Sandra Gutheil hat auch beruflich viel um die Ohren. privat
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Sandra Gutheil hat auch beruflich viel um die Ohren. privat

Helmut Kraus folgt für die PBG nach

Sandra Gutheil gibt ihr Mandat ab

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Wer ihren Aufschlag beim Tennis gesehen hat, der hat eine Ahnung von der Power einer Sandra Gutheil (48). Ihr soeben vollzogener Rückzug aus dem Gemeinderat war daher eine Überraschung.

Grünwald - Nachfolger für die PBG ist Helmut Kraus, im Grünwalder Gemeinderat kein Unbekannter. Vor 13 Jahren kandidierte er als Bürgermeisterkandidat. Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) hat ihn mehrmals vereidigt. Der erste Nachrücker, Dietmar Jobst, wollte das Mandat nicht annehmen. Vor einem Jahr, als Sandra Gutheil als Bürgermeisterkandidatin antrat und sich für den Gemeinderat bewarb, war die Situation eine andere. Sie hätte nie gedacht, erklärte sie im Hubertus-Lindner-Saal, dass ein Virus das private und berufliche Leben völlig durcheinanderwirbeln könnte.

Seit knapp zwölf Monaten kämpft die Grünwalderin in ihrer Praxis für Physiotherapie mit Hygieneverordnungen, auch mit Schichtarbeit. Sie hat drei Mitarbeiterinnen, und das Problem besteht darin, dass nicht zu viele Patienten gleichzeitig in die Praxis dürfen. Behandelt werden nach Möglichkeit alle, die einer Krankengymnastik bedürfen, aber die Räume sind unter Coronabedingungen vergleichsweise klein, das Personal begrenzt. Vorher konnte sich Sandra Gutheil die Schichten aussuchen, um rechtzeitig zu den Kindern nach Hause zu kommen. Das hat sich grundlegend geändert.

Zuhause ist ebenfalls alles anders. Ihre beiden Kinder, Ella (15) und Adrian (13), befinden sich mit kurzen Ausnahmen seit fast einem Jahr im Homeschooling. Die Schule gibt ihr Bestes, um die Bildung voranzutreiben, aber die Betreuung verbleibt bei den Eltern. Das heißt, sie halten sich beinahe durchgehend zu Hause auf und möchten auch gerne bekocht werden. Sonst konnte man sie in den Sportunterricht schicken. „Die Mama puffert im Moment das Meiste ab, emotionale Schwankungen in der Pubertät, unausgeglichene Stimmungen ebenso.“

Auch die ältere Generation ruft. Ihre Mutter ist mit 85 Jahren pflegebedürftig geworden, der Vater herzkrank. Schon ohne Corona war es nicht leicht, Hilfe zu organisieren, und die Tochter setzt sich so oft wie möglich ins Auto, um zu ihren Eltern nach Brannenburg zu fahren und zu versorgen. Auch für mich hat der Tag leider nur 24 Stunden. Sie will sich den Aufgaben, die ihr anvertraut sind, bestmöglich widmen. Im Moment liegt die Priorität bei der Familie.

Aber sie will nicht klagen, denn „in Grünwald leben wir auf der Insel der Glückseligen“. Um selbst ein den Kopf frei zu bekommen, geht die 48-Jährige gerne an die frische Luft, raus zum Laufen. Auch mit dem Fahrrad ist sie unterwegs und lässt sich nicht unterkriegen. „Ich versuche immer das Beste draus zu machen.“ Dem Gemeinderat wünscht sie zum Abschluss „wohltemperierte Entscheidungen für unser gemeinsames schönes Grünwald“.

Bürgermeister Neusiedl überreichte ihr eine Chronik der Gemeinde und ein Weinpräsent. Zuvor hatte er die Verabschiedung mit den Worten kommentiert: „Es war eine kurze Zeit, aber jetzt ist sie vorbei. Man wird sich sicher noch das ein oder andere Mal über den Weg laufen, Sie bleiben ja Grünwalder Bürgerin.“

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