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Die sonnigen Zeiten, als das Forsthaus Wörnbrunn noch viele Gäste anlockte, sind vorbei. Die Wirtschaft bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen

„Für mich war pervers, was der gemacht hat“

Nur noch traurig! Der Niedergang einer Erfolgs-Wirtschaft

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Für weniger informierte Gäste wirkt der Niedergang der Erfolgs-Wirtschaft schon traurig genug. Aber wer die Hintergründe kennt, dürfte wohl noch betroffener sein.

Wörnbrunn– Wer das gastronomische Juwel, das Forsthaus Wörnbrunn, noch in Erinnerung hat, dem wird der gegenwärtige Anblick des Ausflugziels trostlos erscheinen. Wie berichtet, hatte das Pächterehepaar Tatjana und Klaus Rehklau Ende vergangenen Jahres das Handtuch geworfen. Seither befindet sich Wörnbrunn im Dornröschenschlaf, das Forsthaus ist geschlossen und wird es auch auf unbestimmte Zeit bleiben.

Im Pressegespräch mit dem Münchner Merkur erklärt Eigentümerin Eva-Maria Bartenschlager in einem Münchner Anwaltsbüro die Gründe. Sie drückt zunächst ihre tiefe Enttäuschung darüber aus, dass man ihre Pläne auf der Rodungsinsel von Anfang an durchkreuzt habe. Genauer der Gemeinderat durch seine Beschlüsse. Und, das sagt sie unverblümt: Bürgermeister Jan Neusiedl.

Die gebürtige Grünwalderin wollte in Wörnbrunn ihren Traum eines Pferdegestüts mit Country-Club und vielleicht auch Dressurreiten verwirklichen. „Eine schöne Immobilie aus einem Guss.“ Das hätte ihr gefallen. Zu diesem Zweck kaufte sie das Forsthaus und elf Hektar Land dazu. Die Baupläne waren schon angefertigt, konnten jedoch nicht umgesetzt werden. Die Gemeinde nutzte ihr Vorkaufsrecht, trat in den Kaufvertrag ein und schnappte der Grünwalder Tierärztin und Buchautorin die elf Hektar Land vor der Nase weg (wir berichteten). Übrig blieb als Rumpfstück das Wirtshaus. „Aber ein Wirtshaus allein wollte ich nie betreiben!“

Nach einer Veränderungssperre durfte sie 2013 den ersten Stock mit Hotelzimmern ausstatten. Schon Wirt Richard Süßmeier hatte hier Gästezimmer eingerichtet. Ein erfolgreicher Betrieb wurde aus ihrer Sicht jedoch dadurch behindert, dass bereits um 22 Uhr zugesperrt sein musste. Diese Regelung hatte der damalige Eigentümer des benachbarten Grundstücks, Paul Krächan, beim Landratsamt erwirken können. Zwischenzeitlich schaute sich die Eigentümerin anderswo um und erwarb ein Gestüt in der Schweiz. Hier kann sie als Pferdeliebhaberin ihren Traum leben. „Man breitete mir den roten Teppich aus und fragte mich, wie ich es mir vorstelle. Das bekam ich dann auch.“ Anders in Wörnbrunn.

Als im Zuge der Migrationskrise eine Flüchtlingsunterkunft auf der Rodungsinsel eingerichtet wurde, kam das Geschäft vollständig zum Erliegen. Kaum ein Gast verirrte sich mehr ins teuer renovierte Forsthaus, gerade zu der Zeit, als die letzten Pächter übernahmen. Bartenschlager erließ dem Wirt die Pacht fast vollständig. Der Betrieb des Forsthauses hatte sich zum Zuschussgeschäft entwickelt, Wörnbrunn sollte am Laufen gehalten werden. Um mehr Planungssicherheit zu haben, wollten die Rehklaus einen Zehn-Jahres-Vertrag abschließen. Aber diese Sicherheit konnte die Eigentümerin nicht garantieren.

Jetzt geht es für Bartenschlager darum, gute Konzepte für die Zukunft zu erarbeiten: „Der laufende Betrieb würde momentan mehr kosten als einbringen.“ Auf die Pacht ist die Investorin nicht angewiesen. Der Dornröschenschlaf, er dauert fort 

Ehemaliger Küchenchef spricht von „Schikane“

In der Blütezeit des Forsthauses Wörnbrunn war Andreas Geitl Koch auf der Rodungsinsel: von 1983 bis 1997 bei Richard Süßmeier, danach bis 2002 bei Hanns-Werner Glöckle. Anschließend wechselte der Oberhachinger zum Nockherberg. „Es war schon eine tolle Zeit.“ Vom ersten Tag an dabei, blutjung, als Richard Süßmeier ihn anrief und darum bat, als Küchenchef für ihn zu arbeiten. Geitl war zuvor im Parkhotel Hilton. 

hat fast 20 Jahre im Forsthaus Wörnbrunn gekocht. Er hat den Nachbarschaftsstreit damals miterlebt

Relativ schnell wurde eine große Anzahl von Gästen unterschiedlichster Art angelockt – von der Oma bis zum Enkel.0“ Wir hatten Taufen und Beerdigungen, und an einem Tisch saß auch die Großfamilie, was man heute nicht so häufig sieht.“ Das war der Schlüssel zum Erfolg in Wörnbrunn, dass man alle Leute angesprochen hat. Über allem thronte Wirt Richard Süßmeier als Patron. Die herzliche Art mit Scherzen versetzt, tat auch der Küchenmannschaft gut. Die Fluktuation war nicht sehr hoch. Serviert wurde eine gehobene bayerische Küche mit Raffinesse. Das Moderne zu kreieren, ohne das Traditionelle zu lassen. Das war es, was die Grünwalder wollten. Inzwischen arbeitet Andreas Geitl nicht mehr aktiv als Küchenchef und konzentriert sich ausschließlich auf sein Consulting-Unternehmen in der Münchner Gastronomie-Branche. Er bedauert den Niedergang Wörnbrunns. „Ja, so deutlich muss man es sagen.“ Einen Grund sieht er im Kräfte zehrenden Nachbarschaftsstreit mit Paul Krächan, der damals das Grundstück nebenan bewohnte. „Ich habe ihn live erlebt und ihn damals aus der Küche hinausgeschmissen, wobei ich eigentlich ein braver Kerl bin. Dass der Krächan sich quergestellt hat, ist die eine Sache. Dass er aber bei allen Behörden mit seinen Forderungen durchgekommen ist, das kann ich bis zum heutigen Tag nicht verstehen. Es war eine reine Schikane. Für mich war das pervers, was der gemacht hat.“ Man habe als Wirt ohnehin nur ein paar schöne Sommertage. Wenn man dann auch noch den Laden vorzeitig zumachen müsse, dann könne das ein Wirt nicht überleben. Wörnbrunn hat zum großen Teil von Veranstaltungen, von Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Partys gelebt. Es gab kein Wochenende, an dem der Stadl und auch die kleineren Stüberl nicht besetzt waren. Den ehemaligen Küchenchef bedauert die Entwicklung. „Es war die Geburtstunde meiner Laufbahn, ich habe ich fast 20 Jahre als Koch gearbeitet. So ganz wurscht ist mir das natürlich nicht.“

Hier hört ein Wirte-Ehepaar schweren Herzens auf.

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