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Kurz das Stäbchen rein: Der Aufwand für die potenziellen Spender bei der Aktion in der Grünwalder Römerschanz ist gering.
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In der Sporthalle in Oberschleißheim lassen sich 1500 Menschen typisieren.
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Turnhalle in Oberschleißheim.
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Geben Autogramme: Sven Ulreich und Thiago Alcántara vom FC Bayern.

2700 Menschen haben sich in Grünwald und Oberschleißheim typisieren lassen

Suche nach dem genetischen Zwilling

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Sie kämpfen um ihr Leben und Tausende Menschen haben sie dabei unterstützt: Friedrich (14) aus Oberschleißheim und Julia Gasser (33) aus Grünwald haben Blutkrebs (wir berichteten). Am Wochenende fand für beide eine Typisierungsaktion in ihren Heimatorten statt.

Grünwald/Oberschleißheim – In Oberschleißheim organisierte man ein Benefizkonzert für den Teenager, und in Grünwald erschienen Prominente, damit sich potenzielle Knochenmarkspender finden. Während Friedrich schwer krank in der Schwabinger Kinderklinik liegt, rollen vor der Jahnhalle in Oberschleißheim hunderte Autos an. In der Sporthalle stellten sich die Menschen entlang eines rot-weißen Absperrbandes auf. Sie sind genau dort, wo Friedrich bis zu seiner Krebsdiagnose im August 2017 als Handballer trainierte. Friedrichs Papa Christian steht am Ende des Absperrbandes und zeigt den Menschen, wo sie Platz nehmen dürfen: Auf dem Hallen-Spielfeld stehen rund 30 Holztische für die Wangenschleimhautabstriche.

Lesen Sie auch: Eintragen in die DKMS-Spenderkartei: Mit einer großen Typisierungsaktion in Hohenlinden, soll Julias (14) Leben gerettet werden. Das Mädchen ist an Leukämie erkrankt.

Insgesamt 1532 Menschen haben sich am Samstag für Friedrich typisieren lassen. Nach der Aktion wird im Labor geprüft, ob das Zellmaterial aus dem Mundraum zu Friedrichs Genmaterial passt. Seine Eltern und beide Brüder wurden als Stammzellspender ausgeschlossen. Doch die Oberschleißheimer Familie gibt nicht auf und hält zusammen: Bei der Typisierungsaktion hilft einer von Friedrichs Brüdern als Parklotse mit, der andere erklärt den möglichen Stammzellspendern, wie sie bei den Wangenschleimhautabstrichen vorgehen müssen.

Auch Handballer-Papa Martin Thalmeier (46) aus Hackermoos sitzt als Helfer an einem der Tische, seine Tochter ist mit Friedrich in die Schule gegangen. Er erklärt: „Drei Stäbchen braucht man, mit denen man etwa eine Minute im Mundraum rumfährt, dann hat man genügend Zellmaterial.“ Neben Friedrichs Vereinskollegen vom TSV Schleißheim helfen bei der Typisierungsaktion auch Freunde und Bekannte vom Carl-Orff-Gymnasium (COG) mit, auf das Friedrich noch bis vergangenen November ging. Kinder und Jugendliche vom COG und aus dem Handballverein haben im Vorhinein auch Flyer für die Aktion verteilt.

Sabine Schellenberg, Freundin von Friedrichs Familie und Jugendteam-Beauftragte des TSV, erzählt: „Es helfen circa 100 Leute mit, allein 54 sitzen an den Tischen.“ Außerdem fährt die Feuerwehr Oberschleißheim mit Feuerwehrauto und Lautsprecher durch Ober- und Unterschleißheim mit der Ansage: „Lass dich heute in der Jahnhalle für Friedrich typisieren, das kostet nur wenige Minuten, aber rettet womöglich Leben.“

