1974 den Lehrstuhl für theoretische Elektrotechnik. „Jetzt hatte er wieder die Zeit, die er sich wünschte für die Familie.

Liebevoll kümmerte er sich um Susanne, spielte mit ihr Fußball oder Minigolf, übernahm auch die Aufgaben bei der täglichen Pflege“, sagt seine Brigitte Lange.

Wie für seine Familie war er auch für seine Studenten da. Als Doktorvater half er vielen auf dem Weg zur Karriere. „Er hat sich um sie gekümmert und sie haben es ihm gedankt. Für ihn stand nicht die eigene Profilierung im Vordergrund. Er lebte sein Leben für die Menschen, die ihm nah und wichtig waren“, sagt Brigitte Lange.

Unvergessen wird der Professor bleiben, der bis zu seinem 70. Lebensjahr tätig war. Auch nachdem er emeritiert war, riss die Verbindung zu seinen Studenten nicht ab. „Viele sind gekommen, haben ihn auf seinem letzten Weg begleitet. Das war Ein großer Trost für uns“, sagt Brigitte Lange. Sie, ihr Sohn Martin und Tochter Susanne waren in ihrer Trauer nicht allein. Siggi Niedergesäß

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