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Was Kinder gerne lesen, muss Eltern nicht gefallen, findet Buchhändlerin Silvia Horn.

Darum sollten Kinder nicht zum Lesen gezwungen werden

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Zum dritten Mal hat sich die Buchhandlung von Silvia Horn in Grünwald für den deutschen Buchhandelspreis beworben. Der große ideelle Einsatz hat sich endlich gelohnt. Am 31. August reist die Inhaberin nach Hannover, um die Auszeichnung in Empfang zu nehmen, die rund 100 Buchhandlungen aus ganz Deutschland zuteil wird.

Grünwald– Als „vorbildliche geistige Tankstelle“ und vor allem aufgrund der intensiven Leseförderung für Kinder in Grünwald und in der Umgebung bekommt die Buchhandlung den Preis. „Wir haben uns als Schwerpunkt die Kinder- und Jugendförderung ausgesucht“, sagt Silvia Horn.

Zu den Kriterien gehört es, dass die Buchhandlung nicht nur Werke großer Verlage führt, sondern auch die kleinen unterstützt, die auf einen Platz in den Buchhandlungen angewiesen sind. „Wir kaufen noch persönlich ein und empfangen 40 Vertreter im Jahr.“ Was man angesichts der reichen Auswahl gar nicht glauben mag: Zwei Drittel des Sortiments im Laden sind auch wirklich gelesen. Wer ein Buch aus dem Regal zieht, darf also ziemlich sicher sein, dass im Team einer dabei ist, der es genau kennt.

Claudia Sperling setzt den Schwerpunkt im Kinder-und Jugendbereich. Silvia Horn: „Wenn Sie hereinkommen und für ein Mädchen etwas zum neunten Geburtstag suchen, hat sie bestimmt den passenden Tipp.“ Sperling ist zwei Monate im Jahr unterwegs und organisiert Ausstellungen in Kindergärten, Kitas, in Schulen in Grünwald, Straßlach und Deining. Sie kümmert sich den ganzen Tag. Mit dabei ist immer der Kasperl, eine Handpuppe, sehr beliebt bei den Kindern. Umgekehrt kommen die Kindergärtnerinnen noch vor Ladenbeginn auch zur Schlosspassage. Der Kasperl sperrt mit den Kindern den Laden auf, und die Kleinen bekommen eine Stunde lang mit, wie die Buchhandlung funktioniert. Silvia Horn: „Einmal haben wir den Räuber Hotzenplotz gespielt. Ich bin dann im Netz von den Kindern gefangen worden.“

Kindergärten, aber auch Schulen können sich angesichts des dynamischen Buchmarktes hier inspirieren lassen. Früher hat die Buchhandlung Lektürelisten von den Lehrern bekommen, Vorschläge, die zum Teil seit 20 Jahren von Lehrer zu Lehrer weitergereicht wurden. Damit ist heute Schluss. Schließlich ist der Kinderbuchmarkt heute so reich wie selten zu vor. Aber nicht nur quantitativ hat sich einiges verändert, der Aufbau der Bücher ist ein anderer, wie Silvia Horn erklärt. „Während früher ein Erich Kästner 20 Seiten in die Erzählung eingeführt hat, haben die Geschichten heute spätestens auf Seite zwei den ersten Spannungspunkt, um die Kinder bei der Stange zu halten.“ Diese Veränderung sei auch der Konkurrenz der vielen Medien geschuldet.

Die besondere Eigenart beim Buchverkauf in Grünwald: Die Eltern sind gebildet und leiden nicht unter finanziellen Schwierigkeiten. Das ist sehr positiv, aber es gibt auch Schattenseiten: „Uns stört der Zwang, der von einigen Eltern auf die Kinder ausgeübt wird. Dieses: ,Du musst lesen, damit deine Deutschnote besser wird.‘“ Aber mit dieser Forderung, die letztlich einer Verlängerung von Schulstress gleichkommt, gewinnt man nach Überzeugung von Silvia Horn keine jungen Leser hinzu. Das Thema, wofür sich die Kinder interessieren, muss die Eltern nicht unbedingt freuen. „Wenn wir einen Jungen nur mit Mindcraft kriegen, dann soll er das halt lesen. Hauptsache er liest.“ Gerade bei den Jungs müsse zunächst die Mechanik des Lesens geübt werden. „Bilder im Kopf entstehen erst, wenn man nicht mehr an den Wörtern kleben bleibt.“

Der Weg zum „echten Leser“ ist steinig, aber die Buchhandlung Horn hat eine Menge davon – nicht nur aus Grünwald. Sie kommen zum Teil von weit her. Das sind die Kunden, denen 400 Seiten schon fast zu wenig sind: „Sie finden sich rein in ein Buch und wollen es gar nicht mehr verlassen.“

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