"Großkopferte Südstaatler räkeln sich in der Sonne"

- SPD-Landtagsabgeordneter Gantzer attackiert die Grünen

VON MARTIN BECKER Landkreis - Karl Hofmann sollte Recht behalten. Einen Tag, nachdem der Bayerische Landtag die Petition von Bürgerinitiativen gegen den Autobahn-Südring abgelehnt hatte (wir berichteten), prophezeite der Vorsitzende der Vereinigten Bürgerinitiativen, in einer Presseerklärung: "Jetzt wird die Auseinandersetzung über den Südring wohl weiterhin an Schärfe zunehmen." So kam es tatsächlich, denn der SPD-Landtagsabgeordnete Peter-Paul Gantzer übte scharfe Kritik an den Grünen.

Gantzer echauffierte sich vor allem über die Argumentation von Grünen-Sprecherin Ruth Paulig, die in der teils hitzigen Landtagsdebatte ausgeführt hatte, die Verkehrsprobleme im Münchner Norden seien "hausgemacht" wegen Flughafen, Messe und Fußballstadion. Als "reinsten Zynismus" stufte Gantzer die Grünen-Behauptung ein, ein Autobahn-Südring entlaste den "Grüne treten den Münchner Norden mit Füßen!" Norden allenfalls um 10 bis 15 Prozent und damit "marginal". Immerhin seien das pro Tag bis zu 40 000 Fahrzeuge weniger, so Gantzer, der schließlich in verbaler Scharfzüngigkeit geradezu explodierte: "Die Grünen treten den Münchner Norden mit Füßen. Wenn in Garching ein anerkannt kranker Baum gefällt wird, kann man einen bayernweiten Aufschrei der Grünen hören. Wenn es aber um die Sorgen, Nöte und Belastungen der Bürger im Münchner Norden geht, ergreifen die Grünen Partei für die Großkopferten im Süden", wetterte der SPD-Abgeordnete. Gerade die Bürger aus den Süd-Gemeinden seien auch Messebesucher und Flugreisende. Gantzer, der selbst in Haar lebt, schob wütend hinterher: "Es ist nicht einzusehen, dass der Münchner Norden alle Negativbelastungen zu tragen hat, während sich die im Süden in bester Südstaatler-Manier in der Sonne räkeln."

Dass innerhalb der SPD - übrigens ebenso bei der CSU - keine Einigkeit zum Thema Südring herrscht, zeigt eine andere Reaktion. Im Gegensatz zu seinem Parteikollegen Gantzer stufte nämlich der SPD-Landtagskandidat für den Stimmkreis München-Land-Süd, Thomas Wiedemann aus Brunnthal, die Südring-freundliche Abstimmung als "bedauerlich" ein. "Der Schaden, den ein Autobahnring in den südlichen Münchner Naherholungsgebieten anrichten würde, steht in keinem Verhältnis zu der geringfügigen und zweifelhaften Entlastung des Münchner Nordostens", so Wiedemann. Jetzt komme es darauf an, "den Widerstand gegen den Südring zu bündeln". Wiedemann begrüßte entsprechende Initiativen über Partei- und Gemeindegrenzen hinweg.

Enttäuscht vom Landtags-Votum zeigte sich auch der eingangs zitierte Karl Hofmann aus Deisenhofen. Der Südring-Gegner beklagte, dass die Politiker "keine Eigenverantwortung" gezeigt hätten, denn das "Ja" zur bis zu 400 000 Euro teuren Machbarkeitsstudie sei "eine Vergeudung von Steuergeldern". Immer wieder geäußerte Pläne von einer unterirdischen Autobahn erachtet Hofmann zudem als "Todesstoß für die Trinkwasserversorgung der ganzen Region".

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