Zeitgleich zur Typisierungsaktion findet in der Trinitatiskirche – nur wenige hundert Meter von der Sporthalle entfernt – ein Benefizkonzert statt. In der Kirche wurde Friedrich im vergangenen Mai konfirmiert. Pfarrerin Martina Buck sagt: „Musik kann Traurigkeit, Fassungslosigkeit, aber auch Freude und Leben pur ausdrücken. Und das ist es, was wir Friedrich von Herzen wünschen.“ Rund 300 Besucher und Musiker kommen in die voll besetzte Kirche, auch Friedrichs Mitschüler stehen auf der Bühne, mit dem Orchester des Carl-Orff-Gymnasiums und dem COG-Chor, der sich extra für das Konzert zusammengefunden hatte. Die Spenden gehen an die Familie.

Den Jungen Friedrich und Julia Gasser aus Grünwald verbindet eine ähnliche Krankheit. Die zweifache Mama bekam im vergangenen November die Diagnose, dass sie eine aggressive Leukämie hat - auch Friedrich erfuhr zu dieser Zeit, dass sein Tumor zurück ist. Während der Typisierungsaktion in der Grünwalder Römerschanz ist Julia Gasser daheim, erzählt ihr Ehemann Manuel Gasser (39): „Es ist einfach zu gefährlich für sie unter so viele Leute zu gehen. Da könnte sie sich Keime einfangen.“ Sogar die Keime ihrer zweijährigen Zwillinge Matteo und David sind eine Gefahr: „Sie hatten vor kurzem eine Magen-Darm-Grippe und mussten deswegen zu den Großeltern ausgelagert werden“, sagt Papa Manuel: „Auch Kuscheln mit der Mama geht zur Zeit einfach nicht.“

Heute, am Montag, muss sie wieder zur Chemotherapie in die Klinik. Für die junge Familie ist die Situation eine große Belastung, doch die Unterstützung ihrer Verwandten und aus der Gemeinde gibt ihnen Kraft: „Allein, dass bei der Typisierungsaktion 100 freiwillige Helfer dabei waren und 160 Kuchen gebacken wurden, ist Wahnsinn“, sagt Manuel Gasser.

Außerdem laufen Film- und Sportstars auf, um potenzielle Knochenmarkspender zu finden: Schauspieler Christian Tramitz, die FC Bayern-Stars Thiago Alcántara und Sven Ulreich sowie Ex-Kicker Miroslav Klose geben in der Römerschanz Autogramme. „Das Bürgerhaus war durchgehend gut besucht“, sagt Mitorganistatorin Carolin Seibert. Sie leitet die Kinderkrippe, die Julia Gassers Zwillinge besuchen und ergänzt: „Insgesamt haben sich 1153 Menschen für Julia typisieren lassen.“ Außerdem werden bei der Tombola signierte FC-Bayern-Trikots, Restaurantgutscheine und Spielsachen verlost.

Der Erlös aus Tombola und Kuchenverkauf: 7826,50 Euro. Manuel Gasser nimmt die Spende am Samstag gerührt entgegen und bedankt sich bei den Helfern, dem Organisationsteam um Isabella Kirkitadse, Carolin Seibert, Kerstin Minov, Nadja Neuner, Jasmin Weinzierl und Nicole Rotter und den Sponsoren, die die Typisierungsaktion möglich gemacht haben.

Zum Abschluss stehen Kinder des Ballettzentrums „Jugend aktiv“ neben Moderator Christian Tramitz auf der Bühne. Sie singen Lieder wie „Freude und Hoffnung für die Welt“ oder „Möge die Straße uns zusammen führen“, die für Julia Gasser umgeschrieben wurden.

Auf der Bühne übergibt Bürgermeister Jan Neusiedl einen Scheck in Höhe von 8000 Euro an Miriam Hernandez-Blazquez von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), denn jede Typisierung kostet 35 Euro. Am Ende der beiden Typisierungsaktionen bleibt die Hoffnung: Dass sich in den nächsten Wochen passende Spender für Julia und Friedrich finden.

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