+
Schon viele bekannte Gesicher hat Oswin Hennemann in der Römerschanz-Gaststätte kommen und gehen sehen. Er selbst hat mit Sterneköchen zusammengearbeitet und blickt auf ereignisreiche Jahre als Gastronom zurück.

25 Jahre Gaststätte Römerschanz

Legendäre Partys und prominente Gäste

  • schließen

Für Gaststätten ist Grünwald kein einfaches Pflaster. Die Ansprüche sind gehoben. Es fehlt an einem breiten, gemischten Publikum mit starkem Bezug zum Ort. Dass Marion und Oswin Hennemann die Gaststätte Römerschanz im Bürgerhaus seit 25 Jahren führen, ist für Grünwald ein Glück. Leicht ist es für die beiden keineswegs. 

Grünwald –  Am Tresen hält Marion Hennemann gerade mit Martina Rummenigge einen kleinen Plausch. Früher ist die Tochter von Uschi Glas im Kindesalter nach dem Ballettunterricht bei der Theke herumgesprungen.

Das Lokal liegt versteckt im Untergeschoss des Bürgerhauses. Von draußen ist es nicht einsehbar. Richtung Burg liegt die verträumte eingewachsene Terrasse, die in Richtung Isarauen und Burg zeigt. Man muss es kennen. Oswin Hennemann: „Viele in Grünwald, die schon lange hier leben, wissen bis heute nicht, dass es das Lokal gibt. Sie wohnen in Grünwald, die Adresse ist gut, aber leben nicht hier.“ Mittlerweile ist es so, sagt der gebürtige Oberpfälzer, dass viele, die er kannte, auf dem Waldfriedhof begraben liegen. Der Krieger- und Soldatenverein löst sich langsam auf, weil immer weniger da sind. „Wenn einer reinschaut und an der Bar einen Bekannten sitzen sieht, dann setzt er sich auch hin.“ Wenn einer fehlt, löst sich unter Umständen eine ganze Gruppe auf.

Eine sichere Bank im Jahr sind die rund 20 bis 30 Veranstaltungen. Darunter ist der Bürgerempfang im September vielleicht der bedeutendste. Beim ersten waren es noch 180 Gäste, die im Rathaus bewirtet wurden. Inzwischen sind es 450 geladene Gäste. Das Personal für die ausgewählten Tage zu finden, ist mühsam.

Schwierige Suche nach Personal

Am Anfang, vor 25 Jahren, gab es keinen Fachkräftemangel. „Da hat die Belegschaft von Starkoch Witzigmann noch hier am Sonntag mitgearbeitet.“ Köche und Kellner aus dem „Aubergine“. Oswin Hennemann arbeitete selbst als Küchenchef im Münchner Feinschmecker-Bistro „Terrine“ in der Amalienpassage. „Meine Speisenkarten habe ich eine Zeit lang bei Witzigmann im Tantris geschrieben.“ Der Küchenchef stand zehn Stunden am Herd, sechs Tage die Woche. „Wenn im August im ,Aubergine‘ Betriebsurlaub gemacht wurde, waren wir immer auf dem Tonband als Empfehlung, wo die Gourmets in der Zwischenzeit hingehen sollen.“

Heute arbeitet Oswin Hennemann noch sporadisch auf Vorbestellung in der gehobenen Küche. Fachkräfte sind inzwischen schwer zu finden. „Wir sind nicht auf dem Land, wo die Madln sich das Taschengeld hinzuverdienen.“ Vor Jahren schalteten die Hennemanns noch Annoncen. Vereinzelt kamen Rückmeldungen. „Aber wenn die dann merken, dass das mit Arbeit verbunden ist und man danach noch aufräumen und Besteck polieren muss, verlieren sie schnell die Lust.“

Früher standen die Promis selbst hinter der Theke

Früher hat Oswin Hennemann im Possenhofener Jachtclub mitgearbeitet im Team von Wiesnwirt Manfred Vollmer. Später mischte er im Bunuel von Schauspieler Peter Fricke in der Küche mit. „Es war jeden Tag rappelvoll die vier oder fünf Jahre, als ich dabei war. Wir hatten einen sagenhaften Champagner-Umsatz.“

