Fotos als Erinnerung: 40 Jahre lang kannten sich die Ismaninger Wirtin Traudl Schmidramsl und Richard Süßmeier. Für sie war er ein wichtiger Wegbegleiter.
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Fotos als Erinnerung: 40 Jahre lang kannten sich die Ismaninger Wirtin Traudl Schmidramsl und Richard Süßmeier. Für sie war er ein wichtiger Wegbegleiter.

Der verstorbene Wirt Richard Süßmeier

Erinnerungen an den Wirte-Napoleon: „Er war mein Lehrmeister“

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Richard Süßmeier war ein Unikat, eine Wirte-Legende in und um München. Erinnerungen an einen Gastronomen, der sich mit Napoleon verglich und für keinen Scherz zu schade war.

Landkreis – Für Grünwald und den ganzen Landkreis München war der Wirt Richard Süßmeier ein Geschenk. Er starb jetzt in Alter von 90 Jahren an Herzversagen. Wer erinnert sich nicht voller Freude an die kleinen Scherze des großen Wirtes wie etwa diesen: „Kalorien sind Bakterien, die die Kleidung enger werden lassen.“ Mit solchen Stimmungsbeilagen, die er gerne im Forsthaus Wörnbrunn zum Besten gab, heiterte er einst seine Gäste in der Gaststube auf. Der ehemalige Wiesnwirte-Napoleon hatte unzählige davon im Köcher.

Altbürgermeister Hubertus Lindner, der 2015 starb, sagte einst über seinen Kollegen im Grünwalder Gemeinderat: „Er ging erst weiter zum nächsten Tisch, wenn man spätestens beim zweiten Witz herzlich auflachte.“ Dazu gab es dann für die Geburtstagsgäste eine Tasse, einen Krug oder ein Glas mit einem Bildchen von Süßmeier als frechen Napoleon – die rechte Hand in der Uniform.

„Ich habe mich gleich als Grünwalder gefühlt“

So kannte man Lebemann Richard Süßmeier: mit Zigarre und dem Titel „Napoleon der Wirte“.

Es waren die goldenen Jahre des Forsthauses Wörnbrunn, als Richard Süßmeier in den 1980er Jahren das Heft in die Hand nahm. Er selbst kommentierte gegenüber dem Münchner Merkur: „Ja, damals hat alles noch zusammengepasst. Wörnbrunn war ein unbebauter Acker, und man konnte sich entfalten.“ Durch sein Los als Wiesnwirt und sein Münchner Lokal Spöckmeier hatte er Verbindungen zu allen Kreisen. In Grünwald ließ sich er sich in den Gemeinderat hineinwählen. „Ich habe mich gleich als Grünwalder gefühlt, denn ich wurde gut aufgenommen.“

Süßmeier war für jeden als Wirt da, nicht nur für ein paar bestimmte Großkopferte. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich in der Gastronomie, wo es durchaus Karrieristen gibt, die ihre Stammgäste von früher vergessen und nicht wiedererkennen, wenn sie vor ihnen stehen. Der Wirt war loyal zu seinen Gästen. Er hatte für den Münchner Merkur bei einem Interview eine Passage aus einem Shakespeare-Stück parat und zitierte Lady Macbeth: „Das reichste Mahl ist freudenleer, wenn nicht des Wirtes Zuspruch und Geschäftigkeit den Gästen zeigt, dass sie willkommen sind.“ Einer seiner Wahlsprüche, deren Inhalt ein jeder am eigenen Leib spürte, der sich von ihm bewirten lassen durfte. Süßmeier: „Ich wollte einen Wirt machen, in Wörnbrunn habe ich mir das erfüllen können.“

Beim Theater etwas übernommen

Eine zweite Vorliebe hatte Richard Süßmeier für die Geschichte, nicht nur für die napoleonischen Feldzüge. Den Vergleich mit Napoleon hat er übrigens dem Münchner Merkur zu verdanken. Ein Redakteur hatte die Verbindung zum französischen Kaiser geknüpft: „Gut dass es keine Nachkommen Napoleons gibt, die das hätten kritisieren können.“

Rappelvoll war es auch jedes Jahr beim Starkbieranstich, wenn der Grünwalder mit augenzwinkerndem Humor politisierte oder beim Faschingstheater, in dem er vor knapp einem Jahr noch mitspielte. Danach fühlte er sich schon nicht mehr so gut: „Ich habe mich beim Theaterspielen wohl etwas übernommen. Man gehört halt mit 90 Jahren nicht mehr zu den Spring ins Feld.“ Er sei aber dankbar, dass er so alt geworden sei. „Das ist auch ein Geschenk.“

Unendlich viel hat Wirtin Traudl Schmidramsl aus Ismaning dem Verstorbenen zu verdanken: „Wir kannten uns 40 Jahre, er war mein Lehrmeister.“ Bis zuletzt vor dem 90. Geburtstag waren sie im Gespräch miteinander. Als Schmidramsl als junge Frau in den Beruf hineingerauscht ist, hat sie den Meister seines Fachs schon bewundert: „Da war ich noch ein ganz kleines Licht in der Gastronomie.“ Richard Süßmeier stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Zum damaligen Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann, der sich einst im Forsthaus Wörnbrunn aufhielt, sagte er bündig: „Herr Minister, seien Sie mir nicht böse, aber ich bin heute Abend zum letzten Dreier bei einer ganz schneidigen Wirtin eingeladen.“ Und fuhr vondannen. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass Richard Süßmeier keine Unterschiede zwischen Rang und Namen machte, der Mensch stand im Vordergrund.

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