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Großes Rätselraten bei den Vertretern von Verwaltungsgericht, Landratsamt und Gemeinde: Wie viel Quadratmeter wurden auf dem Villen-Grundstück tatsächlich versiegelt? Bis Oktober will die Bauherrin neue Pläne einreichen. 

Besuch vom Verwaltungsgericht

Alles zugepflastert: Grünwalder Villa-Besitzerin muss 180 Quadratmeter Steinplatten entfernen

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Mit den Steinplatten rund um ihre neue Villa hat es eine Grünwalderin deutlich übertrieben und sich über die von der Gemeinde genehmigte Versiegelung einfach hinweggesetzt. Das Ganze endete in einem Rechtsstreit. Nun bekam die Bauherrin Besuch vom Verwaltungsgericht. 

Grünwald – Patricia S. hat vor drei Jahren eine herrliche Villa im Toscana-Stil in der Von-Ranke-Straße in Grünwald gebaut. Von außen versagen ein mannshoher Zaun und hohe Büsche einen Blick auf die Pracht samt üppigem Außenpool. Dies verhinderte aber nicht, dass die Gemeinde bei der Überprüfung der Pläne bemerkte, dass die genehmigte versiegelte Fläche weit überschritten wurde und eine Anordnung auf Rückbau erließ. Dagegen legte die Bauherrin allerdings Einspruch ein.

Widersprüchliche Pläne und Unterlagen

Verwaltungsrichterin Cornelia Düring-Friedl hatte nun die Aufgabe beim Vor-Ort-Gerichtstermin herauszufinden, wie viel tatsächlich versiegelt wurde und welche Flächen davon wieder „entsiegelt“, also zu Rasen oder Beeten anstelle von Steinplatten oder Teer zurückgebaut werden müssen. Rechtsanwalt Michael Brey, der die Gemeinde Grünwald vertrat, stellte zunächst deutlich klar, dass sämtliche eingereichten Pläne, auch die am Tag der Augenscheinnahme und öffentlichen Sitzung am Grundstück präsentierten Unterlagen, unterschiedliche Zahlen bezüglich der Größe von Auffahrt, Rasenflächen und Garagengröße tragen. „Wir haben also absolut keine Ahnung, wie viel nun tatsächlich versiegelt ist und müssen das alles exakt neu messen lassen“, sagte Brey. Auf die Frage der Richterin, wer eigentlich die Maße während des Baus oder am Ende überprüft habe, denn dies sei doch üblich, konnte Brey allerdings keine Antwort geben. Offensichtlich hatten sich die Gemeinde und das Landratsamt als Behörden auf einander verlassen, dass es der andere schon geprüft hat.

Großzügigkeit der Gemeinde ausgenutzt

Nach einer Ortsbesichtigung rund um Haus und Grundstück waren sich alle Beteiligten darin einig, dass auf alle Fälle 144 Quadratmeter der versiegelten Auffahrt zur Garage zurück gebaut werden müssen. Richterin Düring-Friedl ließ sich auch nicht beirren vom Vorschlag der Hausbesitzerin, anstelle der bisherigen komplett geschlossenen, spezielle Steine zu verwenden, die das Wasser „problemlos versickern oder ablaufen“ lassen würden. Allerdings würde damit die insgesamt versiegelte Fläche noch größer werden. „Fakt ist, dass die Gemeinde Grünwald sowieso schon sehr großzügig ist mit der Überschreitung von Bebauungsplänen. Sie haben diese Großzügigkeit aber noch einmal deutlich überzogen, das ist einfach zu viel“, sagte sie.

Bauherrin hat gegen den Bescheid der Gemeinde geklagt

Die Bauherrin hätte eigentlich gerne eine Befreiung von der Einhaltung der versiegelten Fläche gehabt und hatte daher gegen den Bescheid der Gemeinde geklagt. Nach kurzer Beratung mit ihrem Anwalt stimmte sie dem Rückbau von 144 Quadratmetern in der Auffahrt zu. „Nun fehlen aber immer noch 37 Quadratmeter, die zu viel sind – was kann jetzt noch weg, auf was können Sie verzichten“, fragte die Richterin. Die Bauherrin betonte, dass sie auf keinen Fall ihren Pool wieder zuschütten will, auch wenn der mit 38 Quadratmetern genau der geforderten Fläche entspricht. Möglich wäre eventuell die Entfernung einer zweiten Terrasse oder auch die Entsiegelung von mehreren Wegen rund um das Haus.

Grünwalderin soll Kosten des Verfahrens tragen

Bis Oktober will die Bauherrin einen neuen Antrag bei der Gemeinde einreichen, der der maximal erlaubten versiegelten Fläche entsprechen soll. Die geforderte Befreiung soll es darin nicht mehr geben. Die Gemeinde stimmte dem allerdings nur unter den Aspekten zu, dass die Bauherrin die Kosten des Verfahrens trägt und dass man sich vorbehält, sämtliche Flächen noch einmal nachzumessen.

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