Der August-Everding-Saal in Grünwald
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Die Saison im August-Everding-Saal startet wegen Corona erst im November.

Turbulente Diskussion um Gagen und Verträge in Grünwald – Ab November wieder Konzerte

Frau Müller darf nicht unterschreiben

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Einen derart turbulenten Kulturausschuss hat die Gemeinde Grünwald noch nicht erlebt. Quintessenz: Das Verhältnis zwischen Kulturamt und Rathausspitze ist angeknackst.

Grünwald – In Grünwald werden ab November wieder Konzerte im August-Everding-Saal stattfinden können mit einer Kapazität bis 99 Personen. Die Verwaltung hat ein Hygienekonzept dazu erarbeitet (Bericht folgt). Diese Botschaft wird die Liebhaber der hochwertigen Grünwalder Konzerte und der Klassik-Plus-Reihe freuen. Das Klima zwischen Kulturamt und Rathausspitze scheint indessen äußerst angespannt zu sein.

Kulturamtsleiterin Regine Müller warf im Kulturausschuss Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) vor, in Bezug auf die Ausbezahlung der Gagen Unrichtiges zu sagen. Die Sitzung wurde immer turbulenter, bis Neusiedl die Glocke läuten musste, weil Ingrid Reinhart-Maier (Grüne) Thomas Lindbüchl (CSU) persönlich anging.

Gab es nun Gage oder nicht?

Die Künstler, die während des Lockdowns nicht auftreten konnten, haben die Hälfte der Gage bekommen. Das sagte Bürgermeister Neusiedl in der Sitzung. „Das stimmt nicht“, entgegnete Müller. „Wir haben für ein einziges Konzert eine Ausfallgage von 50 Prozent bezahlt. Für ein weiteres mit Bernhard Ullrich 60 Prozent. Die übrigen aber sind nicht bezahlt.“ Unter anderem ging Yulianna Avdeeva bislang leer aus. Bürgermeister Neusiedl sagte, da gebe es offenbar noch einiges zu klären. Man habe jedenfalls in einem Fall nach dem Lockdown, das Fauré-Quartett betreffend, eine Verschiebung angestrebt. Einen schriftlichen Vertrag gebe es nicht. Aber er sei gerne bereit, zu einer Lösung zu kommen. Allerdings habe der Kulturausschuss, beschlossen, dieses Konzert abzusagen. Geld könne also nur dann fließen, wenn der Bürgermeister dazu ermächtigt werde. „Sonst steht der Kommunale Prüfungsverband vor der Tür, und der Rechnungsprüfungsausschuss auch.“

Vertrag oder kein Vertrag?

Diese Erklärung reichte Ingrid Reinhart-Maier nicht. Sie argumentierte mit dem Kulturprogramm, in dem die Veranstaltungen des Jahres angekündigt sind und an die Öffentlichkeit weitergereicht werden. Nach ihrer Auffassung ist ein Vertrag zustande gekommen. Denn Regine Müller habe die Verhandlungen mit den Agenturen geführt, das Ergebnis dem Ausschuss vorgestellt und Zustimmung erhalten: „Da kann man doch nicht hergehen und sagen: ,Da ist kein Vertrag entstanden. ‘“

An was können sich die Künstler halten?

Doch, findet Hauptamtsleiter Tobias Dietz. Er redete von Innenverhältnissen, der alleinigen Befugnis des Bürgermeisters zur Vertragsunterzeichnung und von der Schwierigkeit, Steuergelder auszuzahlen, wenn keine Unterschrift vorliegt. Entscheidend ist aus Sicht der Rathausspitze, was schriftlich niedergelegt ist. Einhellige Rechtsmeinung scheint das nicht zu sein. Angela Zahn (FDP), selbst Juristin, ist der Ansicht: „Es gilt, was vereinbart wurde. Es sei denn, Frau Müller düfte so etwas niemals tun.“ Der Künstler müsse nicht wissen, wer in Grünwald unterschreiben darf.

Persönlicher Eklat

Im Sinne der Steuergelder sprach Thomas Lindbüchl. Er will den Geldbeutel nicht öffnen. „Wir können doch nicht einfach alles zahlen, nur weil der Künstler keine Möglichkeit hat, seine Leistung zu erbringen. Wenn ich als Gemeinde einem Künstler absage, wieso soll ich dem eine Gage zahlen?“ Prompt folgte Reinhart-Maiers Zwischenruf: „Es ist unerträglich, was Sie für einen Scheiß daherreden.“

Für diese Äußerung entschuldigte sie sich am Ende der Sitzung. Bürgermeister Neusiedl läutete die Sitzungsglocke, um Einhalt zu gebieten: „Ich war lange im Kulturausschuss, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Zuguterletzt wollte Regine Müller „zu ihrem eigenen Schutz“ eine Stellungnahme abgeben. In der Klassikbranche sei es üblich, dass die Verträge der Agenturen erst kurz vor dem Konzert kämen. „Bisher war das nie ein Thema.“ Auch nicht, dass die Vereinbarung nichts gelte. Auch nicht, dass ein Vertrag nur dann gelte, wenn er unterschrieben sei. Da sei sie völlig überrascht gewesen und halte dies für problematisch, weil die Künstler von anderen Bedingungen ausgingen.

Wie dem auch sei, der Kulturausschuss einigte sich, dass alle Künstler 50 Prozent der Gage erhalten, die während des Lockdowns nicht auftreten konnten. Alle anderen Künstler, die wegen Absage der Gemeinde nicht auftreten konnten, sollen auch die halbe Gage erhalten. Treten sie später auf, bekommen sie die andere Hälfte. Eine Lanze für die Kulturarbeit brach Oliver Schmidt (PBG) und verkündete: „Die Diskussion passt nicht zur hervorragenden Kulturarbeit von Frau Müller und der Gemeinde in den letzten 20 Jahren.“

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