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Johann Resch ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Nachruf

Ein Leben für die soziale Gerechtigkeit

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Er stand für eine Epoche des Aufbaus und einen kontinuierlich verbesserten sozialen Wohlstand. Genau dafür hat sich Johann Resch ein Leben lang eingesetzt – ob als SPD-Gemeinderat, beim VdK, beim Roten Kreuz, bei der Nachbarschaftshilfe und bei der Arbeiterwohlfahrt. Jetzt ist der ehemalige Dritte Bürgermeister im Alter von 91 Jahren in Grünwald gestorben.

Grünwald – Als Johann Resch sieben Jahre alt ist, verunglückt sein Vater tödlich. Der Bub wird in die Ichoschule in Giesing eingeschult. Sein später erlerntes Schneiderhandwerk muss er wegen einer Kriegsverletzung aufgeben. Er arbeitet zunächst für die Amerikaner als Filmvorführer im Harlachinger Luna-Kino, wo er über den damaligen technischen Leiter der Bild- und Tonabteilung, August Tauschek, Kontakte zur Bavaria knüpft.

Sein langjähriger Freund Rolf Seebauer, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter ist froh, dass er Johann Resch hat kennenlernen dürfen: „Er war sehr ruhig und humorvoll, konnte auch stundenlang zuhören. Nur wenn ihm etwas gegen seinen Gerechtigkeitssinn ging, dann ist er regelrecht grantig geworden.“ Und wenn die markige Stimme eines Johann Resch mit dem vollmundigen Volumen des damaligen Bürgermeisters Hubertus Lindner zusammenstieß, klang es, wie wenn zwei stolze Hirschgeweihe über dem Waldboden von Wörnbrunn aufeinanderrumpeln. Einfach unwiederbringlich. An Respekt ließen sie es dabei doch nie fehlen. Und auch wenn sich die damalige Mehrheitspartei der PBG naturgemäß durchsetzte, blieb Johann Resch hartnäckig und seinem sozialen Gewissen treu. Unter anderem zwölf Jahre als Dritter Bürgermeister. Für seine vielen Tätigkeiten bekam er das Bundesverdienstkreuz.

Er war nicht zufällig viele Jahre Betriebsratsvorsitzender der Bavaria. In den 1950er und 1960er Jahren eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen, hat die Filmgesellschaft den Namen Studio Geiselgasteig in die Welt hinausgetragen: Filme mit O.W. Fischer, Heinz Rühmann, Richard Burton Liz Taylor und vielen anderen. Dann kam die Zwischenphase bis zu den 1990er Jahre, als sich die gesamte Filmtechnik geändert hat. Vom Filmmaterial zu den digitalen Kameras. Und es gab da ein Kopierwerk mit Umweltproblemen. Das musste alles weg. Rolf Seebauer: „Dabei hat Johann Resch den technischen Fortschritt nicht behindert mit ,Das muss alles erhalten werden.‘“ Er hat mitgearbeitet, aber gleichzeitig die soziale Balance als Gewerkschafter und Betriebsrat im Auge gehabt, den Arbeitsplatzabbau und -aufbau begleitet und an den Tarifverträgen mitgezimmert. Damals hatte die Bavaria über 1000 Beschäftigte.

Im Kommunalpolitischen hatte er viel Sinn für Details, zum Beispiel am Friedhof. Wenn eine Gießkanne gefehlt hat oder wenn das Wasser zu früh abgestellt wurde. Wenn er vielleicht das Gefühl hatte, dass die Wege nicht genug gestreut waren. Johann Resch kümmerte sich. Das hat nach der Beobachtung von Seebauer dazu geführt, dass er sich überfordert hat. „Er war ja nicht nur im Gemeinderat und als Betriebsratsvorsitzender engagiert.“

Abseits vom Getriebe werkelte der Grünwalder gerne seinem Garten in der Bodenschneidstraße. Am Wochenende, vor allem im Winter, fuhr er in die Dolomiten. Dort hatte er eine kleine Wohnung und tankte Kraft: „Weißt du, wenn ich dann am Freitagnachmittag über’n Brenner weg bin. Das andere Licht die andere Luft. Dann lass’ ich das meiste hinter mir.“ 

Requiem ist heute um 13 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul, in Grünwald, später ist Beerdigung am Waldfriedhof.

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