Erst ab November soll es im August-Everding-Saal wieder Konzerte geben, für 70 Minuten ohne Pause. Foto: Marc Schreib
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Erst ab November soll es im August-Everding-Saal wieder Konzerte geben, für 70 Minuten ohne Pause. Foto: Marc Schreib

Grünwald erarbeitet Hygienekonzept für August-Everding-Saal

Grünes Licht für Konzerte - Besser spät als nie

Die Lüftungsanlage im August-Everding-Saal hat alle Voraussetzungen, die für ein Konzert in der Pandemie nötig sind. Für eine rasche Umsetzung und den baldmöglichen Beginn braucht es nur noch den Willen im Rathaus.

Grünwald – Die weitere Vorgehensweise bei Kulturveranstaltungen in der Zeit der Corona-Pandemie, damit hatte es jetzt der Kulturausschuss zu tun (wir berichteten). Die Mitglieder hatten sich vor den Sommerferien einstimmig dazu entschieden, die Auftritte im Kultursaal für September abzusagen. Wie dargestellt, werden erst ab November wieder Klassik-Konzerte im August-Everding-Saal stattfinden – bei einer Belegung von maximal 99 Personen bei einer Dauer von 70 Minuten ohne Pause.

Der repräsentative Saal ist in Hygienesicht nicht einfach zu beurteilen, auch wegen der abfallenden Bestuhlung, erklärte Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) im Kulturausschuss. Ein Hauptthema war die Belüftung. Es musste geklärt werden, um welche Anlage es sich handelt und ob sie in dem fensterlosen Raum so betrieben werden kann, dass Aerosole mit möglichen Viren effizient abgesaugt werden können.

Die Verwaltung stellte nun das Schutz- und Hygienekonzept für die Monate Oktober bis Dezember vor. Oktober ist allerdings obsolet, da in diesem Monat nichts stattfinden wird. Peter Klessinger von der Bautechnik informierte über den Status Quo der Lüftungsfrage. Er hat bereits mit Planungsbüros und Lüftungsfirmen gesprochen, was in einen Sieben-Punkte-Katalog mündete. Zu beachten ist laut Bautechnik, dass die moderne Bestandsbelüftung durchlaufen muss, angefangen eine Stunde vor der Veranstaltung bis eine Stunde nach deren Ende. Klessinger: „Ganz wichtig sind 100 Prozent Frischluftbetrieb.“

Die Anlage wird einmal pro Jahr gewartet und ist in einem sehr guten Zustand. Ab sofort muss sie bei jeder Veranstaltung unter Vollauslastung fahren, auch wenn ein Geräusch und vielleicht auch ein Luftzug den Komfort beim Konzert ein wenig beeinträchtigen könnten. Oliver Schmidt (PBG) wollte wissen, ob es bei einer solchen Menge an Austausch im Saal nicht eiskalt wird, wie also die Wärme gleichbleibend gehalten werden kann. Das regelt ein Wärmetauscher, eine warme Abluft kommt nicht dazu, wie der Bürgermeister erklärte. Durch den starken Austausch könne es allerdings zu einem spürbaren Zug kommen. Aber, so Neusiedl: „Einen Tod wird man sterben müssen.“

Sitze wurden nachgemessen

Zweite Baustelle: Abstand. Der Hausmeister hat mit seinem Team die Plätze im Saal extra noch einmal nachgemessen und festgestellt, dass zwei Sitze 1,16 Meter auseinander liegen. Etwas zu kurz, weswegen immer ein Sitz freibleiben muss, sagte Hauptamtsleiter Tobias Dietz. Mit eingebunden in das Konzept sei auch Regine Müller gewesen („als Veranstaltungsleiterin, so nenne ich das jetzt mal“). Gemeinsam habe man die Situation im Saal eruiert und sei auf maximal 99 Plätze gekommen. Eine Garderobe ist nicht vorgesehen. Mäntel müssen mit in den Saal genommen werden. Große Taschen sind nicht erlaubt. Tobias Dietz: „Das haben wir uns vom Gasteig und der Staatsoper abgeschaut.“

Warum nicht auf Angela Zahn gehört?

Apropos Gasteig und Staatsoper: Ingrid Reinhart-Maier (Grüne) zeigte sich nicht erbaut davon, dass der Kulturausschuss in der vorherigen Sitzung nicht bereits auf die Hinweise von Angela Zahn (FDP) eingegangen war. Diese ist nicht nur Juristin, sondern organisiert auch Konzerte, jüngst für den Herkulessaal. Eine Expertin in den eigenen Reihen. Und sie habe bereits vor den Sommerferien eine ähnliche Belegung der Plätze vorausgesagt und mit einem Konzeptentwurf verbunden, der jetzt auch nicht anders aussehe. Aber damals habe man es im Ausschuss als vollkommen unmöglich dargestellt, sei von einer Belegung von 37 Personen im August-Everding-Saal mit seinen über 300 Plätzen ausgegangen. Reihart-Maier: „Ich hatte den Eindruck, man wollte damals, dass nichts geht.“ Und dann sei man unter Druck gekommen, weil alle anderen Gemeinden etwas bieten – spätestens ab Oktober.

Bürgermeister Neusiedl wies die Vorwürfe scharf zurück. Die Verwaltung habe einen Beschluss umgesetzt, die Herausforderung sei beträchtlich. Jetzt habe man ein Konzept wie bestellt: „Und wir wollen am Ende doch alle im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, dass die Kultur wieder starten kann.“ Auf der Webseite der Gemeinde ist noch nichts angekündigt.

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