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Im Kreuzfeuer: Markus Blume musste sich viel Kritik anhören. Mit in der Runde: Susanne Hehnen (2.v.l.) aus Haar, Ingrid Reinhart-Meier (M.) aus Grünwald sowie Susanna Weiß (l.) und Sadija Klepo vom Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“.

Asyl

Großes Potenzial, das „herumsitzt“

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Warum es ein Krisentreffen der Helferkreise war, die sich jetzt in der Grünwalder Römerschanz zum Symposium getroffen haben, wurde schnell deutlich: Die Unterstützung für die Ehrenamtlichen bröckelt. Viele Flüchtlingshelfer beklagen einen Schwund ihrer Mitglieder.

Grünwald – Obwohl die meisten Traglufthallen längst abgebaut sind, nimmt die Arbeitslast zu, und die Unterstützerkreise fühlen sich von den staatlichen Stellen allein gelassen. Das ergab auch die Podiumsdiskussion mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Markus Blume, Susanne Hehnen, der Leiterin für Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen in Haar, der Sprecherin des Grünwalder Helferkreises, Ingrid Reinhart-Meier, sowie Susanna Weiß und Sadija Klepo vom Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“. Das Publikum durfte sich mit einbringen.

Alles beherrschend war die Frage nach der Arbeitserlaubnis für Asylbewerber, denen eine geringe Bleibeperspektive attestiert wird. Susanne Hehnen: „Der Wind weht kühler. Die Ermessensspielräume sind sehr eng.“ Bis zu 80 Prozent der Asylsuchenden seien bereit, hätten sich angestrengt und ein gutes Deutschniveau. „Da wären schon ein paar dabei. Die könnten die Fachkräfte werden, die wir brauchen würden. Das Potenzial ist da, und es ist schade, dass dieses Potenzial herumsitzt.“

Markus Blume, der sich ganz oft angesprochen fühlen musste, äußerte viel Verständnis, warb aber auch umgekehrt dafür, einen rechtlichen Rahmen anzuerkennen. Er wollte zunächst eine optimistische Grundbotschaft verkünden: „Niemand will jemanden von Arbeit fernhalten, der integrationswillig ist. Aber wir dürfen keine neuen Anreize setzen für illegale Immigration, für einen gefährlichen Weg übers Mittelmeer. Stattdessen gelte es, Perspektiven für legale Wege nach Deutschland zu öffnen.“ Blume sieht auch ein Problem, wenn die Verfahren ewig dauern. Frauen, die Kinder hier geboren haben, die jetzt in die Grundschule gehen und noch nie ein anderes Land gesehen haben. Da müsse man einen Schnitt machen, die Altfälle anders behandeln als die, die neu hinzukommen. Er plädierte dafür, nicht die weiße Fahne zu hissen und zu erklären, dass beherrschbare Migration nicht möglich sei. Ansonsten würde sich Europa wirklich abschotten.

Dass Arbeitsverbote nichts bringen und niemanden aus Afrika davon abhalten, über das Mittelmeer zu kommen, glaubt Asylberater Eddy Biyogho aus Gabun. Nur eines könne helfen, nämlich in den Ländern vor Ort Aufbauhilfe zu leisten: „Die Leute, die es nach Deutschland schaffen, sind lebende Leichen. Sie werden immer wieder kommen, weil sie keine andere Perspektive haben, auch wenn hunderte sterben.“

Die Gründerin des Vereins „Hilfe von Mensch zu Mensch“, Sadija Klepo, aus Sarajewo fackelte nicht lange und kritisierte Markus Blume stellvertretend für die CSU: „Die die Gesetze durchführen, verstehen nicht, um was es geht: Wir brauchen bei den Politikern viel mehr Empathie und Schlauheit.“

Aber wie sieht eine solche mangelnde Empathie konkret aus? Helmut Fischer vom Unterstützerkreis Weilheim fühlt sich von einer Aussage Blumes stark provoziert: Die Abgeschobenen würden profitieren von den Erfahrungen, die sie in Deutschland sammeln können. „Aus meiner Sicht blanker Zynismus.“ Auf der Hirschbergalm bei Pähl im Landkreis Starnberg, die von Asylbewerbern bewohnt wird, herrschen laut Fischer ganz radikale Zustände und der Unterstützerkreis habe hier große Probleme zu meistern. „Die Abzuschiebenden werden kaserniert und warten auf den Zeitpunkt X, wenn das Schwert zuschlägt.“

Georg Strasser, der für die Arbeitsvermittlung von Asylbewerbern im Landkreis Starnberg zuständig ist, warnte vor einem Prekariat und malte ein mehr oder weniger hoffnungsloses Bild unter den Menschen mit geringer Bleibeperspektive. Eine erfolgreiche Abschiebung finde nicht statt. Aber wenn sie ohnehin alle hier bleiben, dann müsse man doch aktiv gestalten. Diese Darstellung gefiel CSU-Mann Blume ganz und gar nicht. „Denn wenn es zuträfe, dass jeder, der die Staatsgrenze überquert, automatisch ein Leben lang hier bleibt, wäre das ein staatlicher Offenbarungseid.“ Blume gab zu, keine Patentlösung parat zu haben: „Aber die Ordnung muss bestehen bleiben.“

Immerhin, einen Wunsch von der Grünwalder Flüchtlingshelferin Reinhart-Maier zum Schluss konnten alle unterschreiben: „Dass der anstehende Wahlkampf bitte nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge und der schwachen Leute ausgetragen wird.“

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