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Franz Hölzl in der Grünwalder Stubn.

Traditionskonditorei

Café Fischer macht zu

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Grünwald - In drei Jahren würde das familiengeführte Café Fischer in Grünwald 100-jähriges Bestehen feiern. Aber der Zeitgeist macht einen Strich durch die Rechnung. Inhaber Franz Hölzl (61) will das Anwesen für die nächsten 20 Jahre fit machen. Die Konditorei schließt am 30. September, ein italienisches Restaurant wird noch vor Weihnachten eröffnen.

Über ein halbes Jahrhundert lang wirkte das Café Fischer als Publikumsmagnet. Es liegt an der Trambahn-Endhaltestelle, und die Münchner stellten sich bereits in den 1920er Jahren am Wochenende die einschlägige Frage: „Fahr’ ma zum Fischer naus nach Greawoid?“ Wirtenapoleon Richard Süßmeier, der in Grünwald wohnt, ist selbst als Bub mit seiner Mama zum Derbolfinger Platz gefahren, um im „Café Fischer“ seine Tante zu besuchen, die hier als Kaffeeköchin beschäftigt war. Sie bediente die „Karlsbader Kaffeemaschine“, und viele Dutzend Gäste machten es sich zur Unterhaltungsmusik unterm Sonnenschirm gemütlich. Süßmeier: „Wenn die Trambahn an der Endhaltestelle um die Kurve bog, dann spielte im Café eine Konzertkapelle auf, um auf sich aufmerksam zu machen.“ Die Sommerfrischler, die sonntags hier ankamen, waren fein herausgeputzt. 

Der große Exponent der frühen Tage hieß Engelbert Fischer. Seine originelle ägyptischen Sahnetorten genossen laut Grünwalder Chronik eine derart guten Ruf, dass er sogar an den schwedischen Königshof gerufen wurde, zu den Festbanketts nach Stockholm. In der nächsten Generation tritt das gediegen Mondäne etwas zurück zugunsten des amerikanischen Lifestyles. Als Konzert- und Tanzcafé beginnt das Haus seine zweite Karriere. Die Münchner Kaffeehäuser sind nach dem Zweiten Weltkrieg allesamt zerbombt, und in Grünwald etabliert sich die populäre gepflegte Jazzkultur, später kommt der Rock’n Roll hinzu. Nicht wenige junge Burschen lernen in dem Grünwalder Café beim Tanzen ihre Liebste kennen und werden sich heute noch an die Musikkapellen erinnern, die flotten Big-Band-Sound von Glenn Miller spielten. „Damals war es noch ein richtiges Bauerndorf, “ erzählt Franz Hölzl. Als sich die Gemeinde zum Villenort mausert, ändert sich sich die Kundschaft grundlegend, bis die Isartalgemeinde von einst gar nicht mehr zu erkennen ist. 

Bedienung Mira Arsenjevic arbeitet seit 22 Jahren im Café und kennt sie alle, die Kessler-Zwillinge, die hier vorüberlaufen, zur Massage oder zum Einkaufen gehen. Die Schauspieler früherer Generationen wie Uschi Glas kamen hierher mit ihren Kindern. Fritz Wepper hatte seinen Stammplatz im Café. Senta Berger fuhr mit dem Fahrrad hierher, Iris Berben ließ sich regelmäßig blicken. Und Sänger Abi Ofarim, der hat sich in den vergangenen Jahren nach Meinung von Mira Arsenjevic äußerlich kaum verändert. „Dem sieht man die Jahre fast gar nicht an.“ Nicht so beim Café Fischer, das in seiner rustikalen Einrichtung mittlerweile aus der Zeit gefallen wirkt mit seinen ausladenden Eichenholztischen und Eckbänken in der Grünwalder Stube, dick bepolstert mit Streifenmustern. „Da hat viel Platz, um seine Zeitung auszubreiten und das Frühstück zu sich zu nehmen“, sagt Franz Hölzl. Die wertvolle Kassettendecke in barockbäuerlichem Stil hat der Schlierseer Maler Max Wimmer Anfang der 1970er Jahre geschaffen. Sie passt gut zum Florentiner Keramikboden. Beides muss leider raus. Immerhin, die Kassettendecke wird nicht entsorgt, sondern aufbewahrt. 

Vielleicht war die Bavaria Filmgesellschaft gerade wegen der Nostalgie der Kulisse erpicht darauf, hier etliche Filmszenen zu drehen, die letzte für die ARD-Serie „Um Himmels Willen“. Aber selbst die Ordensschwestern vom Kloster Kaltental können die Veränderung und den Umbau in ein italienisches Restaurant (unter Leitung von des Augsburger Gastronomen Massimo Strollo) nicht verhindern. Der Vorteil: eine enge Verzahnung mit dem Hotel Hölzl und seinen 77 Betten im gleichen Haus, das Sohn Ferdinand (28) leitet. Die vierte Generation ist am Zug. Franz Hölzl: „Ich muss an die Zukunft denken.“

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