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Ein Grünwalder gibt das Hanf frei

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Von: Max Wochinger

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Eine Hanfpflanze in der Blüte: Mit medizinischen Cannabis will Bathera Apotheken beliefern.
Eine Hanfpflanze in der Blüte: Mit medizinischen Cannabis will Bathera Apotheken beliefern. © Sebastian Kahnert/dpa

Christian Graggaber aus Grünwald hat eine Vision: Er will mit seinem Start-up Bathera medizinisches Cannabis in Spitzenqualität herstellen. Dafür errichtet er derzeit eine 9000-Quadratmeter-Anlage in Portugal. Der Unternehmer zieht ein Millionen-Projekt auf.

Grünwald – Früher war Christian Graggaber strikt gegen Cannabis. Gras war ihm vor allem als Einstiegsdroge bekannt. Jetzt baut er eine Produktionsanlage auf, die später zehn Tonnen Marihuanablüten abwerfen soll. „Ich habe meine Meinung komplett geändert“, sagt Graggaber, 42. Der Unternehmer hatte zwei Dinge herausgefunden: Cannabis wird erfolgreich in der Medizin eingesetzt, und mit dem Medikament lässt sich viel Geld verdienen. Zusammen mit einem Freund gründete er deshalb 2018 in Grünwald das Start-up Bathera – zunächst als Cannabishandel.

Hanfunternehmer Graggaber: „Es gibt aber kein gutes medizinisches Cannabis am Markt“

Seit 2017 können Ärzte in Deutschland Medizinalcannabis an Patienten verschreiben. Der Markt dafür boomt, Deutschland gilt als das größte Absatzgebiet in Europa. „Es gibt aber kein gutes medizinisches Cannabis am Markt“, sagt Hanfunternehmer Graggaber. Die Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Reproduzierbarkeit von Medizinalcannabis sind hoch, schließlich handelt es sich um ein Medikament. „Da geht noch mehr“, dachte sich der gebürtige Österreicher. So entstand die Idee: Wir bauen selbst Hanf an.

Bald Hanfbauer: Christian Graggaber baut für 15 Millionen Euro eine Produktionsanlage in Portugal.
Bald Hanfbauer: Christian Graggaber baut für 15 Millionen Euro eine Produktionsanlage in Portugal. © Robert Brouczek

Der Vorteil einer Eigenproduktion, neben der Kontrolle über Anbau und Qualität, ist für die Unternehmer ein wirtschaftlicher: „Wir nehmen so die ganze Wertschöpfung mit“, sagt Graggaber. Mit einer eigenen Anlage sei zudem die Versorgung mit dem Produkt gesichert. Laut seiner Aussage ist Bathera der einzige Cannabishändler, der diesen Weg geht und selbst Medizinalhanf anbaut.

Portugal ein guter Ort für den Hanfanbau

Im Juli 2021 war Baustart für die 9000-Quadratmeter-Anlage in Portugal; allein auf 6000 Quadratmeter soll „indoor“, also im Innenraum, Hanf angebaut werden. Die Produktionshalle entsteht eine halbe Autostunde von Portugals Hauptstadt Lissabon entfernt. In der Region gebe es qualifizierte Fachkräfte, erklärt Graggaber. Auch regulatorisch sei Portugal ein guter Ort für den Hanfanbau. Schon Anfang kommenden Jahres sollen die ersten Cannabisprodukte am Markt erhältlich sein. Später will Bathera zehn Tonnen im Jahr herstellen – es ist eine ungeheure Menge an Medizinalcannabis. Die Blüten sollen nicht nur in Deutschland verkauft werden, sondern auch an Apotheken in Israel, Australien und England gehen.

Mit DNA-Tests sollen künftige Patienten herausfinden, wie ihr Körper auf eine Cannabis-Therapie reagiert.
Mit DNA-Tests sollen künftige Patienten herausfinden, wie ihr Körper auf eine Cannabis-Therapie reagiert. © Robert Brouczek

15 Millionen Euro hat Bathera in die Anlage gesteckt

Von der Idee bis zum fertigen Medikament ist es aber ein langer Weg – und ein teurer. 15 Millionen Euro hat Bathera in die Anlage gesteckt, finanziert auch durch zwei Investoren. Um das richtige Konzept für die Cannabisfarm zu finden, ist Graggaber nach Kanada, Portugal und Mazedonien gereist: 50 Anlagen hat er sich dabei angesehen, mit Hunderten Experten gesprochen. Allein nach der richtigen Pflanzensorte, die später angebaut werden soll, sucht Bathera schon seit einem Jahr. Das Ziel hat der Unternehmer aus Grünwald klar vor Augen: eine „saubere Blüte“ für Patienten produzieren.

Quereinsteiger Christian Graggaber hat sich früher mit internationalen Start-ups der Tech-Branche beschäftigt, nicht aber mit Fotosynthese – er musste sich plötzlich mit Botanik und Pflanzenzüchtern auseinandersetzen. „Ich hatte nie mit Pflanzen zu tun“, sagt er. „Es ist wahnsinnig viel Arbeit.“

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