Nach Feierabend schaute man zu Schauspieler Sepp Schauer, der wenige Meter entfernt unterm Alten Wirt in der Kellerschänke die Gäste bewirtete. Sie ist längst geschlossen. Die Promis lebten damals nicht nur in Grünwald, sie führten auch die Lokale. „Manchmal war ich mit Peter Fricke drüben, wenn wir ein bisschen früher fertig geworden sind. Er war hinter der Theke, wir davor.“

Ostern 1994 hat sich schließlich die Möglichkeit ergeben, die Gaststätte Römerschanz zu übernehmen. 25 Jahre ist das jetzt her. Eine lange Zeit, für die Bewirtung eines Bürgerhauses unüblich lange. Es ist nicht leicht, in einer solchen Lage Publikum zu gewinnen. Zumal: Die Burschen haben ihre Hütte, die Feuerwehr ihre Versammlungsstätte, der Sportverein sein Vereinsheim.

Gewürze und Speisen extra aus Afrika eingeflogen

Oswin Hennenmann kann sich jedoch an legendäre Partys in der Zeit erinnern. Die deutsch-marokkanische Gesellschaft hat hier einmal gefeiert. Sie ließ die Gewürze und Speisen extra aus Afrika einfliegen. „Sie hätten mit der Pfefferminze ganz München versorgen können“, erzählt Hennemann. Es wurde marokkanisch gekocht, und Bauchtänzerinnen gingen durch die Reihen. Der Raum wurde mit passender Kulisse ausgestattet und orientalisch dekoriert. 

Moshammers Leibgericht

Einer der illustren Gäste aus der Zeit: Rudolf Moshammer. Er hatte seine ganz speziellen Wünsche. Hennemann: „Man musste sich in ihn hineindenken können, was ganz gut geklappt hat.“ Hirn mit Ei zum Beispiel bestellte er gerne. „Ich selbst bringe so etwas nicht runter.“ Früher kam auch Bibi Johns mit Musiker Rob Pronk in die Gaststätte. Der Jazzer spielte Klavier. Ebenso wie Paul Kuhn, Max Greger senior und junior. Auch Bernhard Ullrich hat hier improvisiert, und Intendant August Everding hat hier auf dem Heimweg zur Burg verweilt, wo er jahrelang mit seiner Familie wohnte.

An den 60. Geburtstag von Altbürgermeister Hubertus Lindner kann sich Oswin Hennmann noch gut erinnern: Es wurde ein Bahnhof aufgebaut mit Kalbsbrust, danach ein Riesen-Dessert-Buffet. „Einen Kiosk mit Zeitungen haben wir hingestellt, Schampus ausgeschenkt.“ Lindner wusste, wie man feiert. „Es war familiär zu der Zeit.“ Viele mussten in der Zwischenzeit gehen, auch Heimatpfleger Hans Waldhauser, der kurz vor seinem Tod zum Ehrenbürger ernannt worden war. Zur Beerdigung hatte man sich die „Römerschanz“ ausgesucht.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gute Nachricht für Pendler: Baustelle auf der A99 wird abgebaut
Viele Pendler werden sich freuen: Der Ausbau der A99 zwischen dem Autobahnkreuz München-Nord und Aschheim/Ismaning ist fertig. Ab diesem Freitag rollt der Verkehr auf …
Gute Nachricht für Pendler: Baustelle auf der A99 wird abgebaut
Kommunalwahl 2020: ÖDP-Fraktion will wachsen
Die ÖDP in Unterschleißheim ist überzeugt: Mit ihren Themenschwerpunkten trifft sie den Zeitgeist. Die Partei hofft bei der Kommunalwahl 2020 auf mehr Sitze im Stadtrat.
Kommunalwahl 2020: ÖDP-Fraktion will wachsen
Haar lässt sein Theater nicht hängen und erhöht Zuschuss
Die Finanzlage der Gemeinde Haar ist zunehmend angespannt. Trotzdem unterstützt sie das Kleine Theater. Mit der Förderung sollte der Betrieb in den nächsten fünf Jahren …
Haar lässt sein Theater nicht hängen und erhöht Zuschuss
Zentrales Feuerwerk ein Rohrkrepierer: Unterhaching lehnt Grünen-Vorschlag ab
Um Müll, Feinstaub und Geld einzusparen, wollten die Unterhachinger Grünen, dass de Gemeinde an Silvester gemeinsam böllert. Daraus wird nun nichts.
Zentrales Feuerwerk ein Rohrkrepierer: Unterhaching lehnt Grünen-Vorschlag ab

Kommentare