Grüne warnen vor Korrosionsschäden am Reaktor Garching - TU sieht kein Risiko

Garching - Die Garchinger Stadträtin Ingrid Wundrak von der Bürgerinitiative „Bürger gegen Atomreaktor Garching" und die Grünen im Landtag werfen der TU München (TUM) vor, jahrelang Sicherheitsprobleme am Forschungsreaktor Garching (FRM II) vertuscht zu haben. Die TU weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

Ingrid Wundrak, der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann und Karin Wurzbacher vom Umweltinstitut München e.V. sprachen gestern von Korrosionsschäden seit der Inbetriebnahme 2004. Das stützen sie auf ein Gutachten des Bundesanstalt für Materialforschung aus dem Jahr 2006. Die farbigen Ablagerungen an den Wänden des Reaktorbeckens werden unterschiedlich beurteilt. Die Grünen und Diplom-Physikerin Karin Wurzbacher sehen darin klare Rostbildungen, deren Ursache bis heute nicht geklärt sei. Zudem verstärke sich das Korrosionsverhalten immer weiter. Die TU München dagegen spricht von Ablagerungen, die auch in Reinstwasser-Anlagen der pharmazeutischen Industrie vorkämen. „Wir bleiben beim Begriff Ablagerungen“, sagt Dr. Ulrich Marsch, Pressesprecher der TU München.

Die Grünen sprechen von einer Vertuschung der Probleme. „Die TU München leugnet immer und verniedlicht Probleme“, sagte Wundrak. Zudem dürfe es nicht sein, dass die TUM Sicherheitsfragen rund um die eigene Anlage selbst beantworte. Wundrak holte zur Generalabrechnung aus, schmähte den Forschungsreaktor als „Rostlaube“, die leitenden TUM-Mitarbeiter seien „Hasardeure, denen die Sicherheit egal ist“. Der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann war sichtlich überrascht bei Wundraks harten Worten und wollte den Hasardeure-Ausspruch in dieser Heftigkeit nicht unterschreiben. Hartmann betonte, dass Korrosionsprobleme in Garching „keinen Gau mit gravierenden Folgen produzieren, aber das Problem und damit die Schwachstelle des Reaktors wird nicht in den Griff bekommen“.

Unterdessen forderten Karin Wurzbacher und Ludwig Wörner, der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, dass der seit Oktober zu Wartungsarbeiten herunter gefahrene Reaktor so lange nicht hochgefahren werden dürfe, bis die Problemursache gefunden sei.

Die Leitung des Forschungsreaktors legte gestern eine Stellungnahme des TÜV vor, der die Beläge an den Beckenwänden als unbedenklich einstuft. Diese Stellungnahme basiert aus fünf Gutachten, die seit 2006 erstellt wurden. Dr. Anton Kastenmüller sagte dem Grünen-Abgeordneten Hartmann die Zusendung der Dokumente zu. Das bayerische Umweltministerium als Aufsichtsbehörde für den Forschungsreaktor reagierte knapp: „Der Vorwurf der Grünen ist unrichtig.“

Karin Wurzbacher erklärte, dass im Falle eines Unfalls am Forschungsreaktor in einem Umkreis von fünf bis zehn Kilometern eine leicht erhöhte Strahlung auftreten könnte, die noch unter dem Grenzwert liegen könne. „So etwas wie in Fukushima kann in Garching nicht passieren“, sagt die Vertreterin des Umweltinstitutes München, „aber auch dieser Reaktor muss sicher betrieben werden.“ Sie warnte, dass eine höhere Strahlungsdosis auch innerhalb der Toleranzgrenzen das Krebsrisiko für die Menschen erhöhe.

nb

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