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In unzählige Rollen schlpüft Gerhard Polt und ist dabei gewohnt witzig-hintergründig. 

Polt in Grünwald: Ein Jackett, hundert Rollen

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In Grünwald ist Gerhard Polt zur Höchstform aufgelaufen. Witzig, bissig, oft bitterböse analysiert er, blickt in Abgründe. Er gibt sich selbst nur wenige Sekunden Pause, nutzt den Applaus der vielen Zuschauer in der Alten Turnhalle, um in die nächste Rolle zu schlüpfen, die er dann so ausfüllt wie keiner sonst.

Grünwald – Wer ihn im Programm hat, braucht sich um den Absatz der Karten keine Sorgen zu machen. Kaum hatte vor einigen Wochen in Grünwald der Vorverkauf für Gerhard Polt und sein Programm „Im Abgang nachtragend“ begonnen, war er laut Kulturreferentin Regine Müller auch schon wieder vorbei Nach etwa 90 Minuten gab es kein einziges Ticket mehr.

Dabei konnten die Polt-Fans nicht online buchen, sondern mussten anstehen und durften pro Person nur vier Karten kaufen. In den Ebay-Kleinanzeigen versuchte einer noch kurz vor dem Auftritt, Profit zu schlagen und verlangte gleich drei mal so viel. 150 Euro für zwei Karten. Los geworden ist der dreiste Anbieter die Tickets offenbar nicht.

Das dürfte dem Großmeister des bayerischen Kabaretts gefallen. Wie sagt Polt bei seinem Auftritt noch gleich? „Der Mensch an sich is guat, nur die Leit san a Gsindl.“ Die rund 600 Zuschauer in der Alten Turnhalle jubeln.

Ein Mikrofon, ein Tisch, ein Stuhl, auf den er sich nie setzt. So minimalistisch die Bühne, so gewaltig der Auftritt, den der König aller Grantler hinlegt. Ganz ruhig steht er da, lächelt freundlich – „Seins mer ned bös’“ – um im nächsten Augenblick völlig auszurasten. Wegen des Nachbarn, des Künstlers, der sich erdreistet, 23 Paar Würstl zu grillen, obwohl man ihm in der Wohnanlage doch nur 17 Paar genehmigt habe. Als Schauspieler sei der ohnehin eine Null, schimpft der Nachbar. Im Bayerischen Fernsehen, bei „Dahoam is Dahoam“, „habe ich ihn noch kein einziges Mal gesehen“. Er selbst sei einer, der „immer hart am Leberkas segelt“. Während die anderen Schnitzel fressen.

Auch wenn er sich manchmal bei Auftritten einiger Requisiten bedient – ein Polt kommt auch ohne Verkleidung aus. Und so ist er – braune Cordhose, braunes Jackett – eben noch der Großvater, der den Enkel zum „lupenreinen Demokraten“ erzieht und wird in Nullkommanix zum missionierenden Inder. Der ist nach Bayern gekommen, um im englischen Singsang die vom Glauben abgefallenen „Sinners“ zurückzuholen. Er ist der „Shepherd“ – ein Hirte, „but no sheep“.

Als Landrat genießt er seinen „Schampanninger“, der „nachtragend im Abgang“ daherkommt, und schimpft auf die „Schmierer“ von der Presse, die nur Dreck über ihm ausgießen. Dabei seien die vom Sparkassendirektor gesponserten 120 000 Euro für ein Geburtstagsfrühstück wohl nicht übertrieben. Seine Frau hat er als „Freelancer“ im Landratsamt beschäftigt, dem Banker die Auffahrt zur noblen Almhütte teeren lassen. Wozu die Aufregung? Den Steuerzahler hat das nichts gekostet. „Des zahlt alles die EU.“ Und wenn ihn schon keiner lobt, dann macht er das eben selbst. Er hebt das Glas. „Ich lebe hoch.“

Gegen Ende lockt Polt die Zuschauer vor das fiktive Radio, in dem die sensationslüsterne Moderatorin den „Alkoholsportler“ interviewt, der schon als Kind vom Bier probiert hat. „Ein Kindheitstrauma“, findet die Moderatorin. „Ein Traum von einer Kindheit“, der Alkoholsportler. Ob sein Sohn in seine Fußstapfen treten wolle? Nein. Der werde Kampftrinker, fünf Komas hatte er schon.

Nach zwei Zugaben endet ein Abend voller poltscher Weisheiten. Eine lautet: „Wenn’s keine Deppen mehr gibt, bricht der ganze Laden zusammen.“

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