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Vor zwei Jahren: Die frisch gebackenen Verbundpartner (v.l.) Wolfgang Geisinger (Geothermie Unterhaching), Wolfgang Panzer (Unterhachings Bürgermeister), Jan Neusiedl (Grünwalds Bürgermeister) und Andreas Lederle (Geothermie Grünwald) sehen der Zukunft optimistisch entgegen. Doch nicht alle Träume reiften.

Geothermie Grünwald

Mit dem Gold kommt das Pech aus der Tiefe

Grünwald - Zunächst hört es sich an wie eine reine Erfolgsstory: Die Pumpen am Geothermiekraftwerk in Laufzorn arbeiten, Strom wird produziert: Alle Komponenten sind erstmals in Betrieb. Doch im Grünwalder Gemeinderat war in der Weihnachtssitzung von Zufriedenheit keine Spur, als der Wirtschaftsplan der Erdwärme Grünwald (EWG) vorgestellt wurde.

Grünwald – Es ist eine Zahl wie aus dem Märchenbuch: Über 180 Millionen Euro investiert die Gemeinde Grünwald in das Laufzorner Geothermieprojekt. Ziel ist die Versorgungssicherheit der eigenen Bürger und saubere Luft. Gelebte Nachhaltigkeit im Sinne der Pariser Klimakonferenz auf kommunaler Ebene. Alles schön und gut. 

Aber in der Sitzung machte sich in den kleinen Fraktionen der SPD/FDP/Grünen und PBG großer Unmut breit, weil die finanziellen und technischen Risiken des Projekts in den vergangenen Jahren durch die Berater falsch eingeschätzt worden seien. Nicht nur das Preisdumping bei den fossilen Energieträgern auf dem Weltmarkt macht dem Geothermie-Unternehmen finanziell zu schaffen. EWG-Geschäftsführer Andreas Lederle sorgte bereits zu Anfang für Ernüchterung. Die Pumpe ist zwar in der Lage, auf Hochtouren zu laufen, aber ein sanfter und zurückhaltender Umgang empfiehlt sich momentan als die bessere Wahl. „Wir sollten nicht bis an die Leistungsgrenze gehen“, riet Lederle. Also, statt 140 Litern pro Sekunde werden nur 120 Liter gefördert. Schließlich habe es in den vergangenen Jahren bei den umliegende Geothermieprojekten 20 Pumpenschläge gegeben. 

Das System ist anfällig. Grund ist zum einen die extreme Hitze in 4000 Metern Tiefe. Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU): „Das müssen Sie sich vorstellen. 140 bis 150 Grad heißes Wasser kühlt da unten die Pumpe.“ Überdies schaden Bestandteile im Thermalwasser den Leitungen. Aus Vorsicht wird daher in Laufzorn ein schonender Betrieb gefahren, der allerdings auch zu Mindereinnahmen führt. Das Plus (vor Investitionen) beträgt heuer rund zwei Millionen Euro. Oliver Schmidt (PBG) findet das herzlich wenig. Die Zurückhaltung der Pumpe sei für die Technik eine schöne Sache, „gleichzeitig schmelzen die Einnahmen aber nun einmal weg“. 

Altbürgermeister Hubertus Lindner (PBG) plädierte dafür, der Realität ins Auge zu schauen und damit aufzuhören, sämtliche Kosten für das Geothermieprojekt abschreiben zu wollen, was nach seiner Ansicht unmöglich ist. Sein Vorschlag, mit dem sich Thomas Bühler (CSU) gerne anfreundete: 100 Millionen Euro herauszunehmen und als allgemeine Infrastrukturmaßnahme zu verbuchen. Ziel ist es trotz allem, in den kommenden Jahren die maximale Auslastung sämtlicher Komponenten anzustreben. 

Der Wärmeverbundpartner Unterhaching hat damit jede Menge Schwierigkeiten. Gleich mehrmals in diesem Jahr musste die Förderung still gelegt werden. Anfang des Jahres war ein Sammeltank falsch befüllt worden, weshalb bis April gar nichts mehr ging. In diesem Fall wird die Versicherung herhalten. Außerdem brachte die Verkalkung des Systems den Betrieb zum Stehen, die chemische Reinigung mit anfallenden Redundanzkosten betragen regelmäßig 200 000 Euro im Jahr. In der Zwischenzeit wird Fernwärme aus Grünwald in die Unterhachinger Haushalte geleitet. Zum allem Überfluss gab die Unterhachinger Pumpe vor der Zeit ihren Geist auf, nämlich jetzt, im Dezember. Sie sollte bis nächstes Jahr halten. Auch das Heizwerk muss verbessert werden, die Apparaturen leiden unter der großen Hitze.

Alles in allem entstand ein vorläufiges Defizit von 1,2 Millionen Euro – die Hälfte übernimmt die Gemeinde Unterhaching, die andere schultert Grünwald mit einem Kredit. Diese Hiobsbotschaften brachten die Grünwalder Gemeinderäte in Rage, die vor Zeiten gegen einen Wärmeverbund mit Unterhaching gestimmt hatten und ihre Prophezeiungen jetzt erfüllt sahen. Ingrid Reinhart-Meier (Grüne): „Es wurde schön geredet. Wir waren dagegen wegen den Schwierigkeiten des Kalina-Systems.“ Und Achim Zeppenfeld (SPD) warnte davor, dass die technischen Probleme in absehbarer Zeit nicht in den Griff zu bekommen seien. Michael Ritz (FDP) wetterte: „Das Geld, das wir reingesteckt haben, ist futsch.“ 

Das sehen Erdwärme-Geschäftsführer Andreas Lederle und sein Unterhachinger Kollege Wolfgang Geisinger ganz anders. Letzterer antwortete auf die Kritik: „Wir haben gesehen, wo die Probleme liegen und wollen auf die Spur kommen, die wir besprochen haben.“ Gemeinsam mit den Experten von Bosch habe man das Problem eingekreist. Einen Hoffnungsschimmer sieht Geisinger darin, dass die Stadt München 15 Geothermieprojekte angreift. Die Technik wird infolgedessen verbessert werden, die Hersteller dürften laut Geisinger daran stark interessiert sein. Das überzeugte nicht jeden: Mit neun Gegenstimmen wurde der Beteiligungsplan befürwortet und die Kreditgabe beschlossen.

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