Gemeinderätin Christine Paeschke (CSU) und Bürgermeister Jan Neusiedl Verabschiedung. Paeschke zieht nach Niedersachsen.
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Mit Präsent und Foto: Bürgermeister Jan Neusiedl überreicht Christine Paeschke ein Bild vom Strandkorb. Der wird ihr zugeschickt.

Christine Paeschke verabschiedet

Ehemalige Bayerische Meisterin im Eisschnelllauf zieht zur Nordsee

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Nicht nur die Gemeinderäte waren überrascht, auch Christine Paeschke selbst. Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) wollte sie noch vor Weihnachten offiziell verabschieden und ihr für ihr Wirken in Grünwald danken.

Im Februar wird die verdiente Grünwalderin nach Ostfriesland ziehen. Sie will ihren Lebenstraum auf einem Reiterhof wahr werden lassen. Über 30 Jahre saß sie im Grünwalder Gemeinderat, fast zwei Jahrzehnte war sie Vorsitzende des TSV.

Im Sport – nicht nur in Grünwald – ist Christine Paeschke eine bekannte Größe. Die Bayerische Meisterin im Eisschnelllauf trainierte in Jugendjahren auf dem Frillensee in Inzell. Verheiratet war sie mit dem zweimaligen Olympiasieger im Eisschnelllauf Erhard Keller, den sie beim Sport kennengelernt hatte. Er holte sich die erste Goldmedaille 1968. Schon sehr früh, mit 16 Jahren, kam die talentierte Sportlerin nach Grünwald. Der Vater wollte sich hier niederlassen, und die Tochter ging im Angerkloster in München aufs Gymnasium. Zum Training fuhr sie weiter nach Inzell am Wochenende oder in den Ferien auch länger. Erst einige Zeit später wurden die Stadien in Inzell und im Münchner Westpark gebaut.

Am Puls der aufstrebenden Gemeinde

In der Zwischenzeit wuchs ihr Grünwald ans Herz. Als Elternbeirätin im Kindergarten und in der Grundschule war sie ganz nah am Puls der aufstrebenden Gemeinde. Neben ihrem Beruf als Anästhesistin plus Familie hatte sie nicht mehr allzu Zeit übrig. Zumal sie nach 25 Jahren noch einmal umsattelte und sich der Psychotherapie widmete. Im Wohnhaus an der Nibelungenstraße richtete sie sich ihre Praxis ein und kümmerte sich 18 Jahre lang um ihre Patienten. Auch ihre Ausbildungszeit in der Anästhesie im Krankenhaus Harlaching behält sie in schöner Erinnerung. „Das war damals ein gutes Haus.“

Beim Umzug in den hohen Norden kommt ihr die Coronakrise übrigens nicht in die Quere, denn umziehen ist auch in der Pandemie erlaubt. In Niedersachsen wird sie gemeinsam mit ihrer Tochter und dem Enkel in einem Landhaus wohnen – auf einem Grundstück mit Wald, Teich sowie mit Koppeln für vier Pferde. „Nur für uns alleine, wir werden mit den Pferden kein Geschäft betreiben.“ Der Umzug hin zum neuen Lebensmittelpunkt läuft bereits auf Hochtouren.

Landleben mit Pferden schon immer ein Traum

Das Landleben mit Pferden war schon immer der Traum von Christine Paeschke, auch die Tochter träumte davon, aber wegen der Kassenzulassung war die Familie gebunden. „In Oberbayern gab es nichts, was preislich halbwegs erschwinglich gewesen wäre, und der Bayerische Wald war nicht nach ihrem Geschmack. Der Entschluss folgte schließlich recht spontan nach einer Recherche der Tochter im Internet. Die beiden fanden genau das Stück Land, das auf sie wie zugeschnitten erschien. Nicht weit weg vom Meer, rund 15 Minuten ist die Nordsee entfernt. Die Kulisse entschädigt für das fehlende Alpenpanorama. Für die Grünwalderin wird es trotzdem ein Sprung ins kalte Wasser: „Ich war noch nicht einmal im Urlaub da oben.“

Über 30 Jahre im Gemeinderat

Über 30 Jahre hat Christine Paeschke im Grünwalder Gemeinderat wichtige Projekte mit angeschoben, zuerst für die Parteifreien unter Bürgermeister Hubertus Lindner, anschließend nach einem Zerwürfnis mit der eigenen Fraktion für die CSU unter Bürgermeister Neusiedl. Zwei Amtsperioden bekleidete siedas Amt der Dritten Bürgermeisterin. Persönlich lag es ihr am Herzen, dass der TSV auch im neu gebauten Gymnasium die Möglichkeit hat, die Außenflächen und die Halle als Sportstätte zu nutzen. Aber auch Gesundheitsthemen spielten für sie eine große Rolle. Vormals wollte sie die Bekämpfung des Fuchsbandwurms unterstützen. Sie war treibende Kraft einer Beköderung, denn es gab in Bayern viele Fälle der Erkrankung, auch mit tödlichen Ausgängen. Außerdem wollte sie Anfang der 2000er Jahre den Mobilfunk einhegen. Heute kommt sie zu dem Schluss: „Das war illusorisch.“ Aber immerhin hat sie durchgesetzt, dass innerorts keine großen Masten aufgestellt werden. Die Entwicklung mit 5G aktuell sieht sie nicht positiv. „Es ist eine Strahlenbelastung, und sie kommen ihr heute nicht mehr aus.“ Das Höher, Schneller, Weiter mag im sinnvoll sein und im Wettbewerb, in der Technologie aber nicht unbedingt um jeden Preis.

Bitte mehr Harmonie im Gremium

Auch den Elektroautos steht die heute 73-Jährige skeptisch gegenüber. Sie haben bei Auslieferung einen Co2-Rucksack von 140 000 Kilometern auf dem Buckel im Gegensatz zum Verbrenner. „Dann brauchen Sie ungeheuer viel Strom, der irgendwoher kommen muss, und die Entsorgung ist auch spannend.“ Das werde wohl bald politisch in Grünwald eine Rolle spielen.

Aber Christine Paeschke wird bei den Entscheidungen nicht mehr dabei sein. Ihren Kollegen gab sie im Gemeinderat mit auf dem Weg, etwas mehr Harmonie walten zu lassen und die Töne nicht so aggressiv anzustimmen. „Uns geht es allen so gut in Grünwald. Wir sollten das mehr schätzen und nicht andauernd das Haar in der Suppe suchen. Bleiben Sie gesund. Danke für alles.“ Christine Paeschke bekommt von der Gemeinde einen Strandkorb geschenkt und direkt an ihre neue Adresse in Niedersachsen geliefert.

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