Am Freitagabend fand im Münchner Nobelvorort Grünwald eine Demo unter dem Motto „Meet the Rich“ statt.
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Am Freitagabend fand im Münchner Nobelvorort Grünwald eine Demo unter dem Motto „Meet the Rich“ statt.

Protest-Zug nach 50 Metern gestoppt

Anti-Kapitalismus-Demo in Grünwald: Polizei hält Linke und Rechte auseinander

  • vonAndreas Sachse
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Linke Demonstranten hatten sich am Tag vor dem 1. Mai in Münchens Nobelvorort Grünwald für eine Demonstration versammelt. Weit kam der Protestzug allerdings nicht.

Grünwald - Die Demonstration am Vorabend des 1. Mai ist weitgehend friedlich verlaufen. Unter dem Motto „Meet the Rich“ waren gut 150 linke Aktivisten dem Ruf zur „großen Umverteilungsparade“ nach Grünwald gefolgt, der Heimat der Reichen und Schönen im Landkreis. Weil sich die Demonstranten nicht an Corona-Auflagen gehalten haben sollen, wurde aus der Parade durch ein Grünwalder Wohnquartier nichts. Die mit zwei Hundertschaften angereiste Polizei hielt den Zug am Marktplatz fest.

Demo in Grünwald: Polizei stellt sich auf Konfrontation ein

Auf den ersten Blick ließ die Veranstaltung nichts Gutes erwarten. Die überwiegend in Schwarz gewandeten, rote Fahnen schwenkenden Teilnehmer erinnerten an einen Aufmarsch von Autonomen. Nachdem eine Gruppe um Jurij Kofner eine Gegendemonstration nur einen Steinwurf entfernt im Luitpoldweg angekündigt hatte, traten die Ordnungshüter in Alarmbereitschaft an.

Den Münchner Merkur ließ der Leitende Polizeidirektor aus dem Polizeipräsidium München, Christian Weis, wissen, sich auf Eventualitäten eingestellt zu haben.: „Wir sind ausreichend stark, und wir sind vorbereitet.“ Im Vorfeld der Veranstaltung hatte Weis seine Leute die sozialen Medien nach etwaigen Auffälligkeiten durchforsten lassen. Alles im grünen Bereich!

Demo in Grünwald: Gegen-Demonstranten der Rechten schimpfen auf die Linken

Die Ordnungshüter sorgten dafür, dass sich beide Gruppen unmöglich begegnen konnten. Der Luitpoldweg war von beiden Seiten abgeriegelt. Die 17 Gegendemonstranten versicherten sich ihrer Parolen. Ein anscheinend extra aus Berlin angereister Redner prognostizierte Grünwald und dem Rest des Freistaats Berliner Verhältnisse: Jede Nacht würden Autos in der Hauptstadt von Linksradikalen in Brand gesteckt. „Die Polizei reagiert nicht mehr.“ Stattdessen würde der Senat Linksautonome alljährlich mit Millionenbeträgen sponsorn.

Der Demonstrationszug kam nicht weit, da die Abstände nicht eingehalten wurden.

Eine Stunde vor Beginn der Demonstration, die nach der Auftaktveranstaltung am Marktplatz westwärts über Josef-Sammer-, Kaiser-Ludwig-, Wörnbrunner- und Tobrukstraße zurück zum Ausgangspunkt führen sollte, begann es ordentlich zu regnen. Es war empfindlich kalt. Antikapitalistischen Protest wollten die Veranstalter dort auf die Straße zu bringen, „wo es am dringendsten nötig ist.“ In Grünwald ginge es den meisten Leuten noch gut, freute sich „Meet the Rich“-Sprecher, Elia Linde (22), auf den provokanten Zug durch Münchens Nobelviertel. „Pünktlich um sieben Uhr soll es aufhören zu regnen“, sagte der in München lebende Student und sandte einen flehentlichen Blick ins Firmament.

Demo in Grünwald: Demonstrations-Zug nach nur 50 Metern gestoppt

Als es dann losging, musste die Polizei den Zug wiederholt an die Auflagen erinnern: 1,50 Meter Abstand. Für Transparente galten drei Meter. Womöglich lag es an den Temperaturen, dass die Demonstranten trotz Ermahnungen auch der Veranstaltungsleitung derart dicht zusammenrückten. „Wir haben probiert, sie ziehen zu lassen“, sagt tags darauf Polizei-Sprecher Werner Kraus. Hat nicht geklappt. „Nach 50 Metern mussten wir den Zug stoppen.“ Gesundheit geht vor.

Dass Schaulustige, die die Demonstranten zudem verhöhnten, auf Masken verzichteten, brachte die Veranstaltungsleitung auf. „Querdenker, Rechte und das Kapital werden geschützt“, bekam auch Jan Neusiedl (CSU) sein Fett weg. Der Bürgermeister ging von einem „beträchtlichen Gewaltpotenzial“ aus, hätte die Demo am liebsten untersagt.

Demon in Grünwald: Nach Auflösung - Zusammenstöße mit der Polizei

Nachdem die Polizei die 17 Gegendemonstranten isoliert hatte, schien die Gefahr von Komplikationen ausgeräumt. Erst zum Ende der Veranstaltung gerieten sich Linke und Polizisten ins Gehege. Kraus zufolge sollten die Ordnungshüter für einen geordneten Abzug sorgen, ließen Demonstranten nur grüppchenweise durch ihre Reihen. Das schien nicht jedem zu schmecken.

Gegen 20.30 Uhr prallten die jeweiligen Frontlinien gegeneinander. Mit ein paar Metern Abstand bewegten sich die namenlosen Körper nahezu synchron, mal in die eine, dann in die andere Richtung; fast wie ein Tanz. Später sollen schwarz Gewandete mit roten Fahnen in Massen in die Straßenbahn gedrängt haben. Die Polizei griff ein. Kraus berichtet von vier Festnahmen wegen tätlichen Angriffs und Beleidigung sowie sechs Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz. Pfefferspray und Schlagstock wurden eingesetzt. (an)

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