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Willi Wantosch senior war Flüchtling aus dem Sudetenland und hat seine neue Heimat geprägt.

Nachruf

Großes Herz für kleine Leute: Ismaning trauert um Willi Wantosch

Ismaning – Wilhelm Wantosch senior war diszipliniert bis zum Schluss. Am Silvestermorgen war der 98-Jährige aus Ismaning mit dem Rollator im Haus gestürzt. Dass er sich eine schwere Kopfverletzung zugezogen hatte, erkannten weder er noch die Familie.

Er klagte über Schmerzen, erlebte aber den Jahreswechsel noch im Kreise der Familie bewusst mit. Am Morgen beschloss er: „Ich glaube jetzt brauche ich einen Arzt.“ Den Sanitätern gab er noch Anweisungen. Als er im Krankenwagen lag, fiel er ins Koma. In der Klinik konnte die Familie noch Abschied nehmen von einem Mann, der die Gemeinde stark geprägt hat: Willi Wantosch senior hat 30 Jahre lang die Politik in Ismaning von 1954 bis 1984 an herausragender Stelle als Gemeinde- und Kreisrat sowie als Bauamtsleiter und Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung gestaltet.

Flüchtling aus dem Sudetenland

Es waren für den gebürtigen Olmützer keine einfachen Anfangsjahre in Ismaning, wie er oft erzählte. Als Flüchtling aus dem Sudetenland erlebte er zunächst im Krautdorf wenig Willkommenskultur. Auf 3000 Einheimische kamen 1000 Flüchtlinge. So beschäftigte ihn, für den Politik bis zum letzten Atemzug die große Leidenschaft war, auch die aktuelle Flüchtlingsthematik.

Politik für die kleinen Leute

Obwohl ihm als Sozialdemokrat immer die Hilfe, Förderung und Unterstützung der Schwachen am Herzen lag, sah er mit Sorge auf die wachsende Zahl der Neuankömmlinge. So wie auch auf die Griechenland-Hilfe: „Die einfachen Leute bei uns, die Arbeiter und Angestellten leiden. Sie bräuchten das Geld. Für die sind wir angetreten.“

Für die kleinen Leute wollte Wilhelm Wantosch Politik machen. So trat er 1947 in die SPD ein und sorgte in Ismaning für den Wiederaufbau seiner Partei. Er wollten den Flüchtlingen helfen, ihr Leben in der neuen Heimat aufzubauen. Von 1956 an setzte er sich auch als Gemeinderat, einige Jahre dann als Dritter und von 1970 bis 1972 nach dem Tod von Toni Schätz als Zweiter Bürgermeister für Ismaning ein. Im Kreistag war er von 1960 bis ’84 aktiv. 

Die Entwicklung des Ortes trug er an der Seite von Bürgermeister Erich Zeitler auch beruflich als Bauamtsleiter bis 1980 mit. Deshalb musste er 1972 sein Gemeinderatsmandat aufgeben. Der Namen Wantosch sollte aber im Rat erhalten bleiben: Seine Frau Maria Wantosch, wie er gebürtig aus dem Sudetenland, rückte mit Elisabeth Böltl für die SPD als erste Frau in das Gremium nach. Dass sie den Mut hatte, zu kandidieren, erfüllte den Ehemann, wie er später erzählte mit Stolz: „Eine Frau war damals doch nicht anerkannt. Sie hatte zu Recht Bedenken, wie es unter der ganzen Männerwirtschaft wird.“

Nie die Verantwortung gescheut 

Wilhelm Wantosch senior hatte nie die Verantwortung nach dem Neustart in Ismaning gescheut. Er war Ortsvereinsvorsitzender, Fraktionssprecher, auch Mitbegründer der Volkshochschule und in der Sudetendeutschen Landsmannschaft aktiv. Beim Bau der Maltesersiedlung in der Wasserturmstraße in den 50er Jahren war er Gründer und Vorsitzender der Siedlergemeinschaft auf dem damaligen Kirchengrund.

Zusammen mit Maria Wantosch baute er auch privat sein Leben in Ismaning auf. In der Rosenstraße entstand schließlich der Familiensitz, in dem auch seine Kinder Edith, 1952 geboren, und Helmut, der elf Jahre später das Licht der Welt erblickte, mit ihren Ehepartnern und den heute erwachsenen vier Enkeln aufwuchsen. 

Beisetzung

Am Mittwoch, 13. Januar, ist um 10.30 Uhr der Gottesdienst in St. Johann Baptist, anschließend Erdbestattung am Alten Friedhof.

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