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Das neue Wohnhaus für fünf Mieteinheiten (Grundstück in Orange umrandet) wird nahe der Südlichen Münchner Straße gebaut. Die Trambahn ist nicht weit weg. 

Barrierefreiheit oder Familienfreundlichkeit

Aufzug versus Kinderzimmer: Grünwald im Wohnungsbau-Dilemma

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Zum jüngsten Wohnungsbau-Projekt der Gemeinde Grünwald sind die Meinungen geteilt: Die einen fordern mehr Barrierefreiheit, die anderen sehen die Familienfreundlichkeit in Gefahr.

Grünwald– Als einen Präzedenzfall hat Gemeinderat Helmut Kraus (PBG), seines Zeichens Architekt, den künftigen Neubau mit fünf Wohnungen an der Wilhelm-Keim-Straße in Grünwald betrachtet. Er hält die Barrierefreiheit für „nicht befriedigend gelöst“. Damit traf Kraus einen wunden Punkt, wie sich in der nachfolgenden Debatte herausstellte.

Eigentlich will Grünwald in allen Belangen als Klassenprimus unter den Gemeinden hervorgehen. In puncto Nachhaltigkeit beim Gebäudeerhalt, bei der Ressourcengewinnung mit Geothermie. Die Gemeinde möchte als familienfreundlich gelten, was sich am kommunalen Erziehungsgeld ablesen lässt. Und natürlich wird auch die Barrierefreiheit groß geschrieben, wie Gerhard Sedlmair (CSU) zu Recht hervorhob und als Beispiel im Gemeinderat das Haus der Begegnung anführte. Bei dem Gebäude in der Wilhelm-Keim-Straße allerdings, das die Gemeinde für finanziell schwächere Mitglieder der Gemeinde plant, gibt es einen Konflikt: Familienfreundlichkeit versus Barrierefreiheit – im künftigen Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage, Erdgeschoss, 1. Stock und Dachwohnung.

Das beauftragte Architekturbüro hatte bereits ein Vorgängermodell ganz in der Nähe verwirklicht. Die Planer übernahmen im Großen und Ganzen das Konzept und stellten die Entwurfsplanung vor. Mit einem gravierenden Manko: Helmut Kraus war aufgefallen, dass im Referenzobjekt die Barrierefreiheit nicht gegeben sei und damit der Bayerischen Bauordnung widerspreche.

Wie das? – Zwar sind die beiden Wohnungen im Erdgeschoss behindertengerecht zugänglich. Die Crux: Von der Tiefgarage mit ihren zehn Stellplätzen gibt es keine Rampe nach oben, nur Treppen. Genauso hätte unter Umständen der Zwillingsneubau ausgesehen, wenn Kraus seinen Einwand in der Sitzung nicht geltend gemacht hätte. Deshalb diskutierte das Gremium, ob nicht ein Aufzug von der Tiefgarage bis ins Dachgeschoss das Problem ohne großen finanziellen Aufwand beheben könnte. Er würde etwa vier Quadratmeter Platz brauchen, mehr als 50 000 Euro koste ein einfaches Modell auch nicht. Auch die Wartungskosten von 1500 Euro im Jahr seien zu verkraften.

Allerdings, so argumentierte Christina Schwesinger: „Es fallen drei Kinderzimmer weg.“ Überdies habe sich die Hausgemeinschaft im Vorgängerbau gegen einen Aufzug und für mehr Quadratmeter ausgesprochen. Zugunsten der Barrierefreiheit sei auch ein oberirdischer Parkplatz denkbar.

Achim Zeppenfeld (SPD) störte sich an der Aufbereitung. Er hätte sich zwei Entwurfsplanungen gewünscht – mit Aufzug sowie mit Stellplätzen und geänderter Tiefgaragengröße. Wie Bauamtsleiter Stefan Rothörl erklärte, hätte das dem Auftrag an das Architekturbüro widersprochen. Es habe günstigere Planungsbedingungen angeboten, weil es den Zwillingsbau als Vorlage nutzte.

Trotzdem ist die Alternative mit dem Aufzug nicht vom Tisch. Der Bauausschuss wird sich mit der Frage befassen, ob ein solcher Eingriff in die Gebäudeplanung sinnvoll ist. Eines, da sind sich alle einig, will man nicht: Dass man als familienfreundliche Gemeinde drei Kinderzimmer für einen Aufzug streichen muss.

Nach momentanem Stand betragen die Baukosten 3,3 Millionen Euro. Mit dem Bau soll im Juni nächsten Jahres begonnen werden, mit der Fertigstellung ist im August des darauffolgenden Jahres zu rechnen.

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