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Bürgermeister-Wahl Grünwald: Tennisspielerin macht den ersten Aufschlag

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Von: Marc Schreib

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Sandra Gutheil will in Grünwald als Bürgermeisterin für Aufbruchsstimmung sorgen.
Sandra Gutheil will in Grünwald als Bürgermeisterin für Aufbruchsstimmung sorgen. © privat

Die Parteifreien Bürger Grünwalds haben als erste Gruppierung in der Isartalgemeinde die Katze aus dem Sack gelassen.

Grünwald – Sie stellen mit Sandra Gutheil (47) die erste Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl im nächsten Jahr auf. Als Vorsitzende der Tennisfreunde Grünwald seit einem Jahr ist sie in der Gemeinde bereits öffentlich in Erscheinung getreten. Im ZDF war sie wegen ihrer Familiengeschichte in einer Dokumentation zu sehen.

Liberal-konservatives Profil

Der Vorsitzende der PBG, Dietmar Jobst, hatte Sandra Gutheil als Kandidatin gleich im Auge, und seine Mission ist von Erfolg gekrönt. Sie will sich zur Wahl stellen. Das Motto laute diesmal, sich nicht gegen etwas zu positionieren (zum Beispiel gegen den noch zu nominierenden CSU-Kandidaten), sondern sich für die Bedürfnisse und Wünsche der Grünwalder mit Herzblut einzusetzen. Politisch verortet sich die 47-Jährige im liberal-konservativen Feld, eben in der PBG.

15 Jahre lebt Sandra Gutheil mit ihrem Mann Christian Geigle in Grünwald und beide haben sich längst eingelebt, ihre Kinder sind elf und 13 Jahre und gehen aufs Gymnasium am Ort. Eine Familiengeschichte in Glück und Wohlstand. Aber weit entfernt von Sattheit: „In den letzten Jahren habe ich erkannt, dass in Grünwald die Zeit reif ist für frischen Wind und neues Denken zum Wohle aller Bürger“, sagt Gutheil. Ihre erste Amtshandlung im Rathaus: Sie würde alle Mitarbeiter gerne in einer Teamsitzung kennenlernen und versuchen, einen jeden in seinem Bereich zu motivieren und zu stärken. Über ihre politischen Projekte möchte sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sprechen. Die PBG hat vor, sich in den nächsten Monaten zu positionieren und damit nach außen zu treten.

Als blinde Passagierin der DDR entkommen

Ein Ausschnitt der Lebensgeschichte von Sandra Gutheil ist so spannend, dass das ZDF sie in ihrer Dokumentation „Mielke und die Freiheit“ 2005 verfilmte. Wer sich ein Bild machen will, kann die Doku bei Youtube ansehen. Das junge Mädchen lebe damals mit neun Jahren im thüringischen Suhl, als ihre Eltern sie nachts wecken, um mit ihr aus dem DDR-Unrechtsstaat zu fliehen – via Danzig geht es versteckt auf einem Segelschiff über die Ostsee nach Karlskrona in Schweden. Die See ist unruhig, ein Sturm rührt das Wasser auf, mit 13 Meter hohen Wellen. Die Flucht mit dem Boot gelingt trotz der Widrigkeiten. Sandra Gutheil: „Wir hatten nichts außer unserem nackten Leben, mein Vater noch die 100 000 Westmark Schulden für die Schleuser.“

Sie betreut die weltweiten Top-Tennisspieler

Nach diesem dunklen Punkt in der Lebensgeschichte ging es steil bergauf mit den Gutheils vor der Alpenkulisse in Brannenburg am Wendelstein, wo Sandra Gutheil aufwuchs, viel sportelte und sich zur Physiotherapeutin ausbilden ließ. Als erste Frau überhaupt betreute sie als leitende Physiotherapeutin 15 Jahre lang von 2001 bis 2016 die Spieler bei den BMW Open, einem Herrenweltranglisten-Tennisturnier in München. Florian Mayer zum Beispiel betreut sie, seit er zwölf Jahre alt ist; aber auch Tommy Haas oder Roger Federer. Nur Rafael Nadal fehlt im Album der Tennisprofis („Ich bin ein ganz großer Fan von ihm“).

Von den physiotherapeutschen Konzepten der 47-Jährigen profitieren aber nicht nur Tennisspieler, sondern auch Normalbürger. Hier hat sie eine Firma gegründet für betriebliches Gesundheitsmanagement, wodurch „zahlreiche Grünwalder erschlanken“. Am Ferienprogramm der Gemeinde ist sie als Vorsitzende der Tennisfreunde stark eingebunden: Es finden heuer acht einwöchige Ganztagskurse auf den Plätzen des TC Württembergische in Furth statt. Sollte Sandra Gutheil im Rathaus einziehen, dürfte es eine ausgemachte Sache sein, dass dem Tennissport für Vereinsfreunde in Grünwald ein höherer Stellenwert als bislang eingeräumt wird.